Rechtsreferendar mit „rechten“ Tattoos lässt sächsische Jurisprudenz rotieren

Ja wo sind sie denn, die Hakenkreuze? (Symbolfoto:Imago/fotoarena)

Dresden – Wird Tattoo-Beschau bald zu einer neuen Disziplin des Staatsschutzes? Ein Rechtsreferendar mit mutmaßlich rechtsextremen Kontakten geriet ins Visier der Behörden – aber nicht aufgrund irgendwelcher konkreter Vorwürfe (es lagen auch keine Straftaten vor!) – sondern weil er verdächtige Tättowierungen auf der Brust trug. Wenigstens in Österreich wahren die Staatsanwaltschaften noch Augenmaß.

Während Linksextreme mit konkreten „Taten“ von sich reden machen, Polizisten attackieren, fremdes Eigentum abfackeln und Morddrohungen ausstoßen, wofür es Freisprüche oder allenfalls symbolische Kuschelurteile hagelt, genügt bei Verdachtspersonen der „rechten“ Szene bereits der falsche Körperschmuck -selbst wenn es sich um angehende Juristen wie den sächsischen Rechtsreferendar Brian E. handelt, der wegen eines von ihm selbst (rein privat!) auf Facebook geposteten Fotos ins Visier von Nazi-Jägern in gleich zwei Ländern geriet.

Wie das Juristenportal „lto.de“ berichtet, hatte eine Gruppe von Referendaren aus Sachsen den 27-jährigen als mutmaßlichen Nazi-Sympathisanten denunziert: Ein Kampfsportler, mit „nacktem Oberkörper“, zudem „in Siegerpose und mit geballter Faust, auf der Brust ein aufwendiges Tattoo“ – da war der Anfangsverdacht schon übererfüllt. Als dann auch noch das Gerücht aufkam, das Tattoo enthalte „rechtsextreme Abzeichen“ wie die „Schwarze Sonne“ oder „mehrere Hakenkreuze“ (die freilich keineswegs ersichtlich waren), erstattete der Präsident des Oberlandesgerichts Dresden, der für die Ausbildung E.’s zum Rechtsreferendar zuständig ist, prompt Anzeige gegen seinen Adlatus. Weil das Foto bei einem Kampfsportwettbewerb in Österreich entstand, ermittelte eilfertig die dortige Staatsanwaltschaft Wels.

Keine Anhaltspunkte für Hakenkreuze

Diese allerdings konnte der Hysterie deutscher mainstream-konformer Juristen nicht folgen: Die Ösi-Ermittler konnten weder Anhaltspunkte für eine rechtsradikale Gesinnung finden, noch die Verteidigung des Referendars entkräften, der erklärt hatte, sein Tattoo zeige nicht etwa Nazi-Symbole (und schon gar keine Hakenkreuze), sondern Motive der nordischen und griechischen Mythologie. Deshalb stellten die Welser Staatsanwälte das Ermittlungsverfahren ein.

In Deutschland will man E. jedoch nicht so leicht davonkommen lassen: Hier werden in puncto Hexenjagd keine halben Sachen gemacht – der Fall des Ex-CDU-Kreispolitikers Robert Möritz lässt grüßen, dem ebenfalls aus einer „Schwarze Sonne“ als Tattoo sowie einer Jugendsünde (ein weit zurückliegender Saalordner-Job bei einer rechten Kundgebung) ein Strick gedreht wurde: Weil Brian E. angeblich im Januar 2016 gemeinsam mit Hooligans und Neonazis an „Krawallen“ in der Leipziger Linken-Hochburg Connewitz teilgenommen hatte, verurteilte das Landgericht Leipzig im Dezember seine Verurteilung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten; die Revision läuft, doch bleibt diese erfolglos, bedeutet es für E. das Ende seiner juristischen Laufbahn. Man vergleiche diese Konsequenzen, dieses Strafmaß mit den 60 Sozialstunden für den linksradikalen Täter, der in der Silvesternacht bei Krawallen gegen Polizisten mitmischte und einen Beamten verletzte, dem er in vollem Lauf ein Bein stellte. Die Justiz ist auf einem Auge mehr als blind. (DM)