Immer mehr Menschen fürchten sich vor Corona-Ansteckung – Zahl steigt auf 16.000

Foto: Von Musashi akira/Shutterstock

Die Hälfte der erwachsenen Deutschen macht sich aktuell große (29 Prozent) bis sehr große (19 Prozent) Sorgen, dass sie sich selbst oder Familienangehörige mit der Lungenkrankheit infizieren. 31 Prozent der Bürger sorgen sich wenig, 20 Prozent sind sorglos, so eine Umfrage von Infratest für die ARD. Am 5. März 2020 hatten 23 Prozent der Deutschen angegeben, sich große oder sehr große Sorgen über eine Infektion zu machen. Bei den älteren Menschen ist die Sorge vor einer Ansteckung etwas geringer ausgeprägt als bei den Jüngeren bis 40 Jahren.

Aber auch bei den über 65-Jährigen sind 43 Prozent besorgt. Zwei Drittel der Wahlberechtigten (65 Prozent) zeigen sich mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung aktuell zufrieden. Ein Drittel (33 Prozent) ist unzufrieden.

Die Anhänger der Regierungsparteien und auch die Anhänger der Oppositionsparteien zeigen sich mehrheitlich zufrieden mit der Art und Weise, wie das Bundeskabinett mit der aktuellen Corona-Krise agiert. Allein die AfD-Anhänger sind in ihrem Urteil gespalten. Die Umfrage wurde von Infratest dimap im Auftrag des ARD-Morgenmagazins durchgeführt.

Befragt wurden vom 17. und 18. März 1.035 Wahlberechtigte. Die Fragen im Wortlaut: 1. „Mittlerweile sind in verschiedenen Ländern Personen am sogenannten Corona-Virus erkrankt, darunter auch in Deutschland. Wie groß ist Ihre Sorge, dass Sie selbst oder Mitglieder Ihrer Familie sich mit dem neuen Corona-Virus anstecken?“ 2. „Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Krisenmanagement der Bundesregierung?“

Derweil ist die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen in Deutschland am Donnerstagabend auf mindestens 16.553 gestiegen, wie schon in den letzten Tagen rund 30 Prozent mehr als am Vortag. Das ergab eine Abfrage der dts Nachrichtenagentur bei den Städten und Landkreisen. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 44, ein Plus von rund 40 Prozent.

Pro 100.000 Einwohner sind damit in Deutschland 20 Infektionen nachgewiesen. Unter den Bundesländern (ohne Stadtstaaten) hat NRW mit 31 Infektionen je 100.000 Einwohner die höchste Dichte, und selbst wenn man den besonders betroffenen Kreis Heinsberg herausrechnet, ist das bevölkerungsreichste Bundesland auch relativ am stärksten betroffen. Es folgen Baden-Württemberg (27), das Saarland (24) und Bayern (20).

Unterdurchschnittlich ist die Dichte in Rheinland-Pfalz(18), Niedersachsen und Hessen (jeweils 12), Sachsen (10), Schleswig-Holstein (9), sowie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen (jeweils 8). Unter den 20 größten deutschen Städten ist Münster mit 55 bestätigten Infektionen je 100.000 Einwohner laut offizieller Zahlen am stärksten betroffen, vor Köln (54), München (46), Stuttgart (45), Düsseldorf (32), Essen (28), Hamburg (27), Bonn (23) und Bremen (21). Unter Bundesdurchschnitt ist hingegen die Dichte an bestätigten Infektionen je 100.000 Einwohner in Berlin (19), Hannover (17), Bielefeld (17), Dortmund (16), Leipzig (16), Wuppertal (14), Frankfurt/Main (13), Duisburg (11), Nürnberg (10), Dresden (10) und Bochum (9).

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

In Hamburgs Hafen bricht Ladungsmenge ein – Engpässe drohen

Die Fabrikstillstände in China bewirken mit einem Zeitverzug von mehreren Wochen einen Einbruch der Ladungsmenge am Hamburger Hafen. „Von nächster Woche an werden wir weniger Schiffsanläufe und damit verbunden einen signifikanten Rückgang an Ladung aus China sehen“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), Angela Titzrath, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitagsausgabe). Für die Wirtschaft in Deutschland zeichnen sich damit Engpässe ab, denn viele Unternehmen sind auf Konsumgüter, Vorprodukte und andere Waren aus der Volksrepublik angewiesen.

