WDR framed munter weiter: Bekämpfung des Rechtsradikalismus „Aufgabe für das neue Jahrzehnt“

Seit Danny Holleck die vom Dortmunder WDR2-Kinderchor als Umweltsäue geschmähten Omas – in einem denkwürdigen Ausbund von arithmetischer und historischer Dummheit – obendrein zu Nazisäuen erklärte, schaut man in Deutschland etwas genauer hin, welche „freien Mitarbeiter“ beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk so ihr Unwesen treiben, und was genau sie im Dienst und privat absondern. Lange suchen muss man nicht, um herauszufinden, dass der Zweiklang von Klimahysterie und inflationärer Nazi-Paranoia bei den ÖRR“Content-Providern“ eher Regel als Ausnahme ist – insbesondere beim WDR.

Der Journalist und Schriftsteller Gerrit Wustmann, der beim WDR in der Hörfunksendung „WDR3-Zeitlupe – Essays aus ‚Europa in der Krise'“ auftritt und dort unter anderem „Geschichten aus der rheinischen Provinz“ zum besten gibt, fasste gestern – eine Woche nach der wohl famosesten Selbstentblödung des WDR – in einem denkwürdigen Kommentar auf „telepolis“ (Online-Magazin des Heise-Verlags) nochmals zusammen, worauf es im neuen Jahrzehnt ankommt: „Rechtsradikalismus bekämpfen!“ ist aus seiner Sicht die Devise. Na sowas, das hat man ja noch nie gehört.

In einem wilden Husarenritt von Thilo Sarrazin („Wegbereiter rassistischer Thesen“) über die AfD („viel zu lange als ‚rechtspopulistisch‘ verharmlost“, „hat sich in Richtung rechtsradikal entwickelt“) bis zu der als Tatsache dargestellten, der Realität jedoch diametral entgegenstehenden Fiktion einer angeblichen Unterwanderung der Medien von „rechts“ kommt Wustmann schnell zum eigentlich Thema, zum wahren Anlass – seiner Einlassung: Die Umdeutung der Empörung über den „Omagate-Skandal“ zu einer rechten Empörungsinszenierung, womit praktischerweise gleich die lieben WDR-Kollegen entlastet und zu Opfern erklärt werden können. „Die Kollegen von Spiegel Online“, so Wustmann, „haben recht gut aufgedröselt, wie es dem rechten Social-Media-Mob gelungen ist, das Thema hochzujazzen und wie schließlich einschlägige Gruppen vor dem Vierscheibenhaus in Köln aufmarschierten… Inzwischen tut die rechte Szene, was sie am besten kann: Sie schickt Morddrohungen an WDR-Mitarbeiter – und Intendant Tom Buhrow gibt sich verwundert und entsetzt. Dabei hätte es viel Druck aus dem Kessel genommen, hätte er sich von Anfang an hinter seine Mitarbeiter gestellt.“

Die Windmaschinen jammern über Gegenwind

Mit Rückendeckung des strammlinks-solidarischen Medientrusts wagt sich Wustmann hier sogar an die Schelte des eigenen Intendanten – und pinkelt Buhrow wie etliche Kollegen vor ihm an, weil sich dieser von einem Schmutzfink und Hetzer zu Recht distanziert hat, der in lupenreiner Volksverhetzung eine ganze Generation alter Menschen im Land kollektiv als Nazis in den Dreck gezogen hatte. Das ist das journalistische Niveau des gebührenfinanzierten Staatfunks in Deutschland. Auch Wustmann will dies offenbar nochmals unter Beweis stellen, nachdem die Aufregung zum Jahresende gerade etwas abgeklungen war.

Selbst Wustmann aber scheint zu ahnen, dass er mit der haarsträubenden These kaum durchkommt, die Mehrzahl jener Millionen Deutsche, die sich über die kindermissbräuchliche, fehl-geframte Dreistigkeit des WDR2-„Comedychors“ entrüstet hatten, seien Rechtsextreme. Als Beleg für die rechtsextreme Dauerbedrohung der anstehenden braunen Zwanziger taugt dieses Beispiel eher schlecht; deshalb muss er in seinem von Klischee nur so strotzenden Telepolis-Gesinnungsaufsatz noch flugs ein paar weitere scheinbare Indizien für den rechten Vormarsch einstreuen.

