Höcke: Ausgeschwitzt!

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Ein Mensch, der viel mit dem Fahrrad fährt, ist ein Radler. Einen, der häufig grantig ist, nennt man einen Grantler. In Bayern nennt man einen, der aus dem Bayerischen Wald kommt, einen „Woidler“. Dieter Bohlen hat früher einen Hit nach dem anderen produziert. Wie man so jemanden wohl nennt?

von Max Erdinger

Riesen-Bohei um Björn Höcke schon wieder. Der Mann hat´s aber auch drauf. Über seine Partei, die AfD, hat er gesagt, daß sich dort allerlei Personal tummle, das die Einheit (der Partei) gar nicht wolle und daß diese Leute von der AfD „ausgeschwitzt“ werden sollten. Wie konnte er das nur tun? Jetzt hyperventiliert ein Land, in dem die Anständigen dann, wenn es ihnen opportun erscheint, bei „ausschwitzen“ nicht etwa an „Grippe ausschwitzen“, sich beim Lauftraining „ausschwitzen“ oder auch an „ausschwitzen“ im Sinne von „etwas ausbrüten“ denken, sondern an „Auschwitz“. Und sie machen Björn Höcke für ihre eigene Neurose verantwortlich. Ein zotiges Wortspiel habe Björn Höcke betrieben, ein elender Unanständiger sei er, dem nichts heilig sei, von dem sie behaupten, daß es ihnen heilig sei. Dabei ist ihnen eigentlich gar nichts mehr heilig, außer ihr gottverdammter Vernichtungswillen gegenüber allem und jedem, mit dem sie nicht einverstanden sind. Das sind die Minusfaschisten der Gegenwart, achsengespiegelte Faschisten, als Antifaschisten verkleidet.

Ausgeschwitzt

Zitate:

1. „In einem Inipi hatte sie bei über hundert Grad Ideen ausgeschwitzt, als hätte sie das Zitat wörtlich genommen.“ Quelle: Jule Maiwald in „Nach ihm die Sintflut“
2. „… und Hämaturie, bevor Eiweiß ausgeschwitzt wird.“ Quelle: Carroll Dunham in „Vorlesungen zur homöopathischen Materia medica“
3. „Die Stimmung, die auf Erneuerung Württembergs drängt, … solcher endigt nur mit dem Tode oder dann, wenn die kranke Materie ausgeschwitzt ist.“ Zitat Hegel in „Schriften aus dem Nachlaß Wolfgang Harichs: An der ideologischen Front“
4. „ … und ausgeschwitzt, rufe ich, jetzt ist mein Leben bald ausgeschwitzt“ Quelle: Klaus Kastberger, Friederike Mayröcker in „Reinschrift des Lebens: Friederike Mayröckers Reise durch die Nacht.“
5. “ … Ohngeachtet ich alle 3 ausgeschwitzt: so haben sie doch …“ Quelle: Manfred Beetz, ‎Johannes von Lüpke in „Hamanns Briefwechsel: Acta des zehnten internationalen Hamann-Kolloquiums“
6. „ … aus Erde und Wasser wiederum unter dem Einfluß von Sonnen- und Ätherhitze förmlich ausgeschwitzt zu werden …“ Quelle: Thomas Buchheim in „Über Werden und Vergehen“
7. „… die eingeschlossenen Komponenten verflüchtigt oder ausgeschwitzt werden.“ Quelle: Otto Neunhoeffer in „Analytische Trennung und Identifizierung organischer Substanzen“

– und-und-und. Es ist schier unglaublich, was in der Menschheitsgeschichte schon alles ausgeschwitzt worden ist. Google findet 5.210 Ergebnisse in 0,31 Sekunden für den Suchbegriff „ausgeschwitzt.“ Björn Höcke hat schon recht, wenn auch unvollständig. Es ist nicht nur Personal in der AfD, das die Partei ausschwitzen sollte. In ganz Deutschland gibt es Politiker und Medienschaffende, „Influencer“ und Meinungsmacher, Trendsetter und gottverdammte Maulhuren, die das Land endlich ausschwitzen sollte.

Wikipedia zur Herkunft des Ortsnamens „Auschwitz“: Im Jahr 1217 wurden der Name Ospenchin sowie ein Auschwitzer Kastellan Phalislaus erstmals urkundlich erwähnt. Später wurde der Ort als Osvencin (1280), Hospencin (1283), Osswetem (1290), Uspencin (1297), Oswentim (1302), Wswencim (1304), Oswiecim (1314), Oswencin (1327) erwähnt. Der Name wurde früher oft von altpolnisch święty abgeleitet, was so viel wie „Heiliger“ bedeutet und auf die frühe Christianisierung hindeuten solle.

In dem Zusammenhang sind die Begriffe „Ochlokratie“ und „Kakistokratie“ interessant. Und in der Tat: Beides gälte es für Deutschland und Europa auszuschwitzen. Nichts zu danken, meine vollumfängliche Verachtung ist dem bigotten Hetzpöbel auch ohne Dank sicher.