Trump streicht WHO die Gelder – Röttgen: Deutschland soll zahlen

Trump bei der Verkündung seiner WHO-Mittelstreichungsentscheidung (Foto:Imago/UPI)

Nachdem Donald Trump gestern ankündigte, der World Health Organization (WHO) die finanzielle Unterstützung in einer Größenordnung von 500 Millionen US-Dollar zu versagen und der Weltgesundheitsorganisation damit der größte Beitragszahler wegzubrechen droht, folgte die Reaktion des „Moral Empire“ Germany auf dem Fuße: Norbert Röttgen forderte prompt, die EU und damit vor allem Deutschland sollten gemeinsam mit Großbritannien für den Fehlbetrag aufkommen.

Der CDU-Mann und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses hat die Staaten der Europäischen Union und Großbritannien dazu aufgerufen, „vorübergehend“ die vom US-Präsidenten gestoppten WHO-Beiträge zu übernehmen. „Wenn man den Einfluss Chinas auf die WHO begrenzen will, ist der Entzug von Finanzmitteln kontraproduktiv“, so Röttgen gegenüber der „Süddeutschen Zeitung„. Dass Europa und die gerade aus der Union ausgeschiedenen Briten einspringen, sei sowohl wegen der Erfordernisse in der Krise als auch außenpolitisch geboten.

Mit gutem Beispiel vorangehen, Zeichen setzen, „Solidarität“ im Sinne alleiniger Lastenübernahme praktizieren: Dafür steht Merkel-Deutschland, das finanziell und humanitär für allen Unbill dieser Erde einstehen will. Die Bundesrepublik als mit weitem Abstand größter (und nach dem Brexit absehbar noch stärker belasteter) Netto-Beitragszahler der Gemeinschaft soll anscheinend alles schultern: Den EU-Beitrag der Briten, die Corona-Defizite Europas über Bonds einer krisenbedingt durchgepeitschten „Schulden-Union“ und jetzt auch die von Donald Trump verursachten Finanzierungslücken der WHO.

WHO in der Tat mehr als fragwürdig

Auch wenn Trump mit seiner Kritik an der UN-Gesundheitsbehörde vor allem vom eigenen Versagen abzulenken versucht: Die WHO hat in der Tat keinen guten Job mit ihren nach Salamitaktik betriebenen Warnungen, mit ihrem erst nach und nach erfolgten Eingeständnis der Gefährlichkeit des Virus gemacht. Dass Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus eine Mitschuld trägt, dass die Welt zu spät auf den Covid-19-Ausbruch reagiert hat, ist unstreitig.

Selbst Röttgen konzediert dies und gibt zu bedenken: „Kritik, die richtig ist, wird nicht dadurch falsch, dass Trump sie geäußert hat“. Dies müsse nach der Krise aufgearbeitet werden, zitiert ihn die „dts Nachrichtenagentur“. Wohl wahr – und zwar nicht, weil Trump auf Konfrontationskurs zur WHO gegangen ist, sondern weil sich die Welt im 21. Jahrhundert keine inkompetente, womöglich korrupte internationale Gesundheitsbürokratie leisten kann. (DM)