„Queen“ klagt gegen Trump: Deutsche Musikjournalisten völlig aus dem Häuschen

Brian May (Foto: Imago)

Künstler mit „Haltung“, davon kann man im deutschen Musikbetrieb seit Grönemeyers Konzert-Suaden praktisch nicht genug kriegen. Doch auch internationale Stars, die sich dem Endkampf gegen die dunkle Seite stellen, werden hierzulande vergöttlicht – sogar wenn sie längst Rock-Legenden sind: Dass „Queen“ zum wiederholten Mal gegen Trump juristisch vorgeht, versetzt deutsche Musikjournalisten in regelrechte Ekstase.

Das vom Axel-Springer-Verlag verlegte Musikmagazin „Metal Hammer“ geilt sich aktuell daran auf, dass das Trump-Wahlkampfteam in seinem Vorhaben gestoppt wurde, den Queen-Song „We Will Rock You“ im diesjährigen Präsidentschaftswahlkampf als Intro-Musik zu verwenden: „Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika unterlegte nämlich jüngst ein Wahlkampfvideo mit dem Klassiker ‘We Will Rock You’. Als die legendären britischen Rocker Wind davon bekamen, schalteten sie sofort ihre Anwälte ein und ließen die Aktion unterbinden.“

Normalerweise gelten Subkulturen wie der Metal- und Rockerszene Formalismen, juristische Regeltreue oder klageweise Durchsetzung von Rechtsansprüchen eher als spießig, uncool, bieder, kleinkariert und wenig spontan. Freddy Mercury selig als Versender von Abmahnungen oder Einstweiligen Verfügungen, das passt auch so gar nicht zum Queen-Image. Wenn aber eine ausgewiesene Hassfigur wie Trump (laut „Metal Hammer“ übrigens, welche Überraschung, „der wohl schlechteste US-Präsident aller Zeiten“) Queen-Songs ausschnittsweise im Wahlkampf verwendet, gehen juristische und urheberrechtliche Spitzfindigkeiten völlig in Ordnung.

„Anti-Trump“ fast so berauschend wie ein neuer Hit

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Truppe um Brian May mit Trump aneinandergeraten; vor seiner Wahl 2016 hatte er den Queen-Song „We Are The Champions“ im Wahlkampf spielen lassen. Die Band erklärte jetzt: „Queen möchten nicht, dass ‘We Are The Champions’ als Unterstützung für Herrn Trump und die politischen Ansichten der Republikanischen Partei genutzt wird.“ Dass gerade „We Are The Champions“, wie übrigens auch „We Will Rock You“, allerdings seit Jahrzehnten hunderttausendfach bei allen erdenklichen Anlässen – von Betriebsfeiern über Sportevents bis zu Stadienfesten – als Hymnen gespielt werden finden, ohne dass die Band hier eine Zweckentfremdung oder gar ein missbräuchliches Testimonial erkennt, ist ganz typisch: Bei Trump muss natürlich demonstrative Distanzierung erfolgen, um die „politische Vereinnahmung von Musik“ zu verdammen.

Als hingegen Bands wie „U2“ bei der Inaugurationsfeier von Barrack Obama spielten, nahm daran in Deutschland kein Journalist Anstoß. Auch dass der Stones-Song „Angie“ jahrelang bei Auftritten Angela Merkels geträllert wurde, galt als pfiffige, sympathische Untermalung. Es kommt eben immer darauf an, von wem Musik „politisch vereinnahmt“ wird… (DM)