Weil das Geld nicht mehr reicht? Merz will, dass Deutsche noch länger arbeiten

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Es gibt Meldungen, die erst im Verbund richtig wirken. Zum einen wäre da der „neue Hoffnungsträger“ der CDU, Friedrich Merz. Der Mann, der laut Experten „die AfD halbieren könnte“, prescht nun mit einem „Vorschlag“ um die Ecke, welcher so alt und abgedroschen ist, dass jeder klar denkende Mensch um die CDU einen großen Bogen machen wird. Herr Merz möchte die Deutschen länger arbeiten lassen. „Für die Zukunft muss das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Ruhestand noch einmal neu justiert werden“, sagte Merz und begründete dies, wie originell, mit der demographischen Entwicklung.

Von Nils Kröger

Für ihn sei die „Generationengerechtigkeit“ die neue soziale Frage, denn „wir (???) verschieben zu große Lasten der Gegenwart auf die Schultern der nächsten Generation“ und dies müsse die CDU bald ändern. Dazu fällt einem im Grunde nicht mehr viel ein. Diese Frage ist nicht neu, sondern im Grunde so alt wie die Bundesrepublik selbst. Nun sollte sich Herr Merz einmal die Frage stellen, welche Parteien sich um die „Beantwortung“ seit Jahrzehnten herumdrücken bzw. immer wieder die selben Phrasen dreschen? Deshalb kann hier getrost auf den substanzlosen Rest des Herrn verzichtet werden. Bei solch einer Aussage beschleicht einen das Gefühl, dass Herr Merz gar nicht ernsthaft am CDU-Parteivorsitz interessiert sei. Denn die Forderung nach einer Verlängerung der Lebensarbeitszeit gleicht einem Ritt auf der Rasierklinge und gibt dem politischen Gegner unnötigerweise Munition. Aber unter einer Kanzlerin Merkel steht sowieso jeder CDU-Vorsitzende auf verlorenem Posten.

Zumindest scheint Herr Merz einen guten Überblick zu haben. Denn nach dem neuen Tragfähigkeitsbericht, den Bundesfinanzminister Scholz nächste Woche im Bundeskabinett präsentiert, herrschen in den Haushalten von Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen riesige Finanzierungslücken. Im schlimmsten anzunehmenden Szenario fehlen bis zum Jahre 2060 etwa 140 Milliarden EURO (ca. 4,1 Prozent des BIP). Im günstigeren Fall wären es „nur“ 50 Milliarden (ca. 1,49 Prozent des BIP). Die Tragfähigkeitslücken sollen sogar im Vergleich zu 2016 gestiegen sein – trotz „Dauerwachstum“, „Rekordbeschäftigung“ und Überschüssen. Nun fällt aber der entscheidende Satz. „Als besonders wirksames Instrument, um die Finanzierungslücke zu schließen, nennt der Bericht eine längere Lebensarbeitszeit. Ein Jahr zusätzlich ab 2037 würde die Tragfähigkeitslücke um 0,44 Prozent des BIP mindern.“

Das klingt aber sehr interessant. Wo ist denn nur das ganze Geld geblieben? Kann sicherlich jeder selbst beantworten. Um die Lücke im schlimmsten Fall zu schließen, wäre eine Anhebung um etwa neun Jahre nötig. Wer möchte nicht gerne bis zur Vollendung des 76. Lebensjahres arbeiten?