Nächste Krise bei den Öffentlich-Rechtlichen: Rassismus- und Sexismusvorwürfe gegen ARD-Tochter „Deutsche Welle“

Auch sexuelle Übergriffe bei der DW? (Symbolfoto:Imago/Panthermedia)

London / Bonn – Neuester Skandal beim gebührenfinanzierten deutschen Staatsfunk: Diesmal steht die „Deutsche Welle“ (DW), der zur ARD gehörende Auslandssender der Bundesrepublik, im Visier schwerer Vorwürfe: Sexismus, Rassismus und Mobbing sollen laut Vorwürfen britischer Medien zur Tagesordnung bei der DW gehören.

Die gegen die ÖRR-Bediensteten erhobenen Anschuldigungen gehören zum Deliktformenkreis, der normalerweise ausgerechnet von den öffentlich-rechtlichen Journalisten mit besonderer Hingabe unter die Lupe genommen wird; gerade Rassismus und Sexismus sind politisch aufgeladene Kampfbegriffe, die zum Rüstzeug des alltäglichen ARD-Framings im Kampf gegen politische Gegner gehören und in der Berichterstattung über „alte weiße Männer“ kulminieren – von Brasiliens Jair Präsident bis Donald Trump.

Dass jetzt ausgerechnet Angestellte des deutschen Haltungsstaatsfunks mit ihren eigenen Waffen geschlagen werden und sich vom moralisch unfehlbaren Ankläger plötzlich zum Beschuldigten wandeln, entbehrt nicht einer gewissen Ironie – ebensowenig wie der Umstand, dass ausgerechnet der linke „Guardian“ die Anschuldigungen aufgriff und veröffentlichte. Gab es etwa keine deutschen Medienkollegen, die über den Fall berichten wollen? War hierfür etwa Rücksichtnahme auf die DW-Mutter ARD der Grund, die zuletzt durch den WDR-Oma-Umweltsau-Wirbel arg gebeutelt war?

Mit „Respekttag“ und „Aufklärung“ gegen hochnotpeinliche Anschuldigungen

Wie gestern auch „Bild“ genüsslich wiedergab, führt das britische Blatt „konkrete Beispiele von Mitarbeitern“ auf, die „namentlich nicht genannt“ werden wollen. Die gegen diese laut gewordenen Anschuldigungen haben es in sich: So sollen in der Berliner DW-Redaktion „rassistische Schimpfwörter bezogen auf Schwarze, Juden und Pakistani“ gefallen sein, etwa das Wort „Nigger“. Und in einer arabischen DW-Abteilung soll ein Mitarbeiter einer schwangeren Kollegin gedroht haben, ihr den Finger zu brechen. Insgesamt sei das Klima und die Arbeitsatmosphäre bei der DW „wie ein Gefängnis“.

Die nervös gewordene DW-Geschäftsleitung hat bereits auf die Vorwürfe reagiert – mit einer „Aufklärungskampagne“, in der Intendanz und Verwaltungsspitze ihre „Null-Toleranz-Haltung gegenüber (Macht-)Missbrauch und sexueller Belästigung“ („Bild“) verdeutlicht hätten. Es sei sogar ein „Respekttag“ eingeführt worden. Es klingt fast so, als wäre das öffentlich-rechtliche Krisenmanagement bei jeder Konfrontation mit unliebsamen Realitäten stets identisch – ob diese in der Politik, der Gesellschaft oder der eigenen Belegschaft zutage treten. (DM)