Von Mehrheiten und Minderheiten in Krisenzeiten

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Einer kürzlich veröffentlichten Umfrage zufolge ist eine deutliche Mehrheit der Deutschen notfalls bereit, die soziale und wirtschaftliche Krisenauszeit auch bis hinein in den Sommer hinzunehmen. Immerhin (oder nur) 40 Prozent sind dagegen.

Von Wolfgang Hübner

Ich halte dieses Umfrageergebnis nach meinen bisherigen Eindrücken für realistisch, wenngleich für den Beweis erschreckender Realitätsferne dieser Mehrheit. Politiker allerdings werden das Ergebnis der Umfrage genau registrieren und ihre Schlüsse daraus ziehen.

Wer kann diese deutliche Mehrheit sein? Ich will einmal vermuten: Die allermeisten derer, die ihr Geld vom Staat bekommen, der sich in diesen Wochen ja in jeder Weise so omnipotent zeigt. Also Beamte, Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Pensionäre und all jene, die Transferleistungen vom Staat bekommen, um eine materielle Existenz fristen zu können.

Hinzu kommen Beschäftigte in der Sozialindustrie; jene Arbeiter und Angestellte, die auch mit Kurzarbeitergeld noch einige Monate gut zurechtkommen sowie Staatsgläubige aller Art. Vor allem aber sind es ältere und alte Menschen, die in Angst und Schrecken vor der für sie prognostizierten besonderen Gefährdung durch eine Virusinfektion leben – demographisch im alternden Deutschland eine Großmacht.

Sicher werden auch kinderlose Deutsche oder solche mit bereits erwachsenen Kindern die Situation anders betrachten als solche mit Kindern, die Kitas oder Schulen besuchen. Und dann gibt es auch diejenigen, die sich noch länger an weniger Lärm, besserer Luft und weniger Hektik erfreuen wollen.

Ihnen gegenüber stehen wohl alle, die um ihre selbständige Existenz fürchten, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssen sowie jene, die darum wissen, dass Renten, Pensionen, staatliche Transferleistungen und Politikerdiäten nicht von Gelddruckmaschinen garantiert werden können, sondern durch Produktivität.

Aber wie schon oben erwähnt: Das ist laut Umfrage nur eine Minderheit. Wer Politik nach Umfragen ausrichtet, ist in keiner beneidenswerten Lage.

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