Coronavirus – Updates

Foto: Robert-Koch-Institut (über dts Nachrichtenagentur)

Die Nachrichten überschlagen sich. Hier eine kleine Zwischenbilanz des heutigen Tages:

Hertha BSC geht in Quarantäne

Die Spieler der Profimannschaft sowie das Trainer- und Funktionsteam des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC stehen ab sofort unter häuslicher Quarantäne. Das teilte der Verein am Dienstag mit. Demnach wurde ein Spieler positiv auf das Coronavirus getestet.

„Der Spieler hat über die üblichen Symptome geklagt und wir haben ihn dann umgehend von der Gruppe getrennt. Ein Test hat dann ein positives Ergebnis auf das Virus hervorgebracht“, sagte Mannschaftsarzt Uli Schleicher. Alle Spieler des Kaders müssten nun die nächsten zwei Wochen zu Hause bleiben, was auch einen individuellen Trainingsplan außer Haus ausschließe.

„Wir werden jetzt beobachten, ob noch weitere Fälle dazukommen, denn davon ist der Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining abhängig“, so der Mannschaftsarzt. Aktuell ist die Bundesliga-Saison bis mindestens zum 2. April unterbrochen. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass die Pause weiter verlängert wird.

Lufthansa plant „Luftbrücke“ zur Warenversorgung

Die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa arbeitet nach eigenen Angaben an einer „Luftbrücke“ zur Warenversorgung für ganz Deutschland. „Die Krisenstäbe von Lufthansa und Bundesregierung schalten sich jetzt zusammen und planen konkrete Sonderflüge für Passagiere“, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr der „Bild“. Parallel würden die Crews eingeteilt und über ihre Sondereinsatzpläne informiert.

„Die 747-Flotte und LH Cargo spielen Szenarien durch, wie und wo unsere Jumbos für Frachtflüge eingesetzt werden können. Auch hier läuft Crewplanung parallel.“ Spohr versprach außerdem, dass die Lufthansa „alles dafür tun“ werde, um auch die Lieferketten für die Versorgung der deutschen Bevölkerung aus der Luft aufrechtzuerhalten.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an einer Luftbrücke für ganz Deutschland“, so Spohr.

Bundesagentur für Arbeit meldet überlastetes Telefonnetz

Die Arbeitsagenturen und Jobcenter in Deutschland sind derzeit telefonisch nur eingeschränkt erreichbar. Grund sei ein hohes Anrufaufkommen, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Dienstag mit. Die Arbeitsagentur rief dazu auf, Anrufe auf Notfälle zu beschränken.

Für alle Termine gelte, dass Kunden den Termin nicht absagen müssten. Es gebe keine Nachteile, Rechtsfolgen und Sanktionen, so die BA. Fristen in Leistungsfragen seien vorerst ausgesetzt. Die Kunden erhielten „rechtzeitig“ eine Nachricht, wenn sich diese Regelungen änderten.

Die Arbeitsagenturen und Jobcenter schalteten derzeit auch lokale Rufnummern. Diese werde man örtlich bekannt machen, so die Behörde. Das Anrufaufkommen war nach BA-Angaben in den letzten Tagen auf das zehnfache des üblichen Niveaus gestiegen.

GdP wirft Berliner Polizei mangelnde Kommunikation vor

Die Gewerkschaft der Polizei in Berlin hat der Behördenleitung mangelnde Kommunikation im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorgeworfen. Es gebe noch viele offene Fragen zum Dienstbetrieb, sagte Gewerkschaftssprecher Benjamin Jendro am Dienstag im RBB-Inforadio. Hierzu erfahre man vieles nur aus den Medien und nicht aus erster Hand.

„Wir haben vor einigen Wochen, als es mit dem Coronavirus in Deutschland losging, nachgefragt, wie es mit der Schutzausstattung der Kolleginnen und Kollegen aussieht“, sagte Jendro. Dabei sei aufgefallen, dass keine validen Zahlen vorlägen. Mit über 300 Kollegen, die vom Coronavirus betroffen seien, müsse die Polizei handlungsfähig bleiben, sagte Jendro.

Nach Angaben der Innenverwaltung sind sieben Beamte mit dem Coronavirus infiziert, etwa 300 Polizisten in Quarantäne. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sieht die Polizei dagegen ausreichend für Einsätze im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie gerüstet. Die Polizei werde sich aber auf die Kernaufgaben konzentrieren, sagte Geisel dem RBB-Inforadio.

Dazu gehöre, die beschlossenen Einschränkungen durchzusetzen.

