5 Jahre Charlie-Hebdo-Anschlag: Islamistischer Terror ist fürs ZDF ein Resultat von „Streit“

FRANCE - TRIBUTE TO THE VICTIMS OF THE ATTACKS AGAINST CHARLIE HEBDO - HOMMAGE AUX VICTIMES DES ATTENTATS VISANT CHARLIE HEBDO PARIS ILE-DE-FRANCE - IDF FRANCE PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xMathieuxMenardx HLMMENARD966463

Den heutigen fünften Jahrestag der Pariser Terroranschläge auf die Redaktionsräume des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ nahm das ZDF zum Anlass für einen 30-jährigen chronologischen „Überblick“, der – so die Überschrift – einen angeblichen „Konflikt um Pressefreiheit, Meinung und Kunst“ beleuchten soll. Im Netz und in der ursprünglichen Version der Überschrift wurde der Beitrag wie folgt angeteasert: „Fast 30 Jahre Streit im Überblick“.

„Streit“, „Konflikt“ – mit solch monströsen Euphemismen wird hier eine schier endlose, mit fortschreitender Zeitläufte immer radikaler daherkommende Gewaltorgie unzähliger Einschüchterungen, Bedrohungen, Morde und vollendeter Terroranschläge beschrieben, die in Wahrheit allerdings ausnahmslos allesamt von der einen Seite ausgehen.

Der „Konflikt zwischen christlicher und islamischer Welt“ stellt keinen Kulturkampf zweier rivalisierender, diskursiv gegenüberstehender Weltanschauungen dar; er ist bestenfalls ein ideologischer Grabenkampf, den die eine Seite zum Krieg steigerte – und zwar die muslimische; und dies nicht etwa erst seit der iranischen Fatwa gegen Salman Rushdie (jener „Zäsur“, die das ZDF willkürlich an den Beginn der Schreckenschronik stellt). Die 30 Jahre, die die Chronik umfasst, bilden lediglich die menschenverachtendem Höhepunkte im pausenlosen Streben des politischen Islam (in seinen diversen Schattierungen) ab, die Feinde dieser totalitären Weltreligion einzuäschern, zu eliminieren, wegzubomben.

Screenshot:Twitter

Hierbei war es übrigens nicht, wie das ZDF romantisierend schreibt, die „christliche Welt“, gegen die sich 9/11, die Anschläge von Madrid und London, der sich heute jährende Hebdo-Anschlag, ein knappes Dreivierteljahr Jahre später die Pariser Bataclan-Massenerschießungen oder die Manchester-Attacke beim Ariana-Grande-Konzert richteten (von all den anderen Massenmorden im Zeichen des Halbmonds ganz zu schweigen). Sondern es war und ist die westliche Lebensart, die westlichen Grundwerte, die Individualität und weltliche Ordnung der aufgeklärten Erdhälfte, denen sich die Terroristen von Bali bis Berlin entgegenstellen und für deren Zerrüttung ihnen kein Mittel zu grausam scheint. Genau jene Pluralität ist ihnen verhasst, für die die großen Islam-Apologeten unter den westliche Künstlern, Intellektuellen und Medienschaffenden ständig so aufopferungsvoll eintreten. Auch und gerade das ZDF. Im Zweifel ist sogar Terror bunt.

Was das ZDF hier betreibt, ist die rabulistische, hinterfotzige Aufwertung von teilweise vormittelalterlichen, teilweise islamofaschistischen Mordbrennern zu paritätischen Streitern eines angeblichen Kulturkampfs, in dem beide Seiten mit gleichharten Bandagen kämpfen. So wie sozialistische Denker einst dem RAF-Terror als legitime Spielart der antibourgeoisen Gegenreaktion akademische Geltung verschafften, werden hier islamistische Terroristen zur bloßen „Partei“ eines „Konfliktes“ hochgeschrieben, in welchem die eine Seite mit gewissen Auswüchsen von Kunst- und Meinungsfreiheit eben so ihre Schwierigkeiten hat. Deshalb muss dann der dänische Zeichner Kurt Westergaard, Urheber der Mohammed-Karikaturen, bis heute mit permanenten Todesdrohungen leben, so wie eben auch Salman Rushdie.

„Verletzung religiöser Gefühle“ versus Bomben

Dass die „andere Seite“ (die westlich-christliche) in diesem „Konflikt“ ausnahmslos die Opfer, aber keine Täter stellt, dass kein einziger Terroranschlag von „Christen“ verübt wurde, führt die „Streit“-Hypothese schließlich völlig ad absurdum. Die ZDF-Chronologie behilft sich hier mit dem Kunstgriff, die Regensburger Rede von Papst Benedikt 2006 (in der dieser „islamfeindliche“ Aussagen eines byzantinischen Kaisers vor 600 Jahren zitiert hatte) oder die „Verletzung religiöser Gefühle“ durch den Abdruck besagter Mohammed-Karikaturen auf die Haben-Seite christlicher Übergriffe zu bringen und so den Anschein eines Schlagabtauschs zu erwecken, der in Wahrheit eine einzige islamistische Terrorserie war.

Sie sitzt erkennbar tief bei den deutschen Medien (nicht nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern), die phobische Sorge, bloß keine „Islamophobie“ zu schüren. So tief, dass Massenmord, Terror und religiöser Wahn dann lieber als Begleiterscheinungen einer ganz grundsätzlichen Systemdebatte relativiert und verniedlicht werden, bevor man das Kind beim Namen nennt. Mit derselben Chuzpe könnte man dann auch die Nürnberger Gesetze, Dachau Auschwitz auf einen „Konflikt um Glaube, Blut und Rasse zwischen Deutschen und Juden 1935-1945“ herunterbrechen.

Das ZDF kann jedenfalls ganz beruhigt sein: Seine Redaktionen werden nach diesem wohlwollenden 5-Jahre-Charlie-Hebdo-Jubiläumsstück ganz bestimmt nicht auf der Target-List künftiger, bereits im Untergrund schlummernder islamistischer Kommandos landen. (DM)