Medizintechnik-Unternehmen fürchtet Engpass bei Beatmungsgeräten

Corona (Symbolbild: shutterstock.com/Von LinaOli)

Der Chef des Medizintechnik-Unternehmens Drägerwerk, Stefan Dräger, hat die Kliniken weltweit vor einer „riesigen Lücke“ bei der Versorgung der der Krankenhäuser mit Beatmungsgeräten gewarnt. Obwohl allein sein Unternehmen die Produktion bis zum Jahresende vervierfacht haben werde, liege der Bedarf „deutlich oberhalb der Möglichkeiten der gesamten Branche“, sagte Dräger der „Welt“ (Samstagausgabe). Insbesondere auf die USA, die gerade die Anschaffung von 100.000 Geräten ausgeschrieben haben, komme ein „massives Problem“ zu.

Eine solch große Bestellung sei ein „aussichtsloses Unterfangen“, das zu erheblichen politischen Spannungen führen könne. Dräger, dessen Produktion auch auf Zulieferungen aus den USA angewiesen ist, warnte in diesem Zusammenhang nachdrücklich vor einer Unterbrechung der Lieferketten. In diesem Fall bekäme am Ende „niemand mehr auch nur ein Beatmungsgerät“.

Dräger lobt in dem Gespräch die deutsche Bundesregierung für ihr „schnelles und entschlossenes“ Handeln. Die von Berlin bestellten 10.000 Beatmungsgeräte werde sein Unternehmen innerhalb dieses Jahres ausliefern. Auch innerhalb der deutschen Industrie entwickele sich in der Krise ein „großer Gemeinschaftssinn“.

Zwar dauere es viel zu lange, wenn Unternehmen zum Beispiel der Automobilindustrie brachliegende Produktionsstätten für die Produktion von Beatmungsgeräten umbauen würden, „Hilfeleistungen innerhalb der Zulieferungskette“ seien aber denkbar. Darüber habe Dräger auch schon mit der Daimler AG gesprochen.

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Bundeswehr verdoppelt Behandlungskapazitäten

Die Bundeswehr stockt in ihren fünf Bundeswehrkrankenhäusern die Kapazitäten deutlich auf. „Dort verdoppeln wir gerade die Intensivbehandlungskapazitäten“, sagte der Generalinspekteur der Bundeswehr, Manfred Zorn, dem „Mannheimer Morgen“ (Samstagausgabe). Zudem würden im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus auch Reservisten mit medizinischer Ausbildung aufgerufen, sich freiwillig zu melden.

„Wir haben bereits 5.000 Antworten“, so Zorn. Der Generalinspekteur kann sich vorstellen, dass Soldaten in der Corona-Krise auch zivile Aufgaben übernehmen. „Im Wege der Amtshilfe kann die Bundeswehr dort helfen, wo zivile Leistungen ausgeschöpft sind. Beispielsweise kann eine Kaserne als geschützter logistischer Umschlagplatz für medizinisches Material dienen oder es können Transporte übernommen werden.“

Anträge auf Soforthilfen stark nachgefragt

Die von der Bundesregierung beschlossenen Milliarden-Hilfen für Firmen im Zuge der Corona-Krise werden stark nachgefragt. Wie eine Umfrage der „Bild“ unter den Bundesländern ergab, gingen bei den zuständigen Stellen binnen weniger Tage mindestens 360.000 Anträge auf Soforthilfe von Selbstständigen und Kleinunternehmern ein. 138,5 Millionen Euro wurden bereits zur Zahlung angewiesen.

Den Großteil machen Zahlungen aus Bayern aus. Über seine Landeshilfen hat der Freistaat bereits gut 115 Millionen Euro an kleine Unternehmer überwiesen, die diese nicht zurückzahlen müssen. In Brandenburg wurden 2,5 Millionen Euro bewilligt, in Berlin gingen Anträge in Höhe von 20 Millionen Euro ein.

