Maskenballaballa: Sinn und Unsinn des neuen Vermummungsgebots

Foto: Von Elena Dijour/Shutterstock

Man hatte es kommen sehen: Ab kommenden Montag gilt nun faktisch bundesweit im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften eine Maskenpflicht. Nachdem sich die Bundesländer in einem gegenseitigen Wettlauf vollzählig zur Einführung der Maßnahme durchgerungen haben, verbleiben dennoch begründete Zweifel und eine hohe Verunsicherung in der Bevölkerung – sowohl was den tatsächlichen gesundheitlichen Nutzen als auch die Verfügbarkeit anlangt. Auch von medizinischer und wissenschaftlicher Seite wird der Sinn der Masken teilweise bestritten. Dass ihr Tragen nun zwangsweise durchgesetzt wird, ist vor allem Ausdruck eines politischen Aktionismus. 

Wenn im Deutschland die Wahl zwischen Zwang und Freiwilligkeit besteht, läuft es mit Sicherheit auf Zwang hinaus. Entsprechend dem Selbstverständnis der Regierenden, bei den Alltagsbeschränkungen durch Corona handele es sich um die neue Normalität, folgt die Einführung des Maskenzwangs der Devise „Zuckerbrot und Peitsche“: Umsonst gibt es im Staate Merkel nichts zu haben; dafür, dass der Bevölkerung seit Anfang der Woche leichte Lockerungen gewährt wurden, müssen an anderer Stelle prompt die Zügel angezogen werden. Da die Überwachungs-App noch nicht verfügbar ist, welche potentielle Kontakte mit Infizierten tracken und anzeigen soll, blieb als zu erbringendes Aktivopfer nur noch das obligatorische Maskentragen.

Der Grundgedanke dahinter ist zwar bestechend einfach und leuchtet inzwischen sogar jenen ein, die bislang stets das Argument des nicht vorhandenen Passivschutzes anführten: Auch wenn die Bedeckung von Mund und Nase nur den anderen schützt und nicht den Träger selbst, so ist dennoch jeder geschützt, wenn wirklich alle Maske tragen. Doch so einfach ist es nicht.

Gute Gründe gegen den Maskenzwang

Tatsächlich gibt es nach wie vor etliche gute Gründe, die gegen eine allgemeine Maskenpflicht sprechen. Bekannt ist die Einschätzung der WHO, die sich noch Ende März gegen das Tragen von Masken aussprach: Gegen die Ausbreitung des Coronavirus sei „kein Nutzen im allgemeinen Mundschutztragen“ zu erkennen, sagte damals der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan. Dieselbe Einschätzung teilte bis Anfang April auch das Robert-Koch-Institut, bis es dann in einer seiner berüchtigten 180-Grad-Kehrtwenden das Gegenteil propagierte.

Was allerdings damals noch richtig war, kann drei Wochen später nicht plötzlich falsch sein; und auch wenn sich die öffentliche Meinung zugunsten des Maskentragens gedreht hat und inzwischen das Selbstnähen und -basteln als eine Art neuer Volkssport gehypt wird: Gerade bei nichtmedizinischen, provisorischen Masken ergeben sich aus der vorgeschriebenen Massenanwendung diverse Probleme. Deshalb kritisiert heute auch Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery die bundesweite Maskenpflicht.

Wer eine Maske trage, wähne sich sicher, vergesse jedoch den „allein entscheidenden Mindestabstand“. Bei unsachgemäßem Gebrauch könnten Masken sogar gefährlich werden – denn im Stoff konzentrieren sich die Erreger (auch das Virus); fast zwangsläufig berührt der Träger beim Abnehmen die Gesichtshaut. Dies sei erst recht Einfallstor für Infektionen, so sagte Montgomery. Deshalb seien Tücher oder Schals seiner Meinung nach „lächerlich“. Wie „Focus“ berichtete, sind zudem auch nicht nur selbstgebastelte, sondern auch im Internet angebotene Behelfsmasken oftmals überhaupt nicht wirksam.

Fatal für die sensiblen Gesundheitseinrichtungen

Wenn eine gesetzliche Maskenpflicht Sinn macht, so müsste sie wenigstens für echte medizinische Schutzmasken gelten – und dann müssten Geschäfte und Verkehrsmittel ihren Kunden bzw. Passagieren solche aushändigen, wie dies beispielsweise in Österreich der Fall ist. Viele deutsche Verkehrsbetreiber denken nicht daran, sich hierum zu kümmern – und dafür sind auch nicht annähernd genügend Masken verfügbar.

Im Gegenteil: Dank der gesetzlichen Vorschrift wird ab sofort erst recht ein extremer Run auf die ohnehin knappen Ressourcen an OP-Einwegmasken und vergleichbaren Produkten einsetzen, gegen den sich das Klopapier-Hamstern geradezu harmlos ausnehmen dürfte. Als Folge davon fehlen die professionellen Masken genau dort, wo sie eigentlich und primär wirklich gebracht werden: In Kliniken, Pflege- und Altenheimen oder Arztpraxen. Und die Engpässe sind bereits jetzt, fünf Tage vor Inkrafttreten der neuen Pflicht, mehr als gravierend, wie „ZDF heute“ gestern dokumentierte; wie bei Hygieneartikeln kommt die Produktion kaum nach.

