Schools out for summer?

Foto: Stühle im Flur einer Schule (über dts Nachrichtenagentur)

Wer kennt ihn nicht, den Hit von Alice Cooper „Schools Out“ von 1972. Noch heute wird er auf so manchem Schulhof aus vollem Halse gegrölt.

In diesem Jahr, im Jahr der Coronapandemie, könnte dieser Song sogar Realität werden, denn die Verantwortlichen streiten immer noch über „passenden“ Termin für die Fortsetzung des Unterrichts. Sogar Prüfungen sollen ausfallen, keine Noten mehr vergeben werden, damit auch ja keiner sitzen bleibt, wenn er zulange zu Hause gesessen hat.

Hier einige Meldungen zu diesem Thema, das auch die Kitas mit einbezieht:

Die Bundeselternvertretung der Kindertagesstätten hat jetzt den Vorschlag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina scharf kritisiert, jüngere Kinder wegen der Corona-Pandemie bis zu den Sommerferien nicht in die Kitas zu schicken. „Das geht an der Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen vorbei“, sagte Ulrike Grosse-Röthig, Bundessprecherin der Elternvertretung, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Niemand erwarte „von heute auf morgen“ eine vollständige Öffnung der Kitas.

Doch 3,7 Millionen Kinder, die zu Hause bleiben, bedeuteten auch 3,7 Millionen Elternteile, die ihrer Arbeit nicht nachgehen könnten. „Dieses Problem mit einem Satz abzubügeln ohne wenigstens zu überlegen, welche Möglichkeiten einer teilweisen Öffnung es gäbe, ist nicht akzeptabel“, so die Bundessprecherin der Elternvertretung weiter. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hatte am Montag in einer Stellungnahme erklärt, dass die Betreuung von fünf- und sechsjährigen Kindern in Kleingruppen wiederaufgenommen werden sollte.

Jüngere Kinder sollten aber bis zu den Sommerferien zu Hause bleiben. „Offensichtlich ist bei der Leopoldina auch noch nicht angekommen, dass es sich bei Kitas um Bildungsreinrichtungen handelt, und dass man Kindern hier Bildung vorenthält“, sagte Grosse-Röthig. Ideal wäre aus Sicht der Elternvertreter eine Rückkehr in den normalen Betrieb, „am besten mit viel zusätzlichem Personal um kleinere Gruppen bilden zu können und so Abstand zu halten“.

Man werde sicherlich auch darüber nachdenken müssen mehr Aktivitäten draußen zu unternehmen. Eine Regelung, bei der nach individuellem Bedarf der Familien entschieden wird, welche Kinder in die Kita zurückkehren können, sei gegenüber der kompletten Schließung „nur das kleinere Übel“, sagte Grosse-Röthig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Umfrage: Mehrheit für Aussetzung der Sommerferien bei längerer Schulschließung

Bei einer Schließung der Schulen für das restliche Schuljahr wegen der Coronakrise befürworten 43 Prozent der Bundesbürger eine Aussetzung der Sommerferien. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der „Bild-Zeitung“ (Mittwochsausgabe). Demnach sind 39 Prozent der Befragten dagegen.

Befragt danach, wie lange die Schulen geschlossen bleiben sollten, sagten 25 Prozent bis maximal Ende April. Dass die Schulen nur bis zum 20. April geschlossen bleiben, wünschen sich 16 Prozent der Befragten, 15 Prozent sind der Meinung, dass die Schulen bis Mitte Mai und 14 Prozent, dass sie bis Ende Mai geschlossen bleiben. 18 Prozent der Befragten wollen, dass im restlichen Schuljahr keine Schulöffnung mehr erfolgt.

Für die Erhebung befragte INSA im Auftrag der „Bild“ am 6. und 7. April 2020 insgesamt 1.024 Personen.

