Coronavirus: Deutschland in Angst, Italien schottet sich ab, Trump bleibt gelassen

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Washington – US-Präsident Donald Trump hält den Wirbel um das Coronavirus weiter für übertrieben. Letztes Jahr seien 37.000 US-Bürger an einer gewöhnlichen Grippe gestorben, schrieb Trump am Montag, während die US-Börsen gerade mit deutlichen Kursverlusten in den Handel gingen, auf Twitter. Die Durchschnittszahlen lägen zwischen 27.000 und 70.000 Grippetoten pro Jahr.

Nichts werde deswegen geschlossen, das Leben und die Wirtschaft würden normal weiterlaufen, so Trump. Im Moment gebe es 546 bestätigte Fälle von Coronavirus in den USA und 22 Todesfälle. „Think about that!“, schrieb der US-Präsident.

Wissenschaftler streiten noch darüber, ob die Sterblichkeit beim Coronavirus höher oder niedriger ist als bei einer gewöhnlichen Grippe. Einerseits weisen auch die von Trump genannten Zahlen auf eine deutlich höhere Mortalitätsrate hin, andererseits haben viele mit dem Coronavirus Infizierte so geringe oder sogar gar keine Beschwerden, dass sie überhaupt nicht getestet werden und damit nicht in die Statistik einfließen.

Hier noch weitere Meldungen zusammengestellt:

DIW-Konjunkturchef erwartet Rezession und Stellenabbau in Deutschland

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass Deutschland in diesem Jahr in eine Rezession schlittert und darunter auch die Beschäftigung sichtbar leiden wird. „Dies betrifft vor allem den Aufbau der Belegschaft in der Industrie. Wahrscheinlich wird hier die Stammbelegschaft zwar gehalten, aber kaum mehr Zeitarbeit nachgefragt werden. Im Bereich der Dienstleistungen ist auch ein Stellenabbau denkbar“, sagte der DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Das Coronavirus scheine die deutsche Wirtschaft nach den vorliegenden Zahlen recht kräftig zu erfassen. „Vor allem die Industrie dürfte betroffen sein, aber auch Dienstleistungen, wie das Gastronomiegewerbe, die Reisebranche oder die Luftfahrtindustrie“, so der DIW-Konjunkturchef weiter.

Die von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Hilfen wie die Liquidität der Unternehmen und Ausweitung des Kurzarbeitergeldes hätten sich in der Finanzkrise durchaus bewährt. „Viel hängt davon ab, wie intensiv die Wirtschaft durch die Auswirkungen des Virus erfasst werden wird“, sagte Michelsen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

ADAC warnt vor Hamsterkäufen von Benzin

Trotz sinkender Spritpreise rät der Automobilclub ADAC Autofahrern aus Sicherheitsgründen davon ab, sich einen Vorrat an Benzin oder Diesel anzulegen. „Zum einen unterliegen Benzinpreise ständigen Schwankungen, zum anderen spricht der Sicherheitsaspekt gegen das Horten“, sagte ein ADAC-Sprecher den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Auch in Fahrzeugen sollte man nicht mehr als zehn Liter außerhalb des Tanks an Bord haben.

„Der Kanister sollte dann so weit wie möglich von den Personen im Auto entfernt stehen – idealerweise im Kofferraum“, so der Sprecher weiter. Verbraucher dürfen laut ADAC in Kleingaragen bis zu 200 Liter Diesel und bis zu 20 Liter Benzin in dicht verschlossenen, bruchsicheren Behältern aufbewahren. Dennoch warnt der ADAC: „Kraftstoffe daheim zu lagern, kann lebensgefährlich sein, da schnell entzündliche Dämpfe leicht aus den Reservebehältern entweichen können.“

Wichtig sei es dabei, nicht irgendwelche Kunststoffbehälter zu nutzen, sondern nur Gefäße mit einer sogenannten RKK-Zulassung zu benutzen. Ein Reservekanister darf in Privatfahrzeugen maximal 60 Liter Sprit fassen. Maximal dürfen 240 Liter in Privatfahrzeugen befördert werden.

EZB-Mitarbeiter mit Coronavirus infiziert

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Montagabend bestätigt, dass bei einem Mitarbeiter das Coronavirus diagnostiziert wurde. Rund 100 Kollegen, die in der Nähe des Mitarbeiters gearbeitet hatten, sollen nun vorsichtshalber vorübergehend von zu Hause aus arbeiten. „Die EZB führt eine gründliche Reinigung potenziell betroffener Büroräume durch“, hieß es in der Mitteilung.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen der EZB seien Einschränkung von Geschäftsreisen, Ausweitung der Arbeitsmöglichkeiten zu Hause sowie der Absage oder Verschiebung von Konferenzen und Besprechungen. Am Montag sei erfolgreich ein Test der Remote-Arbeitseinrichtungen durchgeführt worden, alle Mitarbeiter hätten den ganzen Tag von zu Hause aus gearbeitet.

Italien schränkt wegen Coronavirus landesweit Bewegungsfreiheit ein

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des neuartigen Coronavirus hat die italienische Regierung die bisher nur für Regionen im Norden des Landes geltenden Sperrungen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit auf das ganze Land ausgeweitet. Er werde dazu umgehend ein Dekret unterzeichnen, sagte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte am Montagabend in Rom. Er habe den italienischen Präsidenten Sergio Mattarella bereits über diesen Schritt informiert.

Die Maßnahmen sollen ab Dienstag gelten. Alle öffentlichen Versammlungen sollen vorerst verboten werden. Es gebe „keinen Grund, warum Sportveranstaltungen fortgesetzt werden“, so Conte weiter.

Von den Maßnahmen sind auch alle Fußball-Partien in der italienischen Serie A betroffen, die bis zum 3. April ohne Zuschauer stattfinden sollen. Zehn Serie-A-Partien waren bereits verschoben worden. Zuvor hatte die italienische Regierung bereits die Schließung aller Skiorte des Landes angeordnet.

Der Skibetrieb soll nach Angaben der italienischen Regierung bereits am Dienstag eingestellt werden. Italien ist aktuell das in der Europäischen Union am stärksten vom Coronavirus betroffene Land. Bisher wurden fast 8.000 Fälle offiziell bestätigt.

Nach Angaben des Zivilschutzes fielen der Krankheit in dem südeuropäischen Land bisher 463 Menschen zum Opfer.

Dow schließt fast 8 Prozent im Minus

Die US-Börsen haben am Montag einen kräftigen Kursrutsch erlitten. Zu Handelsende in New York wurde der Dow mit 23.851,02 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 7,79 Prozent im Vergleich zum Freitagsschluss. Wenige Minuten zuvor war der breiter gefasste S&P 500 mit rund 2.735 Punkten im Minus gewesen (-7,82 Prozent), die Technologiebörse Nasdaq berechnete den Nasdaq 100 zu diesem Zeitpunkt mit rund 8.055 Punkten (-5,53 Prozent).

Nach den heftigen Kursverlusten gleich zu Beginn wurde der Aktienhandel an der Wall Street für 15 Minuten ausgesetzt, weil ein sogenannter „Circuit Breaker“ ausgelöst wurde. Im Zuge der Corona-Krise sehen viele Investoren in den USA nun nicht nur die Gefahr einer globalen Rezession, sondern auch eine nachhaltig ausbleibenden Inlandskonsums. Der droht allerdings offenbar nicht bei den Verbrauchsgütern des täglichen Bedarfs: Wal-Mart-Aktien konnten sich dem dem Abwärtssog entgegenstellen und waren kurz vor Handelsende sogar ein halbes Prozent im Plus.

Dow-Inc-Papiere verloren hingegen zu diesem Zeitpunkt 20 Prozent, JP Morgan, Caterpillar und Chevron jeweils rund 13 Prozent. Die europäische Gemeinschaftswährung tendierte am Montagabend stärker. Ein Euro kostete 1,1443 US-Dollar (+0,57 Prozent).

Der Goldpreis ließ ebenfalls deutlich nach, wenngleich auf weit niedrigerem Niveau. Am Abend wurden für eine Feinunze 1.675,40 US-Dollar gezahlt (-1,22 Prozent). Das entspricht einem Preis von 47,07 Euro pro Gramm.

Bildungspolitiker halten bundesweite Schulschließungen nicht für nötig

Bildungspolitiker und Experten reagieren verhalten auf die Forderung des Virologen Alexander Kekulé, Schulen wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus bundesweit zu schließen. „Nach allem, was wir wissen, bringt eine isolierte Maßnahme an Schulen wenig“, sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), der „Welt“ (Dienstagsausgabe). Zudem könne man Schulschließungen „nicht beliebig immer wieder anordnen – vielmehr ist es eine Karte, die man zum richtigen Zeitpunkt ziehen muss. Es ist auch immer eine Güterabwägung“, so der Verbandspräsident weiter. Er rief die Kultusministerkonferenz dazu auf, einen einheitlichen Notfallplan aufzustellen, an dem sich alle Schulen orientieren können. „Es gibt aktuell eine große Verunsicherung, weil Schulen in den verschiedenen Bundesländern ganz unterschiedlich auf die Lage reagieren“, so Meidinger.

„Eine bundesweite Schließung der Schulen oder Zwangsferien stehen derzeit nicht zur Debatte“, sagte Stefanie Hubig (SPD), Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin. Einzelmaßnahmen würden in den Ländern in enger Abstimmung mit den Gesundheitsbehörden getroffen. Die CDU-Bildungsexpertin Dietlind Tiemann verwies auf das Bundesgesundheitsministerium, das die „unerlässlichen Leitplanken für Entscheidungen“ vorgebe, beispielsweise durch das Infektionsschutzgesetz.

Eine sachgerechte Lagebeurteilung könne jedoch nur vor Ort erfolgen. Wichtig sei es, „auf die Leistungsfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems zu vertrauen und nicht in Hysterie zu verfallen“, so die CDU-Politikerin weiter. Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, hält Unterrichtsausfall im Zweifel für den notwendigen Schritt.

„Wir wollen die Zahl der Infektionen eindämmen und die Ausbreitung des Virus verzögern. Dort, wo bereits viele infiziert sind, ist das Schließen von Schulen ein richtiger Schritt“, sagte Bas der „Welt“. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Thomas Sattelberger, warnte unterdessen: „Wer jetzt Schulen und Hochschulen pauschal schließen will, beschleunigt nur die Panikmache. Als Präventivmaßnahme ist das Gießkannenprinzip ungeeignet“, so der FDP-Politiker.

Bayern untersagt wegen Coronavirus Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen

Die bayerische Staatsregierung will aufgrund der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen zunächst bis zum 10. April untersagen. Darauf habe sich der schwarz-orange Koalitionsausschuss am Montag in München geeinigt, bestätigte Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im bayerischen Landtag, der „Süddeutschen Zeitung“. Zuvor hatte das bayerische Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) „weitere 39 Coronavirus-Fälle in Bayern bestätigt“ worden seien.

Die Gesundheitsbehörden ermittelten aktuell „sowohl mögliche Kontaktpersonen als auch Zusammenhänge zu bislang bekannten Fällen“, hieß es weiter. Laut dem bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit gibt es derzeit insgesamt 256 bestätigte Coronavirus-Fälle in Bayern.

Spahn erwartet massive Einschränkungen bei Fußball-Bundesliga

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass die Fußball-Bundesliga „jetzt so nicht weiter stattfindet“. Er begrüßte die Aussage der Deutschen Fußball Liga (DFL), Gesundheit sei das Wichtigste und gehe vor: Die Einschränkungen beim Thema Großveranstaltungen, wie auch Fußballspielen, seien ein wichtiger Schritt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Spahn „RTL Aktuell“. „Das sind Bereiche, wo wir im Alltag ein Stück verzichten müssen, um uns insgesamt und gerade die Schwächeren in der Gesellschaft zu schützen. Darum geht es“, so der CDU-Politiker weiter. Vielen Bürgern falle es im Alltag leichter auf solche Großveranstaltungen zu verzichten, als auf die tägliche Bahnfahrt zur Arbeit oder die Schließung von Schulen oder Kitas zu verkraften. „Wir müssen abstufen, auf was können wir leichter verzichten als Gesellschaft und als Einzelne und wo ist es sehr, sehr schwer zu verzichten“, begründete der Gesundheitsminister seine Empfehlung.

Insgesamt sei Deutschland auf allen Ebenen in allen Bereichen vorbereitet. „Deutschland hat mit 28.000 Intensiv-Betten bezogen auf unsere Bevölkerungsgröße mehr als viele andere Länder auf der Welt. Aber gleichzeitig bleibt eben auch wahr, wenn sich das in kurzer Zeit ergeben würde, dann würden das Gesundheitssystem und unsere Kapazitäten gerade in der Intensivmedizin sehr, sehr stark unter Stress kommen“, sagte Spahn.

Besonders wichtig sei, die Älteren und diejenigen mit Vorerkrankungen zu schützen. Deswegen müssten „wir jetzt alle ein Stück – im Einzelfall, jeder für sich, aber auch als Gesellschaft – im Alltag bestimmte Dinge einschränken, um den Ausbruch insgesamt zu verlangsamen“, so der CDU-Politiker.

Scholz kündigt im Falle einer Wirtschaftskrise Konjunkturpaket an

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat ein milliardenschweres Konjunkturpaket für den Fall angekündigt, dass die Ausbreitung des Coronavirus zu einem massiven Wirtschaftseinbruch führen sollte. „Sollte eine große Krise kommen, wird die Bundesregierung alles tun können – und alles tun -, was notwendig ist, um die Konjunktur zu stabilisieren“, sagte Scholz den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ (Dienstagsausgaben). Deutschland habe „dank der soliden Haushaltspolitik der vergangenen Jahre die Kraft, mögliche Verwerfungen durch die Ausbreitung des Virus schnell, entschlossen und effektiv zu bekämpfen“.

Zum Umfang eines möglichen Konjunkturpaketes sagte der SPD-Politiker: „Sollten wir in eine Wirtschaftskrise geraten, sprechen wir doch von ganz anderen Dimensionen als den etwa fünf Milliarden Euro für eine schnellere Soli-Abschaffung.“ Es sei kein Problem, wenn „viel Geld“ zur Bekämpfung einer Krise benötigt werde. Man sei „gut gerüstet“ und müsse sich „keine Sorgen machen“, so der Finanzminister weiter.

„Ich bin Keynesianer und habe immer für solide Haushalte geworben, damit wir in einer Krise mit voller Kraft zulangen können. Das zahlt sich jetzt aus“, so Scholz. Zu den Entwicklungen an den Börsen und beim Ölpreis sagte der Vizekanzler: „Die Märkte spiegeln gerade die herrschende Unsicherheit wider.“

Niemand wisse allerdings, wie sich die Corona-Pandemie tatsächlich auf die weltweite Wirtschaftsentwicklung auswirken werde. „Jede Vorhersage ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt unseriös. Deshalb sind jetzt klare, beruhigende Botschaften des starken Staates nötig“, so der SPD-Politiker weiter.

Unternehmen, die wegen der Krise in Schieflage geraten könnten, sicherte er steuerliche Hilfen zu: „Es ist völlig klar, dass ein Unternehmen seine Steuervorauszahlungen senken kann, wenn es weniger Umsatz und Gewinn hat. Die Unternehmen können sich darauf verlassen, dass wir das unbürokratisch regeln“, sagte Scholz den Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“.

Krankschreibungen ab sofort per Telefon ohne Arztbesuch möglich

Ab sofort können Patienten mit leichten Erkrankungen der obereren Atemwege nach telefonischer Rücksprache mit ihrem Arzt eine Bescheinigung auf Arbeitsunfähigkeit (AU) bis maximal sieben Tage ausgestellt bekommen: Sie müssen dafür nicht die Arztpraxen aufsuchen. Darauf hätten sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung verständigt, teilte der GKV-Spitzenverband am Montagnachmittag in Berlin mit. Die Regelung gelte für Patienten, „die an leichten Erkrankungen der oberen Atemwege erkrankt sind und keine schwere Symptomatik vorweisen oder Kriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) für einen Verdacht auf eine Infektion mit COVID-19 erfüllen“, hieß es weiter.

Diese Vereinbarung gelte „ab sofort und zunächst für vier Wochen“. Mit diesem Schritt unterstütze „die gemeinsame Selbstverwaltung Patienten und Ärzte gleichermaßen“, so der GKV-Spitzenverband.

DAX mit größtem Tagesverlust seit 2001

Zum Wochenstart hat der DAX den größten Tagesverlust seit 2001 hingelegt. Zum Xetra-Handelsende wurde der Index mit 10.625,02 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 7,94 Prozent im Vergleich zum Freitagsschluss. Seit dem letzten Hoch am 19. Februar hat der DAX damit rund 23 Prozent verloren.

An diesem Montag mischten sich in die seit Tagen größer werdenden Sorgen um die Folgen der Corona-Krise extrem negative Vorgaben zunächst aus Asien und ab dem Nachmittag auch aus den USA, sowie bereits seit Sonntagabend ein Crash am Ölmarkt. Nachdem die wichtigsten Sorten Brent und WTI bereits im vorbörslichen Handel am späten Sonntagabend deutscher Zeit zwischenzeitlich 30 Prozent verloren hatten, ging es hier in den nächsten Stunden aber wieder aufwärts. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Nachmittag rund 37 US-Dollar, ein Abschlag von immerhin aber noch 17 Prozent.

Die Lufthansa-Aktie kletterte deswegen sogar zwischenzeitlich inmitten der Börsenturbulenzen am Montagvormittag ins Plus, weil sich die Airline angesichts der hohen Spritkosten bei günstigen Ölpreisen theoretisch mit Futures eindecken und so langfristig profitieren könnte. Am Ende überwogen aber auch bei der Kranich-Airline die Sorgen, das Papier war mit einem Abschlag von rund fünf Prozent kurz vor Handelsende quasi im „oberen Mittelfeld“. Wesentlich härter traf es Papiere der Deutschen Bank, die zu diesem Zeitpunkt über zehn Prozent nachließen.

Das Geldhaus könnte ebenfalls die allgemeinen Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren bekommen, zudem dürfte die mittlerweile sicher erwartete Zinssenkung der EZB das Kreditgeschäft weiter belasten. Daimler, Covestro, BMW und Volkswagen waren ebenfalls mit Abschlägen von acht Prozent und mehr unter den größten Tagesverlierern. Papiere von Beiersdorf verloren bis kurz vor Handelsende „nur“ rund 2,5 Prozent und hatten damit die geringsten Kursverluste zu verzeichnen, Aktien der Deutschen Börse waren direkt dahinter und ließen „nur“ drei Prozent nach, angesichts aktuell deutlich erhöhter Umsätze im Aktienhandel.

Die europäische Gemeinschaftswährung sprang am Montagnachmittag auf den höchsten Stand seit Anfang letzten Jahres, was die deutsche Exportindustrie weiter belasten dürfte. Ein Euro kostete 1,1438 US-Dollar (+0,52 Prozent).

Nordrhein-Westfalen: Zwei Coronavirus-Todesfälle bestätigt

In Nordrhein-Westfalen sind die ersten beiden Todesfälle in Deutschland durch das neuartige Coronavirus bestätigt worden. Es handele sich um eine Person in Essen und eine in Heinsberg, teilten die Stadt Essen und der Kreis Heinsberg am Montagnachmittag mit. Bei einer 89-jährigen Essenerin sei „am 3. März das Virus SARS-CoV-2 festgestellt“ worden, nachdem diese „aufgrund einer Durchfallerkrankung und Blutzuckerbeschwerden in die Universitätsmedizin Essen eingeliefert wurde“, hieß es in einer Mitteilung der Stadt Essen.

Im weiteren Verlauf der Behandlung hätten sich „Hinweise auf eine atypische Lungenentzündung (Pneumonie)“ gezeigt. Es seien „atmungs- und kreislaufunterstützende Maßnahmen erforderlich“ gewesen. Der Allgemeinzustand der Patientin sei „zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme bereits stark eingeschränkt“ gewesen, sodass sie intensivmedizinisch versorgt worden sei.

„Der gesundheitliche Zustand der Patientin verschlechterte sich im weiteren Verlauf, sodass die Patientin heute Mittag (9.3.) an einer Lungenentzündung infolge einer Infektion mit dem Coronavirus verstorben ist“, hieß es weiter. In Essen seien „insgesamt fünf weitere an dem Coronavirus erkrankte Fälle“ bekannt. Seit dem 1. März seien „rund 380 Patientinnen und Patienten auf das Virus getestet“ worden.

Den weiteren Betroffenen gehe es „den Umständen entsprechend gut“, hieß es in der Mitteilung der Stadt Essen.

Düsseldorfer OB kritisiert Vorschlag zur Absage von Veranstaltungen

Die Forderung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern wegen der Coronavirus-Krise abzusagen, hat eine Debatte in Nordrhein-Westfalen ausgelöst. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) nannte die Zahl in der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe) „ziemlich willkürlich“. Dann müsse man auch den Betrieb von Großmärkten schließen, in denen sich über 1.000 Kunden aufhalten, so Geisel.

Das Düsseldorfer Stadtoberhaupt kritisierte auch, dass Spahn per Twitter an die Öffentlichkeit ging. „Twitternachrichten sind nicht die geeignete Form, um über eine drohende Epidemie zu kommunizieren“, sagte Geisel der Zeitung. Die Stadt Düsseldorf wird deshalb anstehende Großveranstaltungen wie mit der Kölner Kabarettistin Carolin Kebekus am 14. März oder der Band Papa Roach am 16. März vorerst nicht untersagen.

Stattdessen setzt die Stadt auf Selbstschutzmaßnahmen der Bevölkerung. Das unterstütze die Stadt mit einer entsprechenden Infrastruktur, so Geisel. „Wir haben beispielsweise die Reinigungsintervalle von öffentlichen Toiletten erhöht und in öffentlichen Gebäuden Desinfektionsspender aufgestellt“, sagte der Düsseldorfer OB.