Da Schiffe von China nach Europa etwa sechs Wochen unterwegs sind, waren die Fabrikstillstände, mit denen das Land von Ende Januar an auf das Coronavirus reagiert hatte, in den europäischen Häfen zunächst kaum zu spüren. Im Moment läuft die Produktion in dem Land wieder hoch. Daher erwartet Titzrath, dass sich die Situation im Chinaverkehr Anfang oder Mitte Mai stabilisiert und wieder mehr Ladung aus der Volksrepublik ankommt.

Der stabile Betrieb im Hamburger Hafen sei „vollständig gewährleistet“, sagte sie der FAZ. „Unsere Terminals sind komplett arbeitsfähig, es gibt keine Beeinträchtigungen im Umschlag von Gütern.“ Um die wirtschaftlichen Folgen für den Konzern abzufedern, gebe es viele Möglichkeiten. „Wir hoffen ohne Kurzarbeit auszukommen, aber wir behalten uns ein solches Instrument natürlich vor, wenn es nicht anders gehen sollte“, sagte die HHLA-Vorsitzende.

Zudem sei das Management „fortlaufend im Gespräch mit unseren Betriebsräten, auch für den Fall, dass härtere Eingriffe nötig werden“. An die Politik appelliert Titzrath, behutsam vorzugehen und keine unnötigen Hürden für die Logistik aufzubauen. „Es ist in dieser angespannten Situation sehr wichtig, dass die Grenzen Europas und anderer großer Märkte für den Warenverkehr offenbleiben“, sagte sie der FAZ.

Molekularbiologe fürchtet „nicht kontrollierbare Situation“

Der Molekularbiologe Emanuel Wyler hat wegen der weltweiten Corona-Krise zu großer Vorsicht aufgerufen. „Wir haben eine nicht kontrollierbare Situation. Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagte er am Donnerstag dem Nachrichtensender n-tv.

Es sei jetzt wirklich angebracht „eher zu vorsichtig zu sein als zu wenig vorsichtig, entsprechend dann auch sich diszipliniert zu verhalten“ und Geburtstagspartys zu verschieben und sich virtuell zu treffen. Das Wichtigste, um das Virus einzudämmen, ist laut Wyler nun „Disziplin von allen“. Der Biologe, der im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft in Berlin-Buch arbeitet, warnte eindringlich davor, sich absichtlich anstecken zu lassen.

„Das ist ein Experiment, das ethisch völlig nicht verantwortbar ist und das vor allem Folgen hat, die wir überhaupt nicht abschätzen können und die Millionen von Menschen betreffen werden. Da werden Leute sterben, schwer krank werden.“ Das sei ein Experiment mit so einem unsicheren Ausgang und möglichen dramatischen Folgen, dass für Wyler klar ist: „Das darf man einfach nicht.“

Isabella Heuser-Collier, Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie/Psychotherapie an der Charité Berlin, sprach sich für Ausgangssperren in Deutschland aus. Sie sei „entsetzt“ gewesen, als sie am Mittwoch auf dem Tempelhofer Feld gesehen habe, wie Leute in großen Gruppen eng beieinander saßen und grillten. „Solange es so etwas gibt, kann man wahrscheinlich nichts anderes machen als Ausgangssperren“, sagte sie n-tv.

Jetzt sei die Solidarität aller notwendig, um die Anstiegsgeschwindigkeit von Infektionen zu begrenzen. Als Grund für die Treffen in der Öffentlichkeit nannte Heuser-Collier „ein großes Maß an Phantasielosigkeit“. Diese Leute wüssten nicht, dass es gefährlich ist. „Das haben die einfach nicht kapiert.“ Zugleich räumte Heuser-Collier ein, dass Isolation immer schwierig sei. Es sei schwer zu ertragen, Menschen andere Menschen und die Interaktion zu entziehen. „Aber“, fügte sie hinzu, „das ist ja heute nicht mehr so“. Heute könne man telefonieren, skypen und facetimen. Zugleich rief sie dazu auf, Großeltern oder Alleinstehende häufiger anzurufen. „Denn wir können soziale Distanz durchaus technisch überwinden. Für eine gewisse Zeit ist das gut erträglich.“

Auf die finanziell problematische Situation für Kleingewerbetreibende wies der Rechtsanwalt Niko Härting hin, der kostenlose Erst-Beratungen für Betriebe und Freelancer anbietet. Diese hätten es „besonders schwer“ und würden „nach jahrelanger Arbeit mit einem Federstreich auf einmal ohne Arbeit dastehen und ohne Einkommen“. Als „wirklich gute Nachricht“ begrüßte Härting die jüngste Maßnahme von Finanzminister Olaf Scholz, dass Kleinselbstständige aus Bundesmitteln im Haushalt nächste Woche insgesamt 10 Milliarden Euro Soforthilfe bekommen sollen. „Zurzeit haben die Leute nur ganz existenzielle Sorgen – nämlich wie sie ihre nächste Miete bezahlen können.“ Mit Krediten sei ihnen überhaupt nicht geholfen.