Virologe Kekulé sieht Öffnung von Grundschulen kritisch

Der Inhaber des Lehrstuhls für medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale), Alexander Kekulé, sieht die Empfehlungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Öffnung der Schulen für Grundschüler kritisch. Er sei nicht der Meinung, dass man Schüler in der Grundschule „tatsächlich in die Schule schicken kann und dann davon ausgeht, dass sie die Hygieneregeln einhalten“, sagte Kekulé am Dienstag dem Deutschlandfunk. Sonst bestehe die Gefahr, „dass man Schulen aufmacht und wieder zumacht und dann doch Ausbrüche in den Klassen hat.

Ich glaube, hier muss man sich grundsätzlich einfach mal entscheiden, ob man das zulässt, dass sich Kinder in der Grundschule tatsächlich infizieren“, so der Virologe weiter. Dies müssten „natürlich Pädagogen letztlich entscheiden, aber ich finde, die Leopoldina ist da sehr optimistisch, weil die sagen, wir warten auf den Impfstoff, wir wollen vorher praktisch jede Infektion verhindern, sowie es irgendwie geht, und deshalb zum Beispiel auch Schüler, sobald die positiv werden, in Quarantäne schicken“, sagte Kekulé dem Deutschlandfunk.

Ramelow für schrittweise Öffnung von Schulen in Thüringen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plädiert dafür, den Unterricht in seinem Bundesland bald wieder aufzunehmen. „In den nächsten Wochen planen wir, schrittweise die Schulen in Thüringen zu öffnen, wenn wir trotzdem die Pandemie eindämmen können“, sagte Ramelow dem Nachrichtenportal T-Online. Zugleich widersprach er den Empfehlungen der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zur Öffnung der Schulen für Grundschüler.

„Die Empfehlungen der Leopoldina, Grundschüler bald wieder in die Schulen zu lassen, mögen wissenschaftlich richtig sein. In der Praxis wäre das unklug, weil mit den Kleinen schwerer die Abstands- und Hygieneregeln einzuhalten sind“, so der Linken-Politiker weiter. Zunächst müsse man sicherstellen, dass man Schulabschlüsse wie das Abitur oder den Realschulabschluss realisieren könne.

Dafür müssten die Schulen zuerst genutzt werden, so der thüringische Ministerpräsident. Er erklärte zudem, es spiele in den Verhandlungen „keine Rolle“, dass er der einzige linke Ministerpräsident sei. „Es geht jetzt um die Gesundheit der Menschen und darum, möglichst viele Leben zu retten, nicht um Parteipolitik“, sagte Ramelow dem Nachrichtenportal T-Online.

NRW-Kommunen fordern längere Vorlaufzeit für Schulstart

Die Kommunen als Schulträger fordern eine längere Vorlaufzeit für den Neustart. „Wir brauchen mindestens eine Vorlaufzeit von einer Woche, um die neuen Regeln umsetzen zu können“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds Nordrhein-Westfalen, Bernd Jürgen Schneider, der „Rheinischen Post“ (Mittwochsausgabe). Wenn die Schulen ab Montag wieder geöffnet würden, könne noch nicht alles reibungslos funktionieren.

„Weniger Schüler gestaffelt auf mehr Zeit und Räume zu verteilen, bringt ganz neue Abläufe mit sich, zum Beispiel beim Transport der Schüler oder beim Betrieb der Mensen“, so der nordrhein-westfälische Städtebund-Hauptgeschäftsführer weiter. Es werde auf jeden Fall eine gestaffelte Wiederaufnahme des Schulbetriebes geben. Nach derzeitiger Planung sollen die Schulen frühestens am Mittwoch erfahren, wie es genau weitergeht.

Der kommende Montag aber ist in Nordrhein-Westfalen bereits der erste Schultag nach den Osterferien. Die Kommunen würden dafür sorgen, dass die Anforderungen an Hygiene und Gesundheitsschutz erfüllt würden, versprach Schneider. „Es sollte kein Problem sein, Waschgelegenheiten mit Seife und Einmalhandtüchern auszustatten oder Desinfektionsspender aufzustellen“, so der nordrhein-westfälische Städtebund-Hauptgeschäftsführer weiter.

