Nachschlag zum WDR-Kinderchor-Gate: Öffentlich-Rechtliche verachten und beleidigen die eigenen Gebührenzahler

Köln – Der Aufruhr über das WDR2-„Comedy-Kinderchor“-Video aus Dortmund hat immerhin ein Gutes: Die Reaktionen der Söldner der Staatssender sind wieder einmal mehr als entlarvend  – sowohl von Prominenten im Schlaglicht als auch die von Mitarbeitern im Hintergrund. Es genügt nicht, dass die Bürger per Beitragsservice monatlich fürs Framing abkassiert werden – sie dürfen sich anschließend auch noch von jenen beleidigen lassen, die sie mit ihren Gebühren alimentieren.

Dies besorgte gestern zunächst der beim WDR beschäftigte Rotzlöffel Danny Holleck, der mit seinem gestrigen Tweet die vom Chor besungene Verachtung für alte Menschen und Beitragszahler um weitere Ausfälligkeiten bereicherte (zur Omi als „Umweltsau“ kam auch noch die „Nazisau“, jouwatch berichtete). Auf seinen verbalen Tiefschlag hagelte es verzückte Reaktionen – nicht nur von gewerkschaftlich (ver.di-)organisierten WDR-Kollegen aus dem Betriebsrat, sondern auch von Grünen wie dem EU-Abgeordneten Marcel Duda. Und trotz sofortiger Distanzierung des WDR von Hollecks unterirdischem Tweet (in dem Holleck als lediglich „freier Mitarbeiter“ dargestellt wurde, als würde dies etwas an der faktischen Zusammenarbeit mit solchen Figuren ändern) fanden Mitarbeiter der „Aktuellen Stunde“ des Senders diesen dufte; etwa Sounia Sihai, die auch beim ZDF tätig ist.

Screenshot:Twitter

Darüberhinaus nutzte auch Jan Böhmermann –  die bornierteste Zumutung, seit es öffentlich-rechtliche Unterhaltung gibt – den Fall für einen neuen Twitter-Ausfall und brachte seine offenbar krankhafte NS-Obsession gegenüber allem und jedem außerhalb der eigenen Filterblase in die Thematik ein:

Screenshot:Twitter

Bei dem ZDF-Neo-„Comedian“ ist inzwischen allerdings allzu durchschaubar, worum es ausschließlich geht: In Nils-Ruf-Manier jeden sich bietenden Anlass zur plumpesten, dümmst-denkbaren Provokation zu missbrauchen, um selbst wieder in die Schlagzeilen zu kommen. Da sich aber auch diese Person an den Zitzen der Gebührenzahler sattsäugt, um eben die seinen Müll finanzierender Beitragszahler zu beleidigen, steht er für dasselbe Phönomen wie WDR-Hetzer Holleck.

Knallcharge Böhmermann steht nicht alleine. Auch Moderator Micky Beisenherz verhöhnte die Kritiker an der Kinderpropaganda-„Comedy“ aufs Übelste: Dass WDR 2 das Video aus dem Netz nahm, war für ihn ein Einknicken vor „irgendwelchen Schwachsinnsgestalten“ – es sind übrigens dieselben Schwachsinnsgestalten, die sein Einkommen bezahlen.

Screenshot:Twitter

Der Wirbel den Dortmunder Kinderchor mit seiner gänzlich verunglückten „Satire“, die keine war, durchdringt derweil das Netz bis in die letzten Winkel. Dies war einer der eher seltenen Momente, in denen die Empörung der Gegenöffentlichkeit recht schnell auf die offizielle „Veröffentlichkeit“ übergriff. Sogar Mainstreammedia und Politik identifizierten rasch die Gefahr eines Generalshitstorms, der sich über das Rauschen der üblichen Verdächtigen hinaus und zu einem Umkippen der öffentlichen Meinung insgesamt führen könnte (ebensoso wie nach dem von der ARD zunächst totgeschwiegenen Freiburger Sexualmord an Maria Ladenburger oder Anfang Dezember beim Augsburger Totschlag plötzlich dann doch auf die Emotionen des Volkes eingegangen werden musste).

Inszenierte Distanzierung der Politik vom eigenen Hausfunk

Und so rief die Chornummer inzwischen sogar die eilfertige Distanzierung von Politikern hervor, die sonst mit dem schamlosen Framing durch ihre Haussender so gar kein Problem hatten. Nicht nur NRW-Landesvater Armin Laschet (CDU) versuchte, den Volkszorn ins Leere laufen zu lassen und den Chorauftritt wohlfeil zu kritisieren; sogar agitatorische Spalter aus seiner Partei wie Rupert Polenz (der den hier sogar populistisch nach dem Rundfunkrat rief) versuchten auf den Zug aufzuspringen. Da blieb dann WDR-Intendant Tom Buhrow nichts anderes übrig, als „ohne wenn und aber“ das gesungene Kinderlied als „Fehler“ zu bezeichnen.

An der allseitigen Reue fällt allerdings auf, dass dieser „Fehler“ vor allem in der „Ausspielung von Jung gegen Alt“, in der Verächtlichmachung von Senioren und Großeltern durch ihre eigenen Nachkommen gesehen wird. Bezeichnenderweise nehmen die Kritiker weniger Anstoß an der neuerlichen schamlosen Indokrination kleiner Kindern nach nordkoreanischem Mustern, die altersbedingt unreflektiert zu spaßigen Hymnensingern allgemeinen Klima- und Ökologismus-Hysterie gemacht werden.

Man hat also bezeichnenderweise weniger ein Problem damit, dass Kinder – die zu allen Zeiten ihre eingebimsten Lieder mit Inbrunst und Engelsstimmen intonierten, ob auf Kaiser, Führer, gegen das Kapital, für weiße Überlegenheit oder Sektenführer – zu Werkzeugen des Framings werden, sondern stößt sich an Stilfragen des Generationenkonflikts. Mit gutem Grund: Sollten die ÖR-Meinungsschmieden von der Instrumentierung Kinder und Jugendlicher abrücken, dann dürfte auch Greta dort kaum mehr stattfinden, ebensowenig wie die Vereinnahmung von Kindern „gegen rechts“ und CO2. (DM)