Wegen Coronavirus? „Nur“ noch knapp 500 Polizeieinsätze wegen Hochzeitskorsos in NRW

Düsseldorf – Sollte diese Polizeimeldung etwa ein Silberstreif am Horizont sein, was die angebliche Einsichtigkeit und Integrationsbereitschaft vor allem türkischer Mitbürger betrifft, oder spielt der Coronavirus eher eine Rolle? Wie das nordrhein-westfälische Innenministerium gestern mitteilte, sank die Zahl von illegalen Hochzeitskorsos im Land seit April 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Um wieviel prozentual genau, wurde nicht mitgeteilt. 496 Polizeieinsätze waren jedenfalls trotzdem notwendig seit letzten April, um in NRW Blockaden in Innenstädten, stillgelegte Autobahnen oder Baller-Orgien im öffentlichen Verkehrsraum zu stoppen. In den meisten Fällen sind es türkische Hochzeitsfeiern, die die Behörden in Atem halten.

Wie „Bild“ mitteilte, wies die Statistik des Innenministeriums seit vergangenem April mehr als 140 Anzeigen „wegen eskalierender Hochzeits-Aktionen auf den Straßen“ aus, plus weitere 122 Knöllchen und 181 Verwarngelder. 1697 Personalien wurden aufgenommen, sieben Autos beschlagnahmt. Insgesamt gingen die Vorkommnisse aber zurück.

Respektlosigkeit im Ausleben importierter „Traditionen“
Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte laut der Zeitung zum nach wie vor bestehenden Ärgernis, das überall in Deutschland  auftritt – nicht nur im bevölkerungsreichsten Bundesland: „Der Rechtsstaat lässt sich nicht auf der Nase rumtanzen, auch nicht von Hochzeitsgesellschaften. Dank konsequentem Eingreifen und harten Sanktionen scheint das inzwischen angekommen zu sein.“
Ob solcher Optimismus wirklich angebracht ist – angesichts der noch immer hohen dreistelligen Einsatzzahlen – ist fraglich und wird sich zeigen. Im laufenden Jahr – soviel steht fest – wird das Problem schon wegen der Corona-Krise rapide zurückgehen; zum einen aufgrund der Kontaktsperren, zum anderen, weil selbst den testosterongeschwängertsten Osmanen für das Jahr 2020 eigentlich schon jetzt die Feierlaune vergangen sein dürfte. (DM)