Klöckners Corona-Romantik: Supermarkt-Einkauf als „Erlebnis“, Urlaub auf dem Bauernhof

Klöckners Visionen: Luftiges Landleben und Lebensmittel für alle (Symbolbild:Imago/ZUMAWire)

Kopfschütteln über CDU-Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: Während sich die meisten Deutschen Sorgen über die Engpässe bei Nudeln, Mehl und Toilettenpapier machen (und sich fragen, ob die von der Ministerin als unbegründet ausgeschlossenen Sorgen um Lieferengpässe nicht vielleicht doch begründet sind), verklärt Klöckner die Krise und sorgt sich um „Konsumnationalismus“.

Darunter versteht die Ministerin, dass sich Deutschland als Konsequenz aus der Coronakrise künftig gegen Importe von Lebensmitteln abschotten könnte, um eine autarke Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Dem wolle sie entschieden entgegentreten: „Es ist gut, mehr Wert auf saisonales, heimisches Obst und Gemüse zu legen, ohne gleich zum Konsumnationalismus aufzurufen nach dem Motto: Jeder Import sollte verboten werden“, sagte Klöckner gestern der „Welt„. Dies würde Deutschland nur selber schaden.

Im- und Export von Lebensmitteln seien für Deutschland essentiell; ein Drittel der landwirtschaftlichen Produktion gehe in den Export, bei anderen Produkten sei man auf Importe angewiesen – „in Deutschland wachsen keine Bananen“. Deutschland habe bei Produkten wie Kartoffeln, Getreide, Schweinefleisch, Käse und Frischmilchprodukten eine Selbstversorgungsgrad von mehr als 100 Prozent.

Supermarktbesuch als „Erlebnis“

„Es kann aber nicht unser Ziel sein, das Angebot dahingehend zu reduzieren und auf Importe zu verzichten. Es war der europäischen Idee daher auch nicht zuträglich, dass einige Länder die Grenzen ohne Absprache geschlossen haben und sich Lastwagen mit zum Teil verderblichen Lebensmitteln vor den Grenzübergängen stauten“, so die Agrarministerin laut „dts Nachrichtenagentur“.

Als Großmeisterin des Zweckoptimismus versucht Klöckner trotz verbreiteter Untergangsstimmung wegen der unabsehbaren Folgen des Lockdowns, irgendwie gute Laune zu verbreiten – und verkündet eine „durchaus positive Entwicklung“ infolge der aktuellen Krise: „Durch die Coronakrise ist das gesellschaftliche Leben und sind die sozialen Kontakte erheblich eingeschränkt. Da wird der Einkauf im Supermarkt zu einem „besonderen Erlebnis“ und gewinnt der heimische Esstisch enorm an Bedeutung“, sagte Klöckner.

Millionen Malle-Touristen auf Bullerbü?

Auch nehme das Interesse der Verbraucher am Kochen und an den verwendeten Rohstoffen zu. Das sei „Ausdruck einer gewachsenen Wertschätzung“ für Lebensmittel. Wirklich? Tatsächlich sind die Bürger vermutlich froh, dass die Versorgung überhaupt noch gewährleistet ist – trotz sichtlicher Lieferengpässe bei vielen Artikeln, was nicht nur mit Hamsterkäufen zu tun hat.

Wie ein Verzweiflungsappell mutet Klöckners Anregung an, doch einmal „etwas für die Bauern in Deutschland“ zu tun. Wer dies wolle, könne zum Beispiel Urlaub auf dem Bauernhof machen: „In einer Wohnung auf dem Land können sich die Gäste mit dem nötigen Abstand selbst versorgen wie zuhause auch, aber mit Tapetenwechsel – und zugleich einen Beitrag leisten, um unsere Bauern zu unterstützen.“ Die Landwirte freuen sich bestimmt,  wenn künftig Millionen verhinderte Malle-Urlauber als Binnentouristen ihre Gehöfte belagern.. (DM)