Nix für Almans: Mit „TRT Deutsch“ hat Erdogan jetzt seinen deutschsprachigen Haussender

TRT-Kamera in Berlin (Foto:Imago/Popow)

Der gestrige Start von „TRT Deutsch“ markiert die nächste Etappe des vollkommenen Integrationsversagens in Deutschland: Mit der Aufnahme des deutschsprachigen Sendebetriebs wird den vermeintlich hier „angekommenen“ Türken türkische Staatspropaganda frei Haus geliefert, die ihnen nicht nur ihre wahre Herkunft stetig in Erinnerung ruft, sondern auch Erwartungen und politische Zielsetzungen des eigentlichen Vaterlandes (und als solches sieht Erdogan seine Türkei für die Auslandstürken und Türkischstämmigen) offen artikuliert.

Dass die Bundesrepublik dieser medial institutionialisierten Einmischung in innere Angelegenheiten durch ein fremdes Land nichts entgegensetzt, liegt ganz auf einer Linie mit der willfährigen Duldung nationaltürkischer Propaganda in deutschen Stadien bei früheren Staatsbesuchen Erdogans und seiner Regierungsvertreter. Auch die fahrlässigen Nachsichtigkeit deutscher Politiker gegenüber islamischer Einflussnahme in von Ankara kontrollierten Ditib-Moscheen (und sogar an öffentlichen Schulen) durch Abgesandte der staatlich-türkische Religionsbehörde Diyanet İşleri Başkanlığı zeugt von dieser selbstmörderischen Haltung, die Parallelmilieus geradezu heranzüchtet.

„Öffentlicher“ Staatsfunk aus Ankara

Welche „Journalisten“ für die künftige Berieselung der hier lebenden Türken und Deutschtürken sorgen sollen, wird am Beispiel des TRT Deutschland-Chefredakteurs Kaan Elbir deutlich: Dieser war bis Ende 2018 Chef der Erdogan-treuen Zeitung „Sabah“, die regelmäßig gegen Deutschland hetzte. Wie „Bild“ berichtet, schrieb das Blatt etwa im März 2017 an Deutschland gerichtet: „Ihr kämpft umsonst. Eure Macht reicht nicht, um die Türkei aufzuhalten!“. Das sind also die Leute, die künftig in Deutschland die Meinung einer wachsenden Bevölkerungsgruppe mitbestimmen.

Weil in der Erdogan-Türkei bereits das Realität ist, was in Deutschland noch vor allem als polemische Überspitzung vorgetragen wird – dass nämlich der öffentliche Rundfunk ein vollständig von der Regierung beherrschtes Sprachrohr des Regimes ist -, kommt via TRT die türkische Staatführung und vor allem die Regierungspartei AKP ab sofort direkt in deutsche Wohnzimmer. Wie „Bild“ schreibt, erklärte der türkische Journalist Ismet Demirdögen – Mitglied des Radio- und Fernsehrates der Türkei –  bereits vergangenes Jahr: „Der öffentliche Rundfunk hat seinen Hauptauftrag zur Seite gelegt und ist stattdessen der Rundfunk der Regierung geworden.“ Mitgliedern der Regierungspartei AKP, so der Journalist, werde „ein Vielfaches an Sendezeit und positive Berichterstattung vor Wahlen“ eingeräumt, die Außenpolitik des Präsidenten werde „ausschließlich bejubelt“.

Bei künftigen Wahlen kann also die nicht unerhebliche Wählergruppe der hier lebenden türkischen Staatsbürger (und Doppelstaatsbürger) wunschgemäß manipuliert werden, die bereits bei den letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen mehrheitlich pro AKP und Erdogan abstimmte. Dass sich TRT Deutschland erklärtermaßen vom hiesigen Medienangebot abheben will, ist nicht als Ausdruck von Unabhängigkeit zu werten.

„Anti-Mainstream“ als Selbstdefinition

Der Sender erklärt zwar als eigenes Credo: „Wir durchleuchten aktuelle Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven und legen alternative Themen auf den Tisch, die in den Mainstream-Medien kaum Beachtung finden“. Doch in der Praxis dürfte das Programm ähnlich einseitig an Interessen und Sichtweisen der türkischstämmigen Bevölkerung orientiert sein, wie dies etwa auch für denvon Russlanddeutschen und Spätaussiedlern stark rezipierten Kanal „RT Deutschland“ typisch ist, der als Kreml-ergeben gilt.

„Bild“ versuchte, die Finanzierung von TRT zu recherchieren, doch der Sender gab sich bedeckt: Auf schriftliche BILD-Anfrage zu Themen, Finanzierung und eventuellen Abhängigkeiten vom türkischen Staat äußerte sich „TRT Deutsch“ nicht. Interessanter jedoch ist die Frage, wieso in Deutschland seitens der Regierung und des Gesetzgebers nicht längst Vorkehrungen getroffen wurden, den medialen Einfluss fremder Machthaber in Deutschland zu begrenzen. Es muss ja diesmal keine Strafbarkeit von „Feindsendern“ ausgerufen werden – doch Kanäle, die klar anti-integrativ und spalterisch wirken, sollten hierzulande nicht geduldet werden.

Im Poker gibt es die Devise: Es ist unmoralisch, einem Dummkopf sein Geld nicht abzunehmen. Übertragen auf Staaten lässt sich aus einem abgeklärten Standpunkt abgewandelt ebenso feststellen: Es wäre unsinnig, ein sturmreifes Land, das um seine eigene Eroberung bettelt, nicht zu erobern. Wenn Deutschland nicht nur alles mit sich machen lässt, sondern seine Gäste geradezu proaktiv dazu auffordert, sich hier breitzumachen und die einheimische Kultur durch ihre eigene, mitgebrachte zu ersetzen – dann verdient dieses Land nichts als den eigenen Untergang. (DM)