Der Sommerurlaub steht auf der Kippe

Foto: Umgekippter Strandkorb (über dts Nachrichtenagentur)

Zu einem Lockdown nach deutscher Art gehört neben dem Stubenarrest natürlich auch der Entzug von Freude und Erholung. Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern zeigen sich in diesen Tagen als ganz besonders „nationalistisch“, besser fremdenfeindlich und sperren die Touristen aus – so lange es eben noch geht.

Auch nach der ersten Lockerung werden die Strände leerbleiben.

Urlaubsreisen und Tagesausflüge nach Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel bleiben natürlich weiterhin untersagt, damit auch die Vermietung von Hotelzimmern, Ferienwohnungen oder Zeltplätzen. Auswärtige Besitzer von Ferienhäusern dürfen diese auch selbst nicht nutzen. Restaurants, Bars und Gaststätten müssen bis auf Weiteres geschlossen bleiben.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) glaubt dagegen noch an eine Urlaubssaison – wenn auch ohne einen festen Zeitpunkt zu nennen. „Wir haben ja jetzt den Testlauf im Einzelhandel, ob das vernünftig funktioniert. Aber mein Glaube ist schon daran, dass so viel Disziplin da ist, dass man auch im Restaurant, in den Gaststätten sich an die Regeln hält und es dann auch möglich ist, den Tourismus wieder hochzufahren, so dass ich das Sommergeschäft auf jeden Fall nicht abgeschrieben habe“, sagte Günther am Sonntag im „Bericht aus Berlin“.

Gerade wenn es um Öffnungen gehe, ab den Monaten Mai und Juni, stelle man sich eher auf Urlauber aus der näheren Umgebung ein. Schleswig-Holstein habe bereits eine Reihenfolge festgelegt: „Wir beginnen bei uns mit den Zweitwohnungen, die im Moment nicht betreten werden dürfen, dann kommen die privaten Vermietungen, dann die Hotels dran. Das sind alles Dinge, die man auch zahlenmäßig gut erfassen kann“, so der CDU-Politiker.

Das heißt dann wohl, dass Touristen aus Hamburg zum Beispiel noch lange nicht das Bundesland betreten dürfen. Und das werden sich die Großstädter mit Sicherheit merken und entsprechend wütend sein.

In einem letzten Schritt werde es dann allerdings möglich sein, wieder Tagestouristen zuzulassen, so der Ministerpräsident. „Das ist einfach eine Größenordnung, die sich, wie Sie sagen, überhaupt nicht kontrollieren lässt, wenn das Wetter schön wird, kommen die halt einfach. Das wird unglaublich schwierig und deswegen kann das erst der letzte Schritt sein.“

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

Todesfallzahlen steigen langsamer – Intensivbetten werden frei

Die jüngsten Daten deuten auf eine weitere Entspannung in der Coronakrise hin. Bis Sonntagabend, 20 Uhr, starben in Deutschland binnen 24 Stunden 146 Menschen mit einer Coronavirus-Infektion, der niedrigste Wert seit 16 Tagen. Relativ stieg die Zahl der Todesopfer um 3,2 Prozent, das ist der niedrigste Wert, seitdem in Deutschland die ersten Corona-Infizierten starben.

In den Krankenhäusern sind in den letzten 60 Stunden 2.724 Patienten wegen Covid-19 auf einer Intensivstation behandelt worden, der Wert sank gegenüber dem Vortag um 3,6 Prozent. Über 28.000 Intensivbetten könnten derzeit kurzfristig bereitgestellt werden. Eine verlässliche Auswertung der Krankenhausbetten ist erst seit dieser Woche möglich, nachdem eine Meldepflicht in Kraft trat.

Laut Abfrage bei den Landesministerien, Städten und Landkreisen waren bis Sonntagabend 145.858 Personen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet, 1,5 Prozent mehr als am Vortag. Über 99.000 Menschen sind laut unabhängiger Hochrechnung allerdings bereits wieder genesen, die Zahl der aktiven Infektionen mit Nachweis sank demnach binnen 24 Stunden bis Sonntagabend um 3,9 Prozent auf 42.000 Personen. In Mecklenburg-Vorpommern, das von Anfang an auch bezogen auf die Infektionsdichte am wenigsten betroffen war, dürften mittlerweile nur noch rund 100 Personen eine Corona-Infektion ausbrüten, sieben Menschen liegen dort wegen Covid-19 auf einer Intensivstation.

Luftfahrtbranche plädiert für Maskenpflicht an Bord

Die deutsche Luftfahrtbranche will Passagiere für das Wiederanlaufen des Flugbetriebs zum Tragen von Schutzmasken bringen. „Beim Boarding, im Flugzeug für die Dauer des Fluges und beim Aussteigen darauf achten, dass jeder Fluggast eine Schutzmaske trägt“, lautet einer von mehr als 20 Punkten in einem Konzeptpapier, welches unter den Führungen deutscher Fluggesellschaften und Flughäfen abgestimmt ist und über das die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe) berichtet. „Es besteht eine entsprechende Verpflichtung des Passagiers, eine Schutzmaske mitzuführen und aufzusetzen“, heißt ein Regelungsvorschlag, der europäisch abgestimmt werden solle.

Sondermaßnahmen „im Interesse des Gesundheitsschutzes für eine zu definierende Wiederaufnahmephase“ könnten „zunächst für einen Zeitraum von sechs Wochen“ festgelegt werden. Die Änderungen sollen schon greifen, bevor Reisende den Flughafen erreichen. So sollen Passagiere beim Online-Check-in ihre Gesundheit bestätigen, insbesondere dass sie nicht mit dem Coronavirus infiziert sind.

Damit Abstände eingehalten werden, setzt die Branche auf mehr Durchsagen, Markierungen, mehr offene Schalter sowie ein zeitliches Strecken von Ein- und Ausstieg. „Wo möglich und zielführend“ solle ein „Temperaturscreening“, ein Fiebermessen mittels spezieller Sonden, erfolgen. Die Idee, Mittelsitze in Dreierreihen im Flugzeug freizulassen, was jüngst Easyjet-Chef Johan Lundgren angedacht hatte, ist hingegen nicht in dem vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog enthalten.

Post hat Bedenken gegen Masken für alle Zusteller

Die Deutsche Post hat Bedenken gegen eine flächendeckende Ausstattung der Brief- und Paketzusteller in Deutschland mit Atemschutzmasken. „Bei einer Ausstattung aller Beschäftigten in Deutschland mit Masken rechnen wir mit einem Bedarf von einer Million Stück pro Woche“, sagte der für das Bundesgebiet zuständige Betriebschef der Deutschen Post, Thomas Schneider, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (Montagsausgabe). „Wir sehen eine flächendeckende Ausstattung unserer Zusteller mit FFP2-Masken kritisch, da zu erwarten ist, dass diese Masken dann in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen fehlen würden.“

Das Unternehmen habe etwa 80.000 Brief- und 50.000 Paketzusteller. „Alle Beschäftigten mit Mundschutz auszustatten, wäre eine enorme Herausforderung, der wir uns aber stellen“, sagte Schneider. Die Post beobachte die aktuelle Empfehlungslage des Robert-Koch-Instituts sowie die aktuellen Anweisungen der Behörden sehr genau. (Quelle: dts)