CDU-Landrat gab den Corona-Hardliner – und besuchte verbotenes Privatkonzert

Der Schleizer Landrat Thomas Fügmann in besseren Zeiten (Foto:Imago/Bauerschmidt)

Manche sind tatsächlich gleicher als andere: Der CDU-Landrat des Saale-Orla-Kreises im thüringischen Schleiz, Thomas Fügmann, tat sich bislang als besonders kompromissloser Sheriff der Corona-Bestimmungen hervor, appellierte etwa vor Ostern energisch an die Bürger, über die Feiertage zuhause zu bleiben. Nun kommt heraus: Er selbst besuchte an Ostersonntag ein ungenehmigtes Privatkonzert.

24 Teilnehmer hatten sich auf dem Kirchengelände von Möschlitz bei Schleitz versammelt, um einem Posaunenkonzert (deklariert als „musikalische Andacht“) zu lauschen – unter Missachtung der Versammlungs- und Kontaktregeln. Normalerweise wäre der Live-Act, obwohl öffentlich, wohl völlig unbemerkt geblieben und niemand hätte sich – wie „Focus“ schreibt – „an der Darbietung im Grünen und der Anwesenheit des Landrats“ gestört. Doch dann rief jemand die Polizei – und die Lokalpresse. Gegenüber den Beamten erklärte Fügmann, er habe das Konzert nur „kontrollieren“ wollen. Die Polizei sah das völlig anders – und erstattete Strafanzeige gegen den Politiker. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft Gera.

Nachdem die „Ostthüringer Zeitung“ über den Fall berichtet hatte, kochte der Skandal in den sozialen Medien extrem hoch – nicht dies von ungefähr: ausgerechnet Fügmann hatte sich zuvor als einer der radikalsten Verfechter umfassender Corona-Regeln profiliert und unter anderem für seinen eigenen Landkreis eine komplette Ausgangssperre gefordert. Etliche Bürger schrieben sich ihren Zorn und Frust über die offensichtliche Heuchelei des Landrats von der Seele. „Sich hinstellen und behaupten, man sei ‚dienstlich‘ im Auftrag des Pandemiestabes dort, ist unsauber und schlichtweg gelogen“, lautete etwa einer der Kommentare.

Durchschaubare Lügen

Der CDU-Mann ging in die Offensive – und stellte sich gegen die Darstellung von Polizei und Lokalpresse, indem er bei seiner Schutzbehauptung blieb, er habe in quasi offizieller Mission, als „Vertreter des Pandemiestabs“, die Regeleinhaltung überwacht. Seltsamerweise hatte er diese Version vor Ort, als die Polizei in Möschlitz auftauchte, gegenüber den Beamten für sich behalten. Diese hätten sie ihm womöglich sogar abgekauft.

Doch Fügmann war erkennbar als Privatmann vor Ort, und war zudem in lässiger Zivilkleidung angetroffen worden. Diverse Augenzeugen stützten daher auch die Version der Polizei – und die monierte unter anderem auch, dass „Abstandsregelungen nicht eingehalten wurden.“ Wasser predigen, Wein trinken: Gerade in Zeiten des Ausnahmezustands reagiert das Wahlvolk auf solcherlei Doppelmoral besonders sensibel. Es sieht ganz so aus, als sei die politische Karriere dieses Landrats erledigt – tragbar ist er definitiv nicht mehr. (DM)