USA und UK sagen Bürgern finanzielle Hilfe zu – Deutsche Unternehmen sollen sich leichter verschulden

Denken an die Bürger: Johnson und Trump (Foto: Imago)

Blumige Worte, Phrasen und halbherzige Ankündigungen. Das ist alles, was die deutsche Politik dem drohenden Wirtschaftszusammenbruch entgegenzusetzen hat. In den USA und in Großbritannien sieht das ganz anders aus. Milliarden Dollar werden locker gemacht, um der Wirtschaft und den Betroffenen Bürgern in Corona-Zeiten unter die Arme zu greifen und einen Systemkollaps zu verhindern.

Steuer-Stundungen, Kredite, und flexibleres Kurzarbeitergeld, das ist die Antwort des deutschen Bundeswirtschaftsministeriums  angesichts eines zum Stillstand kommenden Landes. Betroffene Unternehmen, die um ihre Existenz bangen, dürfen sich leichter verschulden, lautet das Motto der Stunde im Merkelland. Bei kleinen Ladenbesitzern in Mitteldeutschland kommt das nicht gut an: „Eher mach ich mein Geschäft dicht, als dass ich mich verschulde“, so die Besitzerin eines Lederwarenladens in Sachsen-Anhalt.

In den USA arbeitet die Trump-Regierung laut ntv an einem Konjunkturprogramm im Wert von bis zu einer Billion US-Dollar (900 Milliarden Euro).

„Was auch immer der Kongress tun wird, je schneller er es tun kann und je aggressiver er es tun kann, desto mehr Menschen können wir helfen“, so der Präsident der US-Notenbank Fed Neel Kashkari gegenüber CNN. Millionen von Arbeitsplätzen seien in Gefahr. Allein in Minneapolis hätten diese Woche bereits zehntausende Menschen ihren Job verloren.

Anfang dieses Monats hatte der Kongress bereits 8,3 Milliarden US-Dollar für den Kampf gegen das Coronavirus freigegeben, darunter drei Milliarden Dollar für die Entwicklung von Therapien und Impfstoffen.

US-Präsident Donald Trump hat ein vom Kongress beschlossenes Gesetz für ein milliardenschweres Hilfspaket in Kraft gesetzt, mit dem die Folgen der Coronavirus-Epidemie abgefedert werden sollen. Trump unterschrieb das Gesetz am Mittwochabend. (Ortszeit). Mit dem Geld werde u.a. die in den USA nicht landesweit gesetzlich vorgeschriebene Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgeweitet, die Kosten für Corona-tests übernommen und Zahlungen für Arbeitslose und Lebensmittelhilfen ausgeweitet, so ntv.

Auch im Ex-EU-Mitgliedsstaat Großbritannien liegt der Fokus auf Hilfe für die Wirtschaft und dem betroffenen Bürger. Dort denkt man angesichts der Krise über ein „universelles Grundeinkommen“ nach. Er ziehe eine wöchentliche Barzahlung für britische Arbeitnehmer in Form eines „universellen Grundeinkommens“ in Betracht, verkündete Premier Boris Johnson laut MailOnline gestern. So sollen Arbeitnehmer vor den wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19 Pandemie geschützt werden. Mit dieser Idee ist Großbritannien nicht allein. Auch in den USA erwägt die Regierung angesichts der beispiellosen Corona-Wirtschaftskrise, jeden erwachsenen Amerikaner mit einem 1000 Dollar-Scheck auszustatten. So soll die Wirtschaft angekurbelt und den Arbeitnehmern kurzfristig geholfen werden, die von Unternehmensschließungen betroffen sind.

„Die Amerikaner brauchen jetzt Bargeld, und der Präsident möchte jetzt Bargeld zur Verfügung stellen – und ich meine in den nächsten zwei Wochen“, erklärte Finanzminister Steven Mnuchin laut Buzzfeed bei einem Briefing im Weißen Haus am Dienstag.

Der britische Premier Johnson besitzt im Gegensatz zum Berliner Regierungsviertel noch Bodenhaftung: Er versprach Hilfe für diejenigen Mieter, die nun mit ihren Mietzahlungen in Bedrängnis kommen und um ihr Dach über dem Kopf bangen müssen: Vermieter können nun mindestens drei Monate lang kein Verfahren zur Räumung von Mietern einleiten. Des Weiteren sollen bürokratische Hürden beseitigt werden, damit Unternehmen Hände-Desinfektionsmittel schneller herstellen können.

Das Finanzministerium prüfe eine Reihe anderer Optionen, einschließlich der Änderung des bestehenden Kreditsystems, so MailOnline. Darüber hinaus stelle die Regierung Kredite in Höhe von 330 Milliarden Pfund für Unternehmen bereit, die in Schwierigkeiten geraten.

In Großbritannien fürchtet man in den kommenden Monaten eine Million neue Arbeitslose. Wirtschaftswissenschaftler warnen, das Bruttoinlandsprodukt BIP könne im zweiten Quartal aufgrund der wirtschaftlichen Lähmung um 20 Prozent sinken. Die Folgen wären schlimmer als die Gesamtauswirkungen der Kreditkrise. (MS)