Härting verglich die Situation mit der Zeit nach den Terroranschlägen in New York im Jahr 2001. Man bewege sich in einer Abwägung von Freiheit und Sicherheit. Dies sei nicht neu und „gar nicht so furchtbar viel anders wie in der Zeit nach dem 11. September. Wir wägen ab: Freiheit gegen Sicherheit. Wenn wir absolute Sicherheit haben wollen, dann müssen wir uns alle einsperren lassen und dann muss auch noch viel, viel mehr zumachen als derzeit“. Zugleich betonte Härting, dass es „bereits jetzt sehr, sehr gravierende Eingriffe“ in die Bürgerrechte gebe, etwa wenn den Leuten die Einnahmen und das Geschäft komplett kaputt gemacht oder gar Ausgangssperren verhängt würden. „Das sollten wir jetzt nicht übersehen. Und da sollten wir auch nicht voreilig Beifall klatschen.“ Der Anwalt rief dazu auf, dies aufmerksam zu beobachten und von der Politik zu erwarten, „dass die Gründe wohl erwogen sind und das nicht einfach nur gemacht wird, weil das immer das Sicherste ist“.

Ärztepräsident fordert Befristung von Einschränkungen

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat die Bundesregierung aufgefordert, die massiven Einschränkungen im öffentlichen Leben schon jetzt klar zu befristen und ein Ausstiegsszenario vorzubereiten. „Ich glaube nicht, dass wir das, was wir jetzt tun, monatelang fortführen können. Die jetzigen Einschränkungen hält unsere Gesellschaft nicht ewig durch“, sagte Reinhardt dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Freitagausgaben).

„Die Ängste und Sorgen würden die Menschen psychisch überfordern“, warnte der Chef der Bundesärztekammer. Man solle den Menschen deshalb schon aus psychologischen Gründen vermitteln, dass die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zeitlich begrenzt sind. Ausgangssperren lehnte Reinhardt strikt ab.

Er forderte, jetzt an einem Ausstiegsszenario zu arbeiten. „Wir müssen uns Gedanken machen für den Tag X, wenn die jetzigen Maßnahmen wie Schulschließungen beendet werden. Wir müssen die knapp bemessene Zeit nutzen, die wir uns jetzt erkauft haben.“

Unstrittig sei, dass Menschen ab 65 Jahren besonders gefährdet sind. „Diese Menschen und andere Risikogruppen wie chronisch Kranke müssen darauf vorbereitet werden, dass die jetzt geltenden Einschränkungen für sie länger gelten“, sagte er. „Wir brauchen umfassende Maßnahmen, um diese Bevölkerungsgruppe isolieren zu können, während sich das öffentliche Leben wieder schrittweise normalisiert.“

Dazu gehöre die Frage, wie diese Menschen mit allem Lebenswichtigen zu Hause versorgt werden könnten, ohne selbst auf die Straße gehen zu müssen, so der Ärztepräsident. „Wichtig ist, dass wir Risikogruppen isolieren, dann können wir durch eine langsame und kontrollierte weitere Ausbreitung in der jüngeren Bevölkerung einen Durchseuchungsgrad erreichen, der die Epidemie zum Ende bringt.“ Ausgangssperren lehnte Reinhardt klar ab. Sie seien „kontraproduktiv“, sagte er. „Damit schaffen sie eine gespenstische Atmosphäre, die die Menschen extrem ängstigt. Das kann auch dazu führen, dass die Solidarität in der Gesellschaft, auf die wir jetzt dringend angewiesen sind, auseinanderbricht“, warnte er. Es bleibe nur die Möglichkeit, an die Vernunft der Menschen zu appellieren. „Das muss man gebetsmühlenartig immer weiter tun. Ich habe aber den Eindruck, dass die Bevölkerung zunehmend den Ernst der Lage erkannt hat und mitzieht“, so der Ärztepräsident.