ZEW-Konjunkturerwartungen brechen massiv ein

Die mittelfristigen Konjunkturerwartungen von Finanzanalysten und institutionellen Investoren sind im März massiv eingebrochen: Der entsprechende Index sank von 8,7 Zählern im Februar auf nun -49,5 Punkte. Dies sei der stärkste Rückgang seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mit. Die Einschätzung der konjunkturellen Lage für Deutschland verschlechterte sich ebenfalls gegenüber dem Vormonat erheblich.

In der aktuellen Umfrage liegt der Lageindikator bei -43,1 Punkten und damit 27,4 Punkte unterhalb des Wertes vom Februar. Die Erwartungen der Finanzmarktexperten an die Konjunkturentwicklung in der Eurozone sanken mit einem Rückgang um 59,9 Punkte ebenso dramatisch wie diejenigen für Deutschland. Der Erwartungsindikator für das Eurogebiet liegt damit bei einem Wert von -49,5 Punkten.

Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Eurogebiet sank ebenfalls stark. Er liegt aktuell bei -48,5 Punkten. Dies entspricht einem Rückgang um 38,2 Punkte gegenüber Februar.

„Der extrem starke Einbruch der ZEW-Konjunkturerwartungen war zu erwarten. Für die Konjunktur stehen die Signale auf Rot“, sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Finanzmarktexperten gingen aktuell von einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal aus und hielten auch für das zweite Quartal einen Rückgang für sehr wahrscheinlich.

Für das Gesamtjahr 2020 erwarte die Mehrheit der Experten derzeit einen auf die Coronavirus-Pandemie zurückzuführenden Wachstumsrückgang des realen BIP von etwa einem Prozentpunkt, so Wambach weiter.

US-Ökonom fordert Hilfen in Billionenhöhe wegen Corona-Schock

Der Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff fürchtet angesichts der weltweiten „Lockdowns“ im Kampf gegen das Coronavirus eine neue Weltwirtschaftskrise und fordert die Regierungen zu größeren Hilfspaketen auf. „Die USA sollten eine Billion Dollar ausgeben, ohne mit der Wimper zu zucken – und das ist vermutlich nur der erste Schritt. Auch Europa müsste bis zu einer Billion Dollar ausgeben“, sagte Rogoff dem Wirtschaftsmagazin „Capital“.

Dieser Schock sei einzigartig und mit keinem seit der Spanischen Grippe 1918/19 vergleichbar. „Wir erleben die erste wirklich globale Krise seit der Großen Depression“, so der Ökonom. Nur mit gewaltigen Anstrengungen könnte es eine rasche Erholung geben.

Die Regierungen in den USA und Europa müssten ihren gesamten fiskalischen Spielraum nutzen, um die Folgen der Krise zu bekämpfen. „Das ist wie im Krieg“, sagte Rogoff. Konkret forderte der ehemalige Chefökonom des IWF drei Formen von Finanzhilfen: Erstens brauche man massive Investitionen und den Ausbau von Notfalleinrichtungen im Gesundheitssystem.

Zweitens seien direkte Hilfen für Branchen nötig, die nun unverschuldet in die Krise rutschen – wie die Tourismusindustrie und Gastronomie, aber auch die Luftfahrtbranche. Und drittens sollte man vor allem Menschen mit geringem Einkommen direkt mit Geld unterstützen. Deutschland, so Rogoff, habe bisher richtige Schritte unternommen – müsse aber noch mehr tun.

Da das Land eine gute Haushaltsbilanz habe und nur einen Staatschuldenquote von 60 Prozent der Wirtschaftsleistung, könne Deutschland zur Not seine Schuldenquote auch verdoppeln. „Das wäre nicht das Ende der Welt“, so der Ökonom. Diese Krise habe das Potenzial, „dauerhaften gewaltigen Schaden anzurichten, selbst wenn wir in einem Jahr aus der Krise sind“. Das sei, „als würde jemand für die Wirtschaft die Pause-Taste drücken“.

RKI verschärft Corona-Risikobewertung

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat die Bewertung des Risikos für die Bevölkerung in Deutschland durch das neuartige Coronavirus verschärft. Man schätze das Risiko mittlerweile als „hoch“ ein, teilte das RKI am Dienstvormittag in Berlin mit. Bisher stand die Risikobewertung des Instituts bei „mäßig“.

Grund für die Verschärfung seien „steigenden Fallzahlen und die Alarmsignale aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst“, sagte RKI-Chef Lothar Wieler. Laut Abfrage der dts Nachrichtenagentur bei den Landesministerien, Städten und Kreisen gibt es bisher über 7.500 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland, 17 Menschen starben.