Paranoia bei der „Süddeutschen“: Breitseite gegen Münchner Kindl wegen AfD-Nähe des Zeichners

In München, dem Stammland der „Süddeutschen Zeitung“, die seit längerem zum großen Kulturkampf gegen alle rechts intoxikierten Winkel der Gesellschaft aufruft, geht es nun einem populären Maskottchen an den Kragen: Das Comic-Kindl, eine beliebte Werbefigur der Münchner Verkehrsgesellschaft, ist ins Visier der SZ-Sittenwächter geraten – weil sein Zeichner und Erfinder ein angeblicher „AfD-Sympathisant“ sein soll.

Diese „Enthüllung“ ist natürlich ein gefundenes Fressen für die „SZ“ und ihre Kulturkämpfer, die die „Kontaktschuld“ mittlerweile sogar auf die schöpferischen Leistungen derer ausdehnen, die das Falsche denken. Deren Ausgrenzung, Isolierung und Kriminalisierung von Künstlern reicht nicht mehr; es müssen auch die Werke tabuisiert werden. So wird selbst das freundliche Männchen, das seit Jahren in Werbespots und Anzeigen der auftritt und stets hilfsbereit ist, zum entarteten Machwerk eines Gesinnungsverbrechers.

Dessen Namen nennt die SZ im Fall des MVG-Zeichners rücksichtsvoll nicht, da es sich um keinen prominenten Künstler handelt, sondern um einen Münchner Cartoonisten, der „als Person nicht in der Öffentlichkeit steht“, so das linke Kampfblatt – doch was dann über ihn berichtet wird, rechtfertigt aus Sicht der Redaktion natürlich die enthemmte öffentliche Breitseite gegen die MVG, die sich wegen der „pikanten Herkunft“ des Werbe-Kindls jäh unter Druck sieht. Grund ist, dass der Zeichner nicht nur „einen Namen in der deutschen Comic-Szene“ und „für BMW, ADAC oder Lidl“ gearbeitet habe, sondern schwere Schuld auf sich geladen hat, da er „auch für Björn Höcke“ tätigt war, Thüringens AfD-Chef. Für ihn habe der Zeichner, so die SZ mit Schaum vorm Maul, einst „einen Comic illustriert, den die AfD im Thüringer Landtagswahlkampf im vergangenen Herbst eingesetzt hat. Man findet ihn noch auf Höckes Facebook-Seite.“

Comicverbot wegen Höcke-Kollaboration?

Zudem habe der Mann bei den Münchner Kommunalwahlen 2014 „auf einem hinteren Listenplatz für die AfD kandidiert“. Als Beleg für die angeblich untragbare Geisteshaltung des attackierten Zeichners gibt die SZ sodann den Inhalt des besagten Comics wieder – und stellt eindrucksvoll unter Beweis, wie wenig ihre eigene Journalisten, die diesen „Skandal“ ausgruben, überhaupt das eigene Treiben reflektieren: Ironischerweise geht es in diesem Höcke-Comic nämlich um ein Paar, das den heutigen Zustand der Bundesrepublik moniert, diese mit der DDR vergleicht und feststellt, man sei „wieder auf dem besten Weg in eine Gesinnungsdiktatur“. Björn Höcke wird darin wie folgt zitiert: „Beängstigend, wie gleichgeschaltet Politik, Medien, Kultur und sogar die Kirchen inzwischen wirken.“ Für die SZ liegt der Fall klar: Ein Skandal. Dass die SZ mit ihrem MVG-Kindl-Bashing die Kernaussage des beanstandeten Comics allerdings exakt bestätigt – das fällt in der dortigen Redaktion anscheinend niemandem auf. Denn lässt sich eine schlimmere Gesinnungsschnüffelei denken als sie hier im Gange ist… indem eine bei den Münchener ÖPNV-Kunden stets gern gesehene Werbefigur verunmöglicht wird, weil ihr Urheber einst für die Falschen tätig war? „Für die MVG“, schreibt die Zeitung ernsthaft, „dürften sich nun politische, rechtliche und ethische Fragen stellen.“

Muss also heutzutage jeder, der irgendwelche Dienstleistungen in Anspruch nimmt, vorher den umfassenden Gesinnungscheck machen hat? Soll sich, wer ein Brötchen kauft, vorher das Parteibuch des Bäckers zeigen lassen? Darf man bei Busfahrern, die das Falsche wählen, nicht mehr zusteigen? Schreit es nicht nach fristloser Kündigung, wenn sich herausstellt, dass der eigene Vermieter schon einmal einem Flügel-Vertreter die Hand geschüttelt hat? Denkt man den Wahn zuende, den die SZ hier einfordert, dann dürfte man mit niemandem ohne ausdrücklichen, amtlich bestätigten Persilschein mehr kommunizieren oder Geschäftsbeziehungen unterhalten. Und wer jemals Saarordner, Beleuchter oder Klofrau auf einer AfD-Veranstaltung war, muss natürlich sofort arbeitslos werden.

Hätte der Zeichner beim MVG-Kindl irgendwelche kryptischen verfassungsfeindlichen Symbole oder verkappte AfD-Werbung eingebaut, läge der Fall anders. Doch die Figur hat mit der Einstellung, mit den politischen Präferenzen ihres Schöpfers nicht das geringste zu tun. Sie ist bei allen Fahrgästen, vor allem bei Kindern, rundum beliebt und hat ihren Marketingzweck mehr als erfüllt. Die Verstrickungen, die die SZ hier spinnt, zeugen von einer bedenklichen Paranoia, die allmählich das ganze Land erfasst. Diese wäre übrigens sogar dann grenzwertig, wenn es sich bei der AfD um eine verfassungsfeindliche Partei handelte – was keineswegs der Fall ist. (DM)