Kommunen lehnen Ausgangssperre ab

Der Städte- und Gemeindebund lehnt eine Ausgangssperre in Deutschland entschieden ab. Die Bürger hielten sich weitgehend an die von Bund, Ländern und Kommunen erlassenen Vorgaben, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). „Im Vordergrund sollte immer wieder Aufklärung und Belehrung und nicht Zwang stehen, der flächendeckend ohnehin kaum zu kontrollieren ist.“

Eine flächendeckende Ausgangssperre sei einer der gravierendsten Eingriffe in die Freiheitsrechtes jedes Einzelnen und „noch nicht notwendig“. Als mögliche Ausnahme nannte Landsberg räumlich begrenzte Ausgehverbote für den Fall, dass es „in einzelnen Orten besondere Krisensituationen gibt oder in bestimmten Stadtteilen Teile der Bevölkerung die Regeln nicht beachten“.

Altmaier rechnet mit Wirkung von Staatshilfen in zwei Wochen

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) glaubt nicht mehr daran, dass der Bund in der Corona-Krise ohne neue Schulden auskommen wird und erwartet, dass die Staatshilfen schnell Wirkung zeigen. „Wir werden das Geld zur Verfügung stellen, das notwendig ist und für die rechtlichen Voraussetzungen sorgen. Ich gehe davon aus, dass der positive Effekt dieser Maßnahmen in zehn Tagen bis zwei Wochen sichtbar wird“, sagte Altmaier dem Nachrichtenmagazin Focus (Freitagausgabe).

Ideologische Diskussionen „über rote, schwarze oder sonstige Nullen helfen uns überhaupt nicht weiter“, so der Bundeswirtschaftsminister. Es gehe schließlich darum, die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft insgesamt zu erhalten. Altmaier will nicht ausschließen, dass Deutschland in eine Rezession gerät.

Er kündigte für kommende Woche eine Konferenz mit den führenden Wirtschaftswissenschaftlern an. „Wir brauchen Fakten“, sagte der Minister. „Ich gehe davon aus, dass diese schweren Verwerfungen, mit denen wir es zu tun haben, fast alle Bereiche der Wirtschaft erfassen werden.“

Der Bund stellt wegen der Corona-Krise bislang fast 500 Milliarden Euro an Krediten und Bürgschaften bereit.

Wirtschaftsminister will „Expressbürgschaften“ für Selbstständige

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat Freiberuflern, Ladenbesitzern und Selbständigen ohne Angestellte schnelle Hilfe versprochen. Es werde „Expressbürgschaften geben, die binnen drei Tagen gewährt werden können“, sagte Altmaier dem Nachrichtenmagazin Focus (Freitagausgabe). „Wir arbeiten gerade an Regelungen für genau diesen Personenkreis, damit diese Betroffenen nicht durch die Maschen der Hilfsnetze fallen.“

Deutschland reduziert Grenzübergangsstellen

Der Grenzübertritt nach Österreich, Frankreich, Luxemburg, Dänemark und in die Schweiz ist ab Freitag nur noch an bestimmten Grenzübergangsstellen möglich – wenn er überhaupt zulässig ist. Das teilte das Innenministerium am Donnerstag mit. Die Liste sei auf der Internetseite des Ministeriums einsehbar.

In wichtigen Ausnahmefällen, beispielsweise bei erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen, könne die Bundespolizei auch andere Grenzübergänge ermöglichen. So ist nach Dänemark der Grenzübertritt ab Freitag nur noch auf der A 7 bei Ellund, auf der B 5 bei Böglum, auf der B 200 bei Kupfermühle, in den Bahnhöfen Flensburg und Süderlügum, sowie in den Häfen Puttgarden, Rostock und Sassnitz möglich – wenn die Dänen die Einreise erlauben. Dänemark hatte seinerseits letzten Samstag schon Kontrollen eingeführt und erlaubt nur noch Einheimischen und Berufspendlern den Grenzübertitt.

Nur nach Belgien und in die Niederlande können Deutsche noch relativ ungehindert über die Grenze.

Als Beispiel nannte er, wenn durch Geschäftsschließungen keine Einnahmen mehr flössen, wohl aber Kosten wie etwa Miete für das Ladenlokal weiterliefen. Man nehme dafür viele Milliarden in die Hand, kündigte Altmaier an. Der Minister stellte rasche Hilfe in Aussicht.