Niedersachsen zahlte allein am Freitag eine Million Euro aus. Als das Programm dort vergangenen Mittwoch an den Start ging, versuchten laut der zuständigen Landesförderbank NBank 250.000 Menschen gleichzeitig die Soforthilfen zu beantragen. „Das hat den Server gesprengt“, sagte ein NBank-Sprecher.

Kein Rückgang bei Ansteckungszahlen – Jeder Fünfte wieder gesund

Die Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus und die aktiven Infektionen nehmen weiter unvermindert zu, auch wenn jeder Fünfte mittlerweile wieder gesund ist. Laut Abfrage bei den Landesministerien, Städten und Landkreisen waren bis Freitagabend 52.704 Personen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet worden, knapp 20 Prozent mehr als 24 Stunden zuvor. Ein kontinuierlicher Rückgang seit Einführung der neuen Ausgangsbeschränkungen zu Beginn der Woche war bis Freitag nicht zu erkennen, im Gegenteil: Mitte der Woche lagen die täglichen Steigerungsraten auch schon mal bei lediglich 15 Prozent.

Dafür sind nach Hochrechnungen aber auch über 10.000 Menschen in Deutschland, deren Infektion bestätigt wurde, schon wieder gesund. Die Zahl der aktiven Infektionen mit Nachweis legte dennoch auch am Freitag weiter zu, auf etwa 42.000, rund 16 Prozent mehr als am Vortag. Mindestens 330 Menschen starben in Deutschland an der Infektion mit dem Coronavirus.

Experten fordern baldige Wiedereröffnung von Schulen und Kitas

Führende Kinder- und Jugendpsychiater warnen vor den Folgen von Schul- und Kitaschließungen und dringen auf eine Wiedereröffnung nach den Osterferien. Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen würden viele Familien vor enorme Herausforderungen stellen. „Vor allem in engen Wohnsituationen birgt das großes Gewaltpotenzial“, sagte Christine Freitag, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Frankfurt, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben).

Dabei gelte: „Je schlimmer die psychische Erkrankung des Kindes, desto mehr Gewalt gegen das Kind oder in der Familie ist zu erwarten“, sagte Freitag, die auch im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie ist. Damit die Kinder wieder zurück in die Bildungseinrichtungen können, müssten auch in Schulen langfristige Hygiene-Konzepte erarbeitet und in die politischen Überlegungen miteinbezogen werden, so Freitag: „Es geht schließlich um unsere Zukunfts-Generation, die vor langfristigen negativen Folgen geschützt werden muss.“ Viele der bundesweit mehr als 400 Fachkliniken bzw. Fachabteilungen versorgen ihre Patienten in der Corona-Krise nicht mehr ambulant oder in den Tageskliniken, sondern bieten Therapien über Telefon oder Video-Programme an.

Es gebe nicht nur Zusammenlegungen von Stationen in Psychiatrien, sondern es würden auch ganze Häuser freigeräumt, um Covid-19-Erkrankte aufzunehmen, sagte der Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagausgaben).

EU-Kommission erwartet dramatischen Einbruch im Luftverkehr

Die EU-Kommission erwartet infolge der Corona-Krise einen dramatischen Einbruch im europäischen Flugverkehr. „Die Zahl der Flüge, die von Eurocontrol beaufsichtigt werden, lag am 21. März im Vergleich zum gleichen Tag im Vorjahr bei 66 Prozent. Es wird erwartet dass die Zahl in den kommenden Tagen auf 20 Prozent des Normalverkehrs weiter sinkt“, schreibt die EU-Kommission in einem neuen, als „vertraulich“ klassifizierten „Situationsbericht zur neuartigen Coronavirus-Krise“, über den die „Welt am Sonntag“ berichtet.

Zur Zeitpunkt der Erhebung am vergangenen Samstag war laut Bericht der Luftverkehr in Deutschland bereits um 65 Prozent und im Frankreich um 73 Prozent eingebrochen. Malta verzeichnete zu dem Zeitpunkt Rückgänge bei der Anzahl der Flüge von 95 Prozent, Italien von 91 Prozent und Österreich von 88 Prozent. (Quelle: dts)