Todenhöfer, Polenz, Chebli: Das Auschwitz-Gedenken ist kaum vorbei, schon dreht die Islam-Lobby wieder auf

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Die Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des 75. Jahrestages der Auschwitz-Befreiung sind abgeschlossen, die Schonfrist ist vorbei: Nun können Krypto-Antisemiten in der Maske der „Israel-Kritiker“, aber auch kaum verkappte Judenhasser und ihre Sympathisanten in Politik, Gesellschaft und „Veröffentlichkeit“ wieder ungestört ihr Gift verspritzen und krude Weltsichten verbreiten.

Willkommene Gelegenheit dafür bot, passend zum intellektuellen Fastenbrechen nach der Auschwitz-Karenz, einerseits Donald Trumps Zweistaaten-Friedensplan in der Palästinafrage, zum anderen aber auch das nochmalige Nachtreten gegen jene, die – verglichen mit dem „klassischen“ Antisemitismus – den hunderttausendfachen Import islamischer Judenfeinde als die gegenwärtig größere Bedrohung für Anhänger des mosaischen Glaubens in Mitteleuropa identifizierten.

Zuerst trat gestern früh Rupert Polenz, Experte für schiefe Vergleiche, mit einem palästinensischen Solidaritäts-Tweet auf den Plan, in dem er die Schein-Ethnie der „Palästinenser“ (also der auf dem Gebiet des ehemaligen Mandantsgebiets Palästina lebende Teil der Araber) ernsthaft mit den nordamerikanischen Ureinwohnern verglich und das vom Trump-Plan vorgesehene Palästina als „Reservat“ schmähte:

Screenshot:Twitter

Dass die Palästinenser sowohl von Fatah, Hamas als auch im Exil JEDES israelische Territorium als „aggressive Landnahme“ sehen und nicht von ungefähr jede Ablehnung einer Zweistaatenlösung eben darin wurzelt, dass es aus ihrer Sicht gar keinen nachhaltigen Frieden und stabilen Status Quo geben kann, solange auch nur ein Jude einen Quadratzentimeter Land „besetzt“ – das kriegen unverbesserliche deutsche Linke und Privatgelehrte des Nahostkonflikts, für die Geschichte erst bei der Besetzung des Westjordanlands oder der Zweiten Intifada beginnt, bis heute nicht in den Schädel.

Gestern nachmittag mischte dann noch Sawsan Chebli eifrig im Bullshit-Bingo zum Trump-Vorstoß mit und zeigte, für wen ihr Herz in Wahrheit schlägt: Mit Al-Kuds-frommen Parolen wie eine Spendensammlerin von al-aqsa verteidigte sie sogleich den Anspruch auf Jerusalem im Namen „der gesamten islamischen Welt“:

Screenshot:Twitter

Man beachte hierbei das klar antisemitische Narrativ vom „Verkauf“: Ein jüdisches Jerusalem (das es übrigens Jahrtausende vor Mohammeds Entrückung gab) würde keineswegs Araber an der Ausübung ihrer Religion hindern; wie es umgekehrt aussieht, lässt sich an den Repressionen gegen Juden in nahezu der gesamten islamischen Welt studieren.

Doch die Trump-Initiative zur Nahost-Befriedung mit den erwartbaren Reaktionen von Ramallah bis Berlin rief nur einen Aspekt des latenten Antisemitismus auf den Plan. Der andere widmete sich jenen, die es gewagt hatten, in den Chor der „we remember“-Gesten durch Muslimkritik einzubrechen. Besonders bunt trieb es der als „Publizist“ auftretende Pro-Islam-Aktivist Jürgen Todenhöfer – er unterstrich durch einen für ihn geradezu typischen Facebook-Post, wes Geistes Kind er ist:

Um solch einen haarsträubenden Sermon abzufassen, muss man wohl derart viele Facetten der Realität gewaltsam ausblenden und ignorieren, dass dafür der Begriff der kognitiven Verzerrung geradezu beschönigend anmutet. Den Hinweis auf ein reales Problem – den objektiv existierenden, nach jüdischen Erlebnis- und Erfahrungswerten klar verortbaren muslimischen Antisemitismus – mit „Islam-Hetze“ gleichzusetzen und jene zu verunglimpfen, die eben auch diese Folie antisemitischer Gewalt ansprechen, zielt letztlich nur darauf ab, den Opfern von Übergriffen und Vorurteilen vorzuschreiben, von wem sie sich gefälligst verfolgt zu fühlen haben und von wem nicht. Was nicht ins Raster passt, wird ignoriert und bekämpft.