Es gebe aber auch noch viele offene Fragen. So zum Beispiel: „Bekommen die Schulen auf dem Markt all die Hygienemittel, die es jetzt braucht? Wo sollen die Schüler und Lehrer den Mundschutz in ausreichender Zahl herbekommen? Wie oft müssen die Klassenräume gereinigt werden, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren? Müssen die Tische mehrmals am Tag desinfiziert werden? Da benötigen wir klare Empfehlungen“, sagte Schneider. Zudem sprach er sich für einen alternierenden Schulbesuch aus.

„Am leichtesten wäre es zu organisieren, wenn der Rhythmus tageweise wechselt, die Klassen also geteilt werden und nur jeden zweiten Tag die Schule besuchen“, so der nordrhein-westfälische Städtebund-Hauptgeschäftsführer. Er forderte aber zugleich, auch den Umgang mit künftigen Infektionsfällen zu regeln. „Es ist sehr wichtig, dass vorher geklärt wird, wie die Schulen mit Infektionsfällen umgehen sollen, denn die werden selbst bei strengster Hygiene nicht zu vermeiden sein.“ Wenn der Schulbetrieb jedes Mal wieder eingestellt werde, sobald sich ein Kind infiziert habe, „kann man den Neustart gleich sein lassen“, sagte Schneider der „Rheinischen Post“.

NRW-SPD für Abitur ohne Prüfungen

Die SPD im Düsseldorfer Landtag spricht sich dafür aus, die Abiturprüfungen in diesem Jahr wegen der Coronakrise ausfallen zu lassen. „Viele Leistungen werden schon vor den Abschlussprüfungen erbracht. Unter den aktuellen Umständen sehe ich in einem Abitur, das aus Vornoten ermittelt wird, keinen Makel“, sagte der SPD-Bildungspolitiker Jochen Ott dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochsausgabe).

„Ich würde freiwillige Prüfungen, bei denen sich Schüler verbessern können, für wünschenswert halten“, sagte der Politiker. Die Rechtssicherheit müsse durch das Schulministerium geprüft werden. Ott gibt zu bedenken, dass ein geregelter Schulbetrieb für die anderen Schüler kaum möglich wäre, wenn das Abitur wie geplant durchgeführt würde.

„Zieht man zehn bis zwanzig Prozent der Lehrer ab, die zu den Risikogruppen gehören, stellt sich sofort die Frage, ob die Verbleibenden die Durchführung von Prüfungen und die Beschulung aller anderen Kinder und Jugendlichen gleichzeitig ermöglichen können“, sagte Ott. Den Vorschlag, den Unterricht in den Schulen nur mit den Hauptfächern beginnen zu lassen, hält Ott für falsch: „Biologie, Chemie, Religion, Philosophie und Sozialwissenschaften sind doch jetzt spannende Themen. Zudem sollten Bewegung und Kreativität sollten in den zehn Wochen bis zu den Sommerferien in den Blick genommen werden“, sagte der SPD-Politiker.

Er wünsche sich „die Zeit und das Angebot zu einem Austausch zwischen Lehrern und Schülerin über das, was sie in der Krise erlebt“ hätten, so Ott. Den Vorschlag, die kleineren Kita-Kinder bis nach den Sommerferien nicht zurück in die Betreuung zu lassen, hält Ott für wenig zielführend: „Auch die Kita-Kinder brauchen andere Kinder und deren Eltern die Chance, wieder arbeiten zu gehen. Das deutsche Kinderhilfswerk weist daraufhin, wie wichtig gerade für die seelische Gesundheit aller Kinder ein kleines Stück zurück zur Normalität hin ist.“

Er hoffe, dass es in NRW „bessere Lösungen“ geben werde. (Quelle: dts)