Wustmann findet sie zum Beispiel in den „Leuten, die in Unkenntnis des Pressekodex fordern, man solle die Nationalität von Straftätern nennen – und die damit freilich nicht den Pass, sondern die Hautfarbe meinen“. Die Hautfarbe? Nach der Totschlag-Gruppenattacke von Augsburg, nach der Freiburger Massenvergewaltigung oder den Macheten-Häckselstücken von Limburg oder Stuttgart-Fasanenhof hatten sich viele spontan für die Täternationalität interessiert, das ja – aber nicht nach der Hautfarbe. Wie Wustmann darauf kommt, woher er das exklusive Wissen um die in Wahrheit rassistische Neugier der Deutschen nimmt, verrät er nicht. Dass es angesichts einer faktisch belegten gravierenden Zunahme von Migrantenkriminalität vitales Interesse der Bevölkerung ist (wie wohl in jedem Land!), zu erfahren, welche Tätergruppen für aufsehenerregende Straftaten verantwortlich sind: dies hat nichts, aber rein gar nichts mit Fremdenfeindlichkeit, ethnischem Profiling oder gar rassistischen Denkmustern zu tun. Wer so etwas unterstellt, reproduziert letztlich nur eigene, positiv-rassistische Stereotypen auf seine eigenen Landleute. Aber Wustmann weiß noch mehr: „Würde man es (=die Nennung der Täternationalität) denn wirklich konsequent tun“, dann wäre dies „für jene, die es fordern, ziemlich ungemütlich, denn die mit gigantischem Abstand größte Gruppe unter allen Straftätern sind weiße Männer.“

Pseudostatistische Märchenstunde

Über soviel Borniertheit, über soviel relativistische Schlichtheit kann man sich gar nicht mehr recht echauffieren. Abgesehen davon, dass die Wustmanns Behauptung für bestimmte Deliktgruppen – etwa Messerstraftaten oder bestimmte Drogenvergehen – gar nicht zutrifft und dass übrigens auch Araber und Türken meist zu den „weißen Männern“ gezählt werden: Risikogruppen erhöhter krimineller Prävalenz, die sich aus einer ebenso rechtswidrigen wie vermeidbaren Problemmigration ergeben, in verharmlosenden Bezug zur in jedem Staatsvolk vorhandenen einheimischen Grundkriminalität zu stellen, ist sogar noch debiler, als Äpfel mit Birnen oder Kirschen mit Kürbissen zu vergleichen. Nach Wustermanns Logik muss dann auch Alkohol am Steuer sofort erlaubt werden – denn die mit gigantischem Abstand meisten Besoffenen kommen trotzdem unfallfrei nach Hause; Verkaufs- und Werbebeschränkungen für Tabak müssen sofort gestrichen werden – die mit gigantischem Abstand größte Gruppe der Raucher stirbt nicht an Lungenkrebs. Bankschließfächer und Wohnungstüren müssen nicht mehr abgeschlossen werden – die mit gigantischem Abstand meisten Menschen stehlen trotzdem nichts. Triebwerkschäden oder technische Mängel an Flugzeugtypen dürfen keine Flugverbote mehr rechtfertigen – die mit gigantischem Abstand meisten Maschinen stürzen trotzdem nicht ab.

Wustmann rundet sein wüstes Gewurste auf „Telepolis“ mit kruden verschwörungstheoretische Anspielungen einer Komplizenschaft des Staates an den NSU-Morden ab („solange der Verfassungsschutz nicht bereit ist, die unzähligen offenen Fragen und Ungereimtheiten zu beantworten, solange er Akten für Jahrzehnte unter Verschluss halten will – solange müssen wir davon ausgehen, dass der Verfassungsschutz mindestens eine Mitschuld an diesen Morden trägt“). Und natürlich darf auch die Schuldzuweisung an den Verfassungsschutz nicht fehlen, nichts oder zu wenig gegen die AfD zu unternehmen – denn dort seien „Personen mit Sympathien für rechtsradikale Positionen“ aktiv.

Kein Wort verliert dieser Autor hingegen über den linken Terror von Leipzig, über lebensgefährlich verletzte Polizisten und linksextreme Mordaufrufe – eine ebenso entlarvende wie bezeichnende Ausblendung. Es könnte die Sektlaune zum Dekadenauftakt gegen Rechts trüben. (DM)