Trotz Mangel im eigenen Land: Deutschland exportiert Medizin-Schutzprodukte in Nicht-EU-Länder

Foto: Frau mit Schutzmaske in einer S-Bahn (über dts Nachrichtenagentur)

Glaubt man den vielen Horrormeldungen, fehlt es in Deutschland in dieser dramatischen Ausnahmesituation fast überall an Schutzkleidung, um die so dringend benötigten Lockerungen auch wirklich durchzuziehen und das Leben der eigenen Bürger zu sichern.

Gerade jetzt hat Manuela Schwesig (SPD), Regierungschefin aus Mecklenburg-Vorpommern, mögliche Lockerungen mit einem generellen Tragegebot von Atemschutzmasken verküpft. „Wir werden das öffentliche Leben nur schrittweise hochfahren können. Und wir brauchen zusätzliche Maßnahmen wie Mundschutz für alle“, sagte Schwesig der „Bild am Sonntag“.

Der Bundesverkehrsminister plant sogar eine Landbrücke nach China, um wöchentlich zwischen 20 und 40 Tonnen Masken und Schutzmaterial für unsere Krankenhäuser, Altenheime und Pflegeeinrichtungen beschaffen und transportieren zu können. Bei der Bahn ist von einer „Eisenbahnbrücke Eurasia“ die Rede – das vermeldet zumindest gerade die „Bild„.

Und wofür das alles? Bestimmt nicht für die deutschen Bürger. Es sieht wirklich so aus, als ob die Regierenden Spaß daran hätten, die Leute in ihren „Home-Knästen“ verkümmern zu lassen, denn Deutschland exportiert auch während der Coronakrise weiter medizinische Schutzausrüstung in Länder außerhalb der Europäischen Union, obwohl es hier ja angeblich an solchen Dingen mangelt. Laut einer Aufstellung des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), über die die „Welt am Sonntag“ berichtet, wurde zwischen dem 15. März und dem 6. April die Ausfuhr von Hundertausenden Produkten in zahlreiche Länder genehmigt. Exporte von Schutzmasken, Handschuhen und ähnlichen Ausrüstungsgegenständen müssen seit dem 15. März laut einer EU-Verordnung genehmigt werden.

Insgesamt wurden vom 15. März bis 6. April 235.960 Mund-Nasen-Schutzausrüstungen, 9.155 Schutzkleidungsstücke, 2.660 Schutzbrillen und Visiere, 100 Gesichtsschutzschilde, 7.500 sogenannte Persönliche Schutzausrüstungssets sowie 29.023 Paar Handschuhe und weitere 86.000 einzelne Handschuhe exportiert. Die Lieferungen gingen nach Äthiopien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, China, Irak, Israel, Japan, Jemen, Kasachstan, Russland, Serbien, Singapur, Somalia, Südafrika, Syrien, Tunesien, Türkei, Ukraine, USA, Usbekistan und in die Vereinigten Arabischen Emirate.

Das ist aber noch längst nicht alles:

Deutschland ist in der Coronakrise auch zum wichtigen medizinischen Helfer für die von Covid-19 besonders betroffenen EU-Partner geworden. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf eine eigene Umfrage unter den Gesundheitsministerien der 16 Bundesländer. Danach haben mittlerweile alle Bundesländer Covid-19-Patienten aufgenommen oder Intensivbetten zumindest angeboten und teilweise medizinisches Gerät oder ärztliche Expertise zur Verfügung gestellt.

Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und das Saarland betreuen derzeit die meisten Covid-19-Patienten aus dem EU-Ausland. Nach Angaben der Stuttgarter Landesregierung werden 28 Patienten aus Frankreich und zwei aus Italien versorgt. Im Saarland sind es 23 französische Patienten.

Nach Angaben der nordrhein-westfälischen Landesregierung wurden bisher zehn Patienten aus Italien, acht aus Frankreich und 39 Patienten aus den Niederlanden klinisch versorgt. Während die Nachfrage aus Italien nach verfügbaren Intensivbetten in Deutschland tendenziell zurückgeht, nahm die Zahl der Anfragen aus den Niederlanden zuletzt deutlich zu. Die Landesregierung in Niedersachsen stehe „in engem Kontakt mit der Regierung der Niederlande, um in einigen schweren Fällen Amtshilfe leisten zu können, sollte das dortige Gesundheitssystem in eine Situation der zeitweisen Überlastung geraten“.

Neben NRW versorgt auch Hamburg den ersten Covid-19-Erkrankten aus den Niederlanden. Zu Wochenbeginn hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass 24 niederländische Patienten im Bundesgebiet versorgt würden. Binnen einer Woche ist die Zahl nun laut Rückmeldungen der Bundesländer auf 40 Patienten gestiegen.

Wie kann das sein, wenn unser Gesundheitssystem angeblich kurz vor dem Kollaps steht. Was wurden uns hier wieder mal für Fake-News untergejubelt? (Quelle: dts)