Frauenmärsche am 8. März: Spanische Regierung wegen Corona-Folgen angezeigt

Die spanische Regierung sieht sich mit einer Klage konfrontiert. Aus ideologischen Gründen habe sie trotz der Corona-Gefahr die Aufmärsche zum Internationalen Frauentag am 8. März stattfinden lassen und so das Leben von Tausenden gefährdet.  

Die Koalition, bestehend aus Sozialisten und der linkspopulistischen Partei Unidas Podemos, die seit Januar das Land regiert, sieht sich nun einer Anzeige wegen Fahrlässigkeit konfrontiert.

Ein Anwalt habe am 19. März Anzeige gegen Ministerpräsident Pedro Sánchez und gegen seine Vertreter in den 17 autonomen Regionen Spaniens eingereicht, weil sie die massiven feministischen Proteste am 8.Mai inmitten der Coronavirus-Epidemie genehmigt hatten, berichtet ok diario.

Bereits am 1. Februar habe es in Spanien den ersten bestätigten Corona-Fall gegeben, so der Anwalt. Trotzdem habe die linke Regierung die Frauenmärsche unterstützt und auch gegen die von der EU herausgegebenen Richtlinien zur Eindämmung des Virus verstoßen.

Allein in Madrid hatten rund 120.000 Menschen an den Märschen zum Frauentag teilgenommen. Mit dabei auch die Ehefrau des Ministerpräsidenten Begoña Gómez sowie die Gleichstellungsministerin Irene Montero. Beide wurden nur wenige Tage später positiv auf Corona getestet. Landesweit waren Hunderttausende auf den Beinen, um gegen das angebliche Patriarchat der westlichen Zivilisation zu protestieren.

Trotz aller Warnungen erklärte der Direktor des Centro de Coordinación de Alertas y Emergencias Sanitarias (Zentrums für die Koordinierung von Gesundheitsalarmen und Notfällen) Fernando Simón noch am 7. März in einer landesweiten Pressekonferenz, dass kein Risiko bestehe, an den Kundgebungen am darauffolgenden Tag teilzunehmen. „Wenn mein Sohn mich fragt, ob er gehen kann, werde ich ihm sagen, er soll tun, was er will „, so der Mediziner.

Der Journalist Matthew Bennett enthüllte am 24. März auf Twitter, dass die Regierung zwischen dem 6. und 9. März keine neuen Coronavirus-Fälle gemeldet hatte, offenbar um die Gefahr für die Öffentlichkeit, an den Kundgebungen teilzunehmen, herunterzuspielen.

Am 9. März, nachdem sich die Zahl der bestätigten Coronavirus-Fälle in Madrid innerhalb von 24 Stunden von 202 auf 578 mehr als verdoppelt hatten, ordnete die Präsidentin der Autonomen Gemeinschaft Madrid, Isabel Díaz Ayuso, an, alle Schulen in der Hauptstadt für mindestens zwei Wochen zu schließen. Diese Entscheidung brachte die Regierung in Madrid offenbar unter Zugzwang und ließ sie ihren Kurs ändern. Mittlerweile sei die Gesamtzahl der Infizierten in Spanien höher als in Italien, so tagesschau.de.

Insgesamt seien dort knapp 125.000 Infektionen gemeldet worden. Mehr als 34.000 Menschen gelten inzwischen wieder als genesen. Mehr als 11.700 Menschen sollen an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sein, so die Tagesschau. Besonders betroffen sei Madrid mit 29 Prozent aller Infektionen. (MS)