Politik aus dem Irrenhaus: „Klimaschutz“ lässt Stromverbrauch explodieren

Pro-Atom Klimaschutz -Demo am AKW Philippsburg Am 31.12.2019 will die EnBW den Block 2 des Atomkraftwerk Philippsburg entgültig abschalten. Das ist der gesetzliche Tag der Abschaltung für Philippsburg 2, wie es im Dreizehnten Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes 13. AtGÄndG 2011 beschlossen wurde. Drei weitere AKW-Blöcke werden Ende 2021 und die letzten drei AKW-Blöcke in Deutschland Ende 2022 abgeschalten. Unter dem Motto Atomstromverbot Klimatod demonstrieren deshalb Atomkraft-Befürworter*innen am 29.12.2019 vor dem AKW Philippsburg für den Erhalt der verbliebenen laufenden AKWs in Deutschland. Aufgerufen hat der Verein Nuklearia, der Atomkraft als Lösung für die Klimakrise ansieht. Aber auch Atomkraftgegner*innen nutzen die Abschaltung, um am 29.12.2019 ein Abschaltfest zu feiern. Philippsburg Kernkraftwerk Philippsbu

Köln – Ausgerechnet der in Deutschland zur Vollendung getriebene Klimawahn, die Umstellung auf Elektromobilität und die vielgerühmte Energiewende sorgen dafür, dass der Stromverbrauch durch die Decke geht – nun liegen konkrete Expertenzahlen darüber vor, in welch phantastischem Ausmaß. Das Motto der deutschen Energiepolitik lautet: Wieviel Strom verbraucht wird ist egal, Hauptsache er kommt aus „guten“ Quellen – und selbst das ist eine Lüge: Ohne Stromimporte – und damit auch ausländischen Atomstrom – wird es nicht gehen.

Wie das Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) berechnet hat, weisen die deutschen Klimaschutzpläne unschöne Nebeneffekte auf – vor allem was den Primärbedarf an Elektrizität betrifft: Wie die „dts Nachrichtenagentur“ unter Berufung auf die Studie vermeldet, wird bis 2030 der deutsche Stromverbrauch um mehr als ein Viertel in die Höhe schnellen. Konkret bedeutet das einen Zuwachs des Bruttostromverbrauchs im begonnenen neuen Jahrzehnt um satte 26 Prozent – auf dann bis zu 748 Terawattstunden (TWh).

Weil jedoch die erneuerbaren Energien dann nur 46 Prozent der Nachfrage decken  werden können, würde Deutschland das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von 65 Prozent erneuerbare Energien im Strommix bis zum Jahr 2030 deutlich verfehlen. Das Defizit wird, weil die Politik nach dem verantwortungslosen Atomausstieg auch der Kohle adios sagt, zwangsläufig durch Importe der europäischen Nachbarn, etwa Frankreich, gedeckt werden müssen  – und damit durch genau Strom aus Erzeugungsarten, die durch die hiesige ideologische Politik zum Teufel gejagt wurden.

Die Bundesregierung will von den fachlich wohlbegründeten, wissenschaftlich fundierten EWI-Berechnungen natürlich nichts wissen – stehen ihre Prognosen doch in eklatantem Widerspruch zu den wolkigen eigenen Zahlenspielen, nach denen bis 2030 sogar mit einem Rückgang des Stromverbrauchs um 4,5 Prozent auf nur 590 TWh zu rechnen sein wird.

Auf ideologischer Geisterfahrt

Was von solchen auf schierem Wunschdenken basierenden Projektionen zu halten sein wird (angesichts der ausgegebenen Ziele vor allem zur Elektromobilität, derzufolge ein Großteil des Individualverkehrs von jederzeit verfügbarem Strom abhängen soll), das mag jeder selbst für sich beurteilen.

Gründe für den erhöhten Stromverbrauch sind vor allem die einseitig präferierte und politisch gepushte Elektromobilität und der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen, die den Bedarf nach oben treiben. Besonders paradox mutet folgendes Resultat der Kölner Studie an: Die Industrie werde „für eine klimafreundliche Produktion mehr Strom“ benötigen. Je mehr die Industrie also fürs Klima tut, umso mehr Elektrizität wird dafür verbraucht – auf diesen Irrsinn muss man erst einmal kommen. Am Ende dieser Entwicklung stehen jedenfalls nicht nur ins Uferlose steigende Strompreise, sondern die mutwillige Gefährdung des deutschen Industriestandorts und damit des nationalen Wohlstands. (DM)