Die Bewilligungen sollten „nicht mehr Wochen und Monate dauern, sondern möglichst binnen weniger Tage erledigt werden können“, sagte der CDU-Politiker dem Focus. „Entsprechende Verfahren sind mit den Bürgschaftsbanken besprochen worden.“

Außenhandel rechnet mit Wirtschaftseinbruch von über fünf Prozent

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) rechnet wegen der Ausbreitung des Coronavirus mit einem historischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts und verlangt massive Steuererleichterungen für Bürger und Unternehmen. „Wenn Industrie, Handel und Dienstleistungen in den nächsten vier Wochen weitgehend zum Erliegen kommen, die Wirtschaft ab Sommer langsam wieder Fahrt aufnehmen sollte und sich Konsum und Industrieproduktion wieder beleben, könnte der Einbruch ähnlich stark wie in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 ausfallen. Damals war die Wirtschaftsleistung um fast fünf Prozent gesunken“, schreibt BGA-Präsident Holger Bingmann in einem Gastbeitrag für das Nachrichtenmagazin Focus.

Bei einem länger anhaltenden und tieferen Einbruch sei auch mit einem höheren Wert zu rechnen. „Denn anders als in der Finanzkrise sind aktuell viele Lieferketten unterbrochen.“ Bingmann schreibt, Staat und Unternehmen seien besser gerüstet als vor zehn Jahren.

„Den zehn Jahre dauernden Aufschwung haben viele Unternehmen genutzt, um mehr Eigenkapital zu bilden und Investitionen solider zu finanzieren.“ Der Staat habe in den vergangenen Jahren sein Geld zusammengehalten. „Und dank Rekordbeschäftigung sind neben den öffentlichen auch die Sozialkassen prall gefüllt, so dass man nun tatsächlich klotzen statt kleckern kann.“

Der BGA-Chef forderte die Bundesregierung auf, die Unternehmenssteuern zu senken und den Solidaritätszuschlag zum 1. Juli 2020 komplett abzuschaffen. Es gehe darum, das „Zukunftsvertrauen der Bürger und Firmen zu stärken“. Die Steuerpolitik sei dabei besonders entscheidend.

„Dadurch entsteht, neben dem psychologischen Effekt, mehr Kaufkraft, was wiederum der Konjunktur hilft“, so Bingmann gegenüber dem Focus.

Freiburg verhängt als erste Großstadt Ausgangssperre

Die Stadt Freiburg hat im Zuge der Corona-Krise als erste deutsche Großstadt eine Art Ausgangssperre verhängt. Die Stadt erließ am Donnerstag ein am Samstag für zwei Wochen gültiges Betretungsverbot für öffentliche Plätze. Das Haus darf man nur noch in dringenden Angelegenheiten verlassen, Aufenthalte im Freien seien nur noch alleine oder maximal zu zweit erlaubt, hieß es.

Die Freiburger dürfen aber weiterhin zur Arbeit oder zum Arzt gehen sowie Lebensmittel einkaufen. Dabei soll ein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. In Freiburg gab es bis Donnerstagabend 121 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus.

Das entspricht etwa 53 Fällen je 100.000 Einwohner, bundesweit liegt der Wert bei 20.

Immer mehr Müllannahmestellen machen wegen Corona dicht

Im Zuge der Corona-Krise werden immer mehr Bundesbürger ihren Sperrmüll, Grünschnitt und zusätzlichen Abfall nicht mehr los. Wertstoffannahmestellen und Recyclinghöfe machen nach und nach dicht, bei aktuell besonders hoher Nachfrage. So wurde in Wuppertal das Müllheizkraftwerk für Privatanlieferer und gewerbliche Anlieferer ohne Kundennummer geschlossen.

Auch „Strauch- und Astwerk-Sammlung findet nicht mehr statt“, hieß es. Die Begründung: „Weil insbesondere an den Recyclinghöfen der Andrang in den vergangenen Tagen zugenommen hat, reagiert die AWG im Sinne der Corona-Prävention.“ Das Wuppertaler Beispiel ist kein Einzelfall.

Die Uckermärkische Dienstleistungsgesellschaft (UDG) teilte mit, dass als „Präventionsmaßnahme, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen“, alle Wertstoffannahmehöfe des Landkreises Uckermark bis 19. April geschlossen würden. „Die Anmeldung von Sperrmüll wird bis auf weiteres ausgesetzt.“ Aus vielen anderen Städten und Landkreisen wird Ähnliches gemeldet.

Die Leute sollen ihren zusätzlichen Müll, der nicht in die Haustonne passt, vorerst zu Hause behalten – so lange, bis die Krise vorüber ist.