Vorwürfe in Merkels Nahbereich: Antisemitismus und Rassismus mitten im Kanzleramt?

Symbolbild:Jouwatch

Berlin – Juden- und fremdenfeindliche Ausfälle ausgerechnet im Bundeskanzleramt, am Amtsitz der Schutzpatronin deutschen Gutmenschentums? Erst jetzt wurde bekannt, dass ein Mitarbeiter des dortigen Fahrdienstes über juden- und ausländerfeindliche Verbalinjurien durch Kollegen klagte.

Der Betroffene selbst stammt weder aus Deutschland noch Israel, sondern offenbar aus dem Libanon. Als Fahrer hatte er nur Referatsleiter und höhere Chargen im Kanzleramt chauffiert, nicht jedoch Merkel selbst. Bereits vor einem Jahr, so berichtet „Bild„, sollen er von einigen Kollegen der Fahrbereitschaft als „Kanake“ und „Judensau“ beleidigt worden sein; zudem sei er gemobbt worden.

Nun ist an sich schwer vorstellbar, dass deutsche, einheimische Angestellte des Kanzleramts einen Kollegen quasi in Hörweite der Kanzlerin, am Puls der politischen Macht und vor den Schaltstellen von Sicherheits- und Aufklärungsbehörden, rassistisch kujonieren und durch judenfeindliche Äußerungen drangsalieren. Tatsächlich kursierten gestern bereits im Netz Gerüchte, dass es sich bei den fraglichen Kollegen des libanesischen Juden um Bedienstete der Fahrbereitschaft mit arabischem Migrationshintergrund gehandelt habe; verifizieren ließen sich diese Verlautbarungen bislang nicht. Dieser Annahme widerspricht zudem auch die Beleidigung als „Kanake“, die ja dann auch auf die Wortführer selbst zurückfiele.

Weil sich das Kanzleramt zu ­Personalangelegenheiten prinzipiell nicht öffentlich äußert, stammen alle Informationen zum Vorgang von Felix Klein, dem Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung mit Dienstsitz im Bundesinnenministerium; dessen Sprecherin bestätigte „Bild“ gegenüber die Beschwerden des Mannes unter Hinweis auf eine strikte, vom Opfer selbst erbetene Vertraulichkeit. Zum Beschuldigten schrieb die Zeitung dementsprechend nichts.

Wer traut sich im Kanzleramt, antisemitische und fremdenfeindliche Parolen auszustoßen?

Ob es tatsächlich arabischstämmige und/oder muslimische Mitarbeiter unter den 500 Bediensteten des Bundeskanzleramtes waren, die hier einen jüdischen Kollegen mobbten, oder ob dafür am Ende wieder mal die allfälligen rechtsextremen Latenzprolls verantwortlich zeichneten (die es bekanntlich an jeder Ecke gibt, also auch im unmittelbaren Dienstumfeld Merkels), ist ebenso unklar wie die Frage, welche Konsequenzen Merkels Amt aus dem Vorfall zog. „Bild“ schreibt lediglich, dass nach Bekanntwerden der Anschuldigungen veranlasst worden sei, den Betroffenen „nicht mehr mit den Kollegen zusammenarbeiten“ zu lassen; inzwischen arbeitet er gar nicht mehr fürs Kanzleramt.

Der Fall birgt für die Kanzlerin jedenfalls einigen Sprengstoff: Schließlich ist sie selbst es, die im Kampf gegen Antisemitismus immer an vorderster Front steht und große Worte schwingt. Sollte ihr eigener Dienstsitz zum Schauplatz entsprechender Schauplätze geworden sein, und sollten für die antisemitischen Ausfälle tatsächlich Mitarbeiter mit einem entsprechenden Migrations- und Glaubenshintergrund verantwortlich gewesen sein, so wäre das Integrationsversagen ironischerweise dort angekommen, wo es seinen Anfang nahm: Bei einer Kanzlerin, die als Schutzpatronin einer überwiegend muslimischen Masseneinwanderung in die Geschichte eingehen wird, und in deren Amtszeit Judenfeindlichkeit in Deutschland wieder zur Normalität wurde. (DM)