Deutschland „verändert“ sich wieder mal: Aus für Berliner Bier-Festival

Bildnummer: 58276550 Datum: 24.07.2012 Copyright: imago/Bernd Friedel 24 . 07 . 2012 , Berlin : Das 16 . Internationale Berliner Bierfestival findet vom 3.bis 5. August 2012 statt . Die 2,2 Kilometer lange Geniesser - Biermeile an der Karl - Marx - Allee zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor steht unter dem Motto Biere der Ostseeregion . Foto : Eröffnungsfoto- mit Biergott Gambrinus ( r. ) , Braumeister (2.v.l.), Berliner Bierkönigin Nancy V. (2.v.r.) , Matrose und Dirndl - Mädchen ( l. ) . Eröffnung Biermeile Berlin Gesellschaft Kultur Pressetermin Alkohol GER Berlin Biermeile Bier Meile xdp x0x premiumd 2012 quer Biermeile Berlin 2012 Bierfestival Karl-Marx-Allee Bier Eröffnung Fest Alkohol Deutschland Volksfest Eröffnungsfoto- Braumeister Biergott Bierkönigin Nancy V. Matrose Gambrinus Eröffnung Eröffnungsfoto Bierkönigin 58276550 Date 24 07 2012 Copyright Imago Bernd Friedel 24 07 2012 Berlin the 16 International Berlin Beer Festival finds of 3 until 5 August 2012 instead the 2 2 Kilometre Length Delicious Beer mile to the Karl Marx Avenue between Straus Berger square and Frankfurt goal is under the Motto Beers the Photo with Gambrinus r Brewers 2 V l Berlin Beer Queen Nancy V 2 V r Sailor and Dirndl Girl l Opening Beer mile Berlin Society Culture Press call Alcohol ger Berlin Beer mile Beer Mile XDP x0x premiumd 2012 horizontal Beer mile Berlin 2012 Beer Festival Karl Marx Avenue Beer Opening close Alcohol Germany Festival Brewers Beer Queen Nancy V Sailor Gambrinus Opening Beer Queen

Berlin – Der Overkill aller liebgewonnenen Gewohnheiten, der sich in Deutschland an allen Fronten vollzieht, erreicht die nächste Traditionsveranstaltung: Das beliebte Bier-Festival an der Friedrichshainer Karl-Marx-Allee findet 2020 nicht mehr statt – wegen zuviel Bürokratie, immer neuer öffentlicher Auflagen und Kosten. In Deutschland ist die Beseitigung alles, was dieses Land ausmacht, in vollem Gange, und der Staat ist die treibende Kraft.

Kernstück des Bier-Volksfestes war eine fast schon legendäre „Biermeile“ an der Karl-Marx-Allee. Bereits zum 23. Mal fand 2019 das Bierfestival statt, das jährlich von Hunderttausenden Besuchern aus Nah und Fern besucht wurde. Laut „B.Z.“ waren es zuletzt 338 Brauereien aus 80 Staaten gewesen, die auf auf 2,2 Kilometern Metern zwischen Strausberger Platz und Frankfurter Tor über 2.300 verschiedene Biere feilgeboten hatten.

Es ist ebenso typisch wie alarmierend, dass es also nicht Gründe wie mangelnde Nachfrage nach Bierspezialitäten, geändertes Konsumverhalten oder eine wegsterbende Klientel waren – sondern wieder einmal hausgemachte, deutsche, künstliche Komplikationen: Auflagen, Gesetze, Vorschriften, bürokratische Beschänkungen und damit verbundene Kosten verunmöglichten eine wirtschaftlich sinnvolle Weiterführung des Festivals – und zwangen die Veranstalter schließlich in die Knie.

Wie die B.Z. schreibt, waren „immer höhere Kosten für Sicherheits-, Sanitäts-, und Absperrmaßnahmen wegen der veränderten Sicherheitslage“ sowie „gestiegene Auflagen seitens der Behörden, beispielsweise für Sanierungsmaßnahmen der Grünflächen“ ausschlaggebend für den Rückzug der Betreiber. Diese sahen keine Möglichkeit, die immer höheren Verwaltungs- und Nebenkosten auf Standbetreiber und Besucher umzulegen, ohne dass damit  „der Charakter eines kostenfrei zugänglichen, für alle erschwinglichen Festivals“ verlorenginge. Deshalb habe man aus Budgetgründen die Reißleine ziehen müssen.

Behördenschikanen hatten „Erfolg“ – jetzt ist zappe

Jetzt ist die Betroffenheit natürlich riesig, keiner will es wieder gewesen sein. Doch wie schon diese Woche im jouwatch-Beitrag über die ebenfalls unter immer mehr staatlichen Repressalien und Ordnungsbestimmungen leidenden Traditionsvereine im deutschen Karneval wäre auch hier frivol zu fragen: Wieso halten es deutsche Veranstalter mit ihrer Gesetzes- und Auflagentreue nicht einfach so wie die Kulturvereine, Großfamilien oder sich spontan formierende Gruppierungen migrationsstämmiger Bevölkerungsteile – und scheren sich um die geltenden Regeln einen Dreck? Geschadet hat es keinem von ihnen: Noch immer wird in öffentlichen Parks trotz Verbot gegrillt, noch immer finden Autorennen und Hochzeitskorsos mit Pyrotechnik statt, noch immer werden Plätze für Massengebetsveranstaltungen in Beschlag genommen, und noch immer dürfen Schächtungen, Beschneidungen und andere gesundheits- und hygienepolizeilichen Alpträume tausendfach im zelebriert werden. Das alles freilich nach der Devise: „Wir machen es einfach“.

Deutsche trauen sich ein solch nonchalant-tiefenentspanntes Verhältnis zu Recht und Gesetz (noch) nicht zu – und das wird womöglich ihren Untergang beschleunigen. Allerdings steht auch außer Frage, dass in ihrem Fall jedes nicht korrekt ausgefüllte Formular ein administratives Donnerwetter nach sich zöge, dass bei deutschen Gesetzesübertretungen mit ganz anderer Härte gestraft und geahndet wird als bei den Profiteuren der Willkommenskultur. Insofern ist Aufgeben und seufzende Resignation dann eben vermutlich doch die einzige Option.

Mit dieser weiteren Nuance eines „Kulturverlustes“ – eines Abbaus des Angestammten – erreicht eine Entwicklung die Hauptstadt, die in der Provinz seit Jahren zu verzeichnen ist. Es geht nicht um ein einzelnes Bierfestival, über dessen Beitrag zur Leitkultur durchaus zu streiten wäre. Es geht um die Gesamttendenz: ob nun im Rahmen eines „big exchange“ gewollt, oder schlicht billigend in Kauf genommen, wird eine schleichende kulturelle Transformation Deutschlands vorangetrieben, die bis in die kleinsten gesellschaftlichen Verästelungen hinabreicht. Anstelle dieser offengelassenen einstigen Institutionen treten neue – und eben vor allem solche, die ihre Wurzeln nicht in diesem Land, nicht einmal auf diesem Kontinent haben. Man kann das zynisch belächeln, kleinreden oder sogar gutheißen. Nur eines sollte jedem klar sein: Mit „Deutschland“ hat das, was am Ende von alledem steht, nichts mehr zu tun.