Giftig, aber durchaus vernünftig: Abgeordneten-Diäten an Rentenentwicklung ausrichten

(Symbolbild:Imago)

Linken-Veteran Oskar Lafontaine wartet mit einem für deutsche Volksvertreter ebenso heiklen wie steuerungspolitisch cleveren Vorschlag auf: Die Höhe der Abgeordnetendiäten in Deutschland, findet er, sollte an die Rentenentwicklung gekoppelt werden. Auf diese Weise würde die finanzielle Situation der Senioren schlagartig stärker ins politische Bewusststein rücken.

So verschroben Oskar Lafontaines politische Ansichten bisweilen auch anmuten, die altlinke Besitzstandswahrung mit proletarischen Klassenkampfparolen verquicken und in ihrer Konsequenz so ganz zu seinem persönlichen feudalen Lebenswandel passen: Zuweilen hat der saarländische Provokateur lichte Momente, die kluge Ideen hervorbringen.

In einem Facebook-Beitrag, den vergangene Woche die „Saarbrücker Zeitung“ aufgriff, hatte der 76-jährige Lafontaine – der als Bezieher hoher Versorgungspensionen selbst freilich nicht auf Pfennigrechnereien rund um die Rentenentwicklung angewiesen ist – ein Modell angeregt, demzufolge die Diäten „nicht mehr als das Siebenfache der Durchschnittsrente betragen“ dürften. Launisch prophezeit er: „Wetten, dass die Renten dann bald spürbar steigen und die Volksvertreter, nachdem sie die gesetzliche Rente zerstört haben, wieder ihre Verantwortung für die ältere Generation entdecken würden?“

Auch wenn Lafontaines Vorstoß eher polemisch gemeint war: Dass die Diäten, verglichen mit den deutschen Durchschnittsrente, eine konstant ansteigende, nachgerade exponentielle Entwicklung durchliefen und im vergangenen Jahr erstmals fünfstellige Werte erreichten – zum 1. Juli 2019 stieg die zu versteuernde Abgeordneten-Entschädigung um drei Prozent auf 10.083,45 Euro im Monat -, ist Anlass genug, endlich ein natürliches Begrenzungsmodell einzuführen. Hierzu wäre die Rentenkopplung gar keine schlechte Idee. (DM)