Die mittlerweile fast judenfrei gemobbten Ban-Lieues der französischen Großstädte, vor allem Paris, von wo aus etliche Juden nach Israel auswandern, finden in Todenhöfers Weltbild so wenig statt wie die Synagogen-Attacken von Berlin, angespuckte und getretene Rabbiner, die Verwendung von „Du Jude“ als Lieblingsschimpfwort der nicht volks-, sondern bestenfalls passdeutschen Schulkinder mit muslimischem Migrationshintergrund. Für die Großmeister selektiver Wahrnehmung wie Todenhöfer oder Sawsan Chebli ist der Anschlag von Halle quasi befreiende Katharsis, die behauptete Wirklichkeit endlich wieder einmal an einem realen Ereigniss festmachen zu können – auch wenn dieses glücklicherweise verhinderte Blutbad für eine absolute Ausnahme steht.

Todenhöfer will den Juden vorschreiben, von wem sie sich verfolgt zu fühlen haben

Der antisemitische Soupcon Todenhöfers liegt darin, dass er die – glücklicherweise heute nur mehr punktuell in Erscheinung tretende – Minderheit nazistischer Judenhasser als einzige zulassen will und alle anderen antisemitischen Vektoren verleugnet – vor allem die hier lebenden Muslime, von denen aktuellen Studien zufolge sagenhafte 56 Prozent antisemitische Vorurteile hegen. Todenhöfer jedoch will die Bedrohung exklusiv dort verorten will, wo sie schlicht nicht nachgewiesen werden kann. Damit lässt er die Juden abermals mit ihren Feinden alleine – womit er sich zugleich praktischerweise die Sympathien dieser Feinde sichert. Und in der Tat, seine „Credibility“ bei radikal-islamistischen Organisationen ist enorm; nicht nur bei der Hamas ist er dank manipulativer Anti-Israel-Propaganda wohlgelitten; nicht ohne Grund durfte er sein mutmaßlich profilneurotisches Ego pinseln, als er im Sommer 2014 gegen umfangreiche Sicherheitsgarantien ins „Kalifat“ des damals noch von Sieg zu Sieg eilenden Da’esh (Islamischen Staat“ reisen durfte, um als „Journalist“ Gespräche mit Kommandeuren der brandschatzenden Mord- und Versklavungsterroristen führen zu dürfen. Die PR-Offiziere des IS versprachen sich insbesondere von Todenhöfer eine für sie günstige Berichterstattung – die Todenhöfer im darauffolgenden April unter dem reißerischen Titel „Inside IS“ in Buchform lieferte.

Auch seither machte sich der arabophile Kantonist, der tatsächlich einmal konservativer Unions-Hardliner war, immer wieder wichtig – zum Beispiel durch vermeintlich spektakuläre Vor-Ort-Interviews mit ranghohen Islamisten; so 2016 mit einem General der dschihadistischen Al-Nusra-Milizen in Syrien, das von Nahost- und IS-Experten allerdings in Zweifel gezogen wurde. Zu Todenhöfers Rolle als arabophiler Kantonist, der schlimmer und einseitiger über den Nahostkonflikt und die Rolle Israels berichtet, als dies selbst Jürgen Möllemann selig je vermocht hatte, gehört es offenbar, sich alle paar Monate wieder ins Gespräch zu bringen, entweder indem er Israel wegen Gaza oder Siedlungspolitik attackiert, oder indem er – wie jetzt – die hier lebenden Muslime als einzige Opfergemeinde in Schutz nimmt, selbst gegen faktenbasierre Kritik. Todenhöfer ist ein nützlicher Idiot der Islamverbände, wie er gerade aktuell wieder unter Beweis stellte. (DM)