Handschläge verweigern, Blumensträuße hinwerfen: Der Linken fehlt es an mehr als nur Manieren

Ramelow (l) bei seiner gestrigen Handschlagverweigerung für Höcke (Foto:Imago/Star-Media)

Erfurt – Wo im Thüringer Landtag die eigentlichen Demokratiefeinde sitzen, das dürfte spätestens nach erbärmlichen und unwürdigen Toilettengang-Planspielen und den jüngsten schockierenden Veröffentlichungen über die Gedankenwelt der Linkspartei feststehen. Die Unflätigkeit aber, mit der der im dritten Wahlgang planmäßig von den ex-bürgerlichen Mitte-Parteien durchgewunkene Bodo Ramelow gestern parlamentarische Gepflogenheiten mit Füßen trat und Björn Höcke den Gratulations-Handschlag verweigerte, spricht Bände.

Der AfD-Fraktionschef, der im dritten Wahlgang als eigenständiger Kandidat zurückgezogen hatte, begab sich wie alle übrigen Fraktionschefs zu Ramelow, um diesen nach demokratischer Sitte zu beglückwünschen. Ganz im Stile der in bester SED-Tradition stehenden Demokratieverachtung seiner Partei machte Ramelow vor der linksextremen Parteibasis, deren Blicke er speziell in diesem Augenblick auf sich gerichtet wusste, Männchen – und verweigerte Höcke den Handschlag.

Als Begründung dafür schob er später laut „Welt“ mit gespaltener Zunge nach: „Erst wenn Höcke die Demokratie verteidige und nicht Demokraten Fallen stelle, werde er ihm die Hand schütteln.“

Ramelow: Ein Demokratieverächter spielt sich als Demokratiehüter auf

Ausgerechnet Ramelow, der bereits demokratisch abgewählt war, ehe die Merkel-Intervention einen faktischen Putsch bewirkte – woraufhin er seit Wochen mit Union und FDP in einer manischen Geheimdiplomatie versuchte, mit allen Tricksereien und Stimmschiebereien irgendwie ins Amt zurückzukehren und mit ihnen schließlich einen faulen Kuhhandel (Neuwahlen im April 2021) erzielte. Wahrlich ein großartiger „Verteidiger der Demokratie“!

Bezeichnenderweise nutzte das ZDF den Handschlagverweigerungs-Vorfall gestern noch für einen Fake-News-Leckerbissen der Extraklasse – und drehte im Begleittext eines Fotobeitrags auf Twitter den Sachverhalt kurzerhand um, indem sie Höcke zum Handschlagverweigerer stempelte (und noch einen kruden Bezug zu „Corona“ herstellte):

Screenshot:Twitter

Was sich tatsächlich zutrug, war ein an Unflätigkeit kaum zu überbietendes Schauspiel dieses scheinbar seriösen, ministrabel-gemäßigt auftretenden „Landesvaters“, das eines zeigte: Die Linken sind ebenso schlechte Gewinner, wie sie schlechte Verlierer sind. Nach der Wahl des letzten legitim und ordentlich gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) vor genau einem Monat hatte Linken-Landeschefin Susanne Hennig-Wellsow diesem einen Blumenstrauß vor die Füße geworfen.

Parlamentarischer Totalausfall mit Hintergrund

Diese lupenrein bolschewistischen, primitiven Symbolismen sind mehr als nur Ausdruck schlechter Manieren: Diese Partei demonstriert damit, dass sie mit Wertschätzung für inhaltliche Opposition, für Andersdenkende, mit politischer Gedanken- und Meinungsfreiheit nichts am Hut hat, und auch nichts mit demokratischen Spielregeln, zu denen sie bestenfalls dieselbe taktische Rolle einnimmt wie einst die NDSAP in der Schlussphase der Weimarer Zeit: Man arrangiert sich damit, solange es die Verhältnisse noch erforderlich machen, und beschränkt sich solange auf respektlose Gesten.

Doch wenn man könnte, würde es anders laufen. Wie, das zeigten 40 Jahre DDR, und das zeigen heute noch lautgedachte Planspiele bei Linken-Konferenzen, wo unter Beifall über Revolution, Erschießungen und Machtübernahme der Antifa-SA in den Straßen palavert wird. Ramelow ist nur die gutgetarnte Galionsfigur dieser im Kern gegen die Grundordnung gerichteten Bewegung. Hier, nicht bei der AfD, lauert die wahre Gefahr für die Demokratie. (DM)