Forderung an Zeitungen und Onlinemedien: Weg mit der Bezahlschranke bei Corona-Themen!

(Symbolbild:Imago/Stengel)

Man kennt das Ärgernis: Reißerische Überschrift, ein wichtiges Thema – man klickt den Link zum Artikel an, doch nach wenigen anteasernden Sätzen folgt die Bezahlschranke: Weiterlesen nur gegen Zahlung oder Abo. In normalen Zeiten eine statthafte Praxis zur Leserbindung, erweist sich diese Masche in der globalen Krise als unverantwortlich.

Vor allem wenn es um Corona-relevante Themen geht – und das sind derzeit fast alle -, die die Bevölkerung in besonderem Maße interessieren, sollten deutsche Verlage und Zeitungen die entsprechenden Texte daher gratis freischalten. Zum einen, um damit ihrem Informationsauftrag gerade in Krisenzeiten nachzukommen; zum anderen, weil es auch ein Zeichen der Solidarität wäre, Menschen, die zunehmend in den eigenen vier Wänden ausharren müssen, nicht noch zusätzliche Schranken aufzuerlegen.

Es kann allerdings gar nicht angehen, wenn Magazine dann auch noch Katastrophenmeldungen oder relevante journalistische Grundüberlegungen zur gegenwärtigen Notlage hinter solchen Lockvogel-Links verbergen. Der „Spiegel“, leider aber auch „Bild“ sind hierbei unrühmliche „Vorreiter“, aber auch Tageszeitungen; die „Neue Osnabrücker Zeitung“ etwa stellte gestern früh einen wichtigen Text über die Sicherstellung „kritischer Infrastrukturen in Pandemiezeiten“ – konkret ging es darum, wie Betreiber von Kernkraft- und Wasserwerken auf die Krise vorbereitet sind – unter Gebührenpflichtigkeit; sehr zum Frust beunruhigter Leser.

Inzwischen haben das Problem auch Experten und Krisenbeauftragte erkannt. Der Top-Virologe Christian Drosten, einer der führenden Masterminds unter den Regierungsberatern (und bekannt für sein leidenschaftliches Plädoyer für freies Publizieren wissenschaftlicher Forschungsergebnisse) fordert auf Twitter die Online-Medien ebenfalls auf, für die Dauer der Kriseden ungehinderten Zugang zum Content zu ermöglichen:

Screenshot:Twitter

Drosten weist dabei auf einen positiven Effekt der Krise für die ansonsten krisengeplagten Zeitungsverlage hin: Das Thema und die große öffentliche Anteilnahme bescheren ihnen massive Zugriffs- und Klickzuwächse; auch deshalb könnten sie sich transparenter geben. (DM)