Hinzu kommen viele weitere Probleme rund um die Masken: Wie oft können Einwegmasken getragen werden, wenn man sie nach Gebrauch in die Sonne hängt, desinfiziert, in den Backofen legt oder bügelt? Wie oft müssen Textilmasken gewaschen werden und wie heiß? Ergeben sich für Brillenträger Probleme, wenn die nach oben ausgeatmete Luft die Gläser beschlägt? Wie verhält es sich mit den Ergebnissen einer Doktorarbeit der TU München aus dem Jahr 2005, wonach Atemschutzmasken die CO2-Konzentration der Atemluft anreichern, was Konzentrationsschwächen und sogar Kreislaufprobleme zur Folge haben kann? Was ist mit Hörgeschädigten, die wegen der Maskenpflicht in Geschäften nicht mehr kommunizieren können, weil Gebärdensprache unmöglich wird? Wieso werden Bußgelder erhoben, wenn Autofahrer nach dem Einkaufsbummel versehentlich die Maske am Steuer anbehalten?

Typische deutsche Schnellschüsse

Es ist wieder ein typisch deutscher Schnellschuss – gut gemeint, aber nicht durchdacht. Auch von Seiten der Opposition kommt daher Kritik an der neuen Regelung. So befürwortet etwa Martin Vincentz, Allgemeinmediziner und gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im mecklenburg-vorpommerschen Landtag, grundsätzlich das Tragen von Schutzmasken, weil sich – unter der Bedingung, dass auch die Regeln von Hygiene und des social distance eingehalten werden – durchaus das Übertragungsrisiko reduziert und insbesondere die aktive Übertragung eingedämmt wird. Er gibt jedoch zu ebenfalls zu bedenken, dass „bei Verwendung insuffizienter Masken eine trügerische Sicherheit entstehen und dadurch sogar der gegenteilige Effekt bewirkt werden kann“.

Auch der sozialpolitische Sprecher der AfD, Volker Richter, übte harsche Kritik – vor allem, weil den Bürgern die Beschaffung der zu tragenden Schutzartikel selbst überlassen werde: „Wenn Ordnungshüter ab Montag, dem 27.04.2020 damit beginnen, den Menschen 50 Euro abzunehmen, weil sie keinen Stofffetzen vor Mund und Nase tragen, dann ist das pure Willkür und völliges Versagen der Politik, da diese es versäumt hat, den Menschen Atemschutzmasken zur Verfügung zu stellen“. Es handele sich um „politischer Aktionismus ohne klare Strategien“, die zu Unverständnis und auch Widerstand in der Bevölkerung führen würden – und beides konterkariere die aktuell notwendigen Maßnahmen. „Den Menschen muss klar sein, dass ein Kleidungsstück vor Mund und Nase sehr wenig vor der Verbreitung eines Virus schützt und somit ihr Verhalten auch entsprechend angepasst sein muss“, so Richter.

Auch die Grünen fanden drastische Worte der Ablehnung: Wie die „dts Nachrichtenagentur“ berichtet, äußerte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Maria Klein-Schmeink, heute ablehnend zur künftigen bundesweiten Maskenpflicht. „Als Gesundheitspolitikerin macht mir eine bundesweite Maskenpflicht zum derzeitigen Zeitpunkt Sorgen. Denn noch sind wir in einer Situation, in der wesentliche Bereiche des Gesundheitswesens noch schlecht versorgt sind mit Schutzmaterial“. sagte Klein-Schmeink der „Rheinischen Post
Es sei nicht sichergestellt, dass einfache OP-Masken und auch medizinische Masken in ausreichender Zahl für kritische Bereiche vorhanden seien, so die Grünen-Politikerin weiter. Sie verwies darauf, dass dies nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erst ab August der Fall sei. Ein Gebot, Alltagsmasken aus Textil im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und anderen stark frequentierten Bereichen zu nutzen, halte sie für nützlich.

Opposition zeigt sich kritisch – von Grünen bis zur AfD

Das bedeute aber auch, dass diese zugänglich sein müssten. Auch die Grüne sieht in den von der Politik billigend in Kauf genommenen Engpässen bei der Maskenversorgung die Hauptcrux der Bestimmung: Wenn jetzt ÖPNV, Märkte, Großunternehmen und private Nachfrager sie verstärkt nachfragten, „guckt der ambulante Pflegedienst in die Röhre“, so die Gesundheitsexpertin.

Paradoxerweise hatten ausgerechnet Kanzlerin Merkel selbst und ihr Kanzleramtschef Helge Braun (beide CDU) bis zuletzt einer Maskenpflicht skeptisch gegenübergestanden – doch nachdem einzelne Länder wie Bayern und Sachsen vorpreschten, entwickelte sich selbst eine Eigendynamik. Die Bundesregierung hatte vergebens darauf hingewiesen, dass freiwilliges Tragen sinnvoll, ein gesetzlicher Zwang jedoch fragwürdig sei, weil – so Braun – die Masken „null Einfluss auf das Infektionsgeschehen“ hätten, wie „Bild“ berichtete; Anfang April hatte er gar vor Masken „Marke Eigenbau“ gewarnt. Manuela Schwesig hatte sich hierüber irritiert gezeigt und erklärt, sie verstehe „die Skepsis im Kanzleramt“ nicht. Der Mundschutz sei „eine kleine Einschränkung für mehr Freiheit“, so die SPD-Politikerin.

Schon an dieser Zerstrittenheit der Politik zeichnet sich ab, dass die Maskenpflicht in erster Linie eine Art Übersprunghandlung darstellt, mