Arroganter Schnösel: Wolfgang Kubicki (FDP) droht Brandner mit Platzverweis, falls er nicht mit „Herr Präsident!“ angesprochen wird

Die FDP soll angeblich eine Partei der Bürgerfreiheit sein, die sich gegen Obrigkeitsdenken wendet. Davon ist bis hin zu ihrem Enfant terrible Wolfgang Kubicki nichts zu bemerken. Wenn Kubicki entgegen seinem sonstigen Outfit eine Krawatte angelegt hat, soll das offenbar dieselbe Außenwirkung entfalten wie das Hissen der Flagge auf dem Buckinghampalace: Hier ist einer da und der verdient ganz besondere Beachtung.

Von Hans Egeler

Als Sitzungsleiter und Bundestagsvizepräsident wollte sich seine Hoheit Kubicki nicht in die Anrede „Meine Damen und Herren“ eingeschlossen fühlen, die der Abgeordnete Brandner von der AfD entboten hatte. Kubicki unterbrach die Rede, erteilte Brandner rügend einen Ordnungsruf und sagte  „Sie beginnen Ihre Rede mit ‚Herr Präsident!‘ „. Als Brandner ihm entgegnete, „Ich dachte bei Männern und Frauen und Damen und Herren wären Sie eingeschlossen“, entsann sich Kubicki seines tatsächlichen Fachgebietes, des Fußballs, und erteilte – wie der Schiedsrichter auf dem Platz – die zweite Gelbe Karte wegen  Widerspruches: „Herr Kollege, Sie erhalten einen zweiten Ordnungsruf und beim dritten dürfen Sie das Podium verlassen!“ – also die Rote Karte.

Da meint der im politischen Fliegengewicht boxende Herr Kubicki also tatsächlich, die Redebeiträge von Parlamentsabgeordneten komplett blockieren zu können, weil seine Majestät nur in cumulo begrüßt worden war. Es mag ja sein, dass die Extraanrede als besondere Höflichkeit von den Sitzungsleitern goutiert wird. Aber ein Redeverbot bei Nichtbeachtung zu annoncieren hat mit freiheitlichem Bürgerverständnis so viel zu tun wie die FDP mit dem Liberalismus.

Vielleicht schätzt Wolfgang Kubicki die Geschichte von Wilhelm Tell und dem Gesslerhut. Den mussten alle Bürger grüßen – auch ohne den Hutträger darunter. Vielleicht könnte Kubicki seine Krawatte im Bundestag aufhängen, damit ihre die gleiche Ehrerbietung zuteil werde. Proudly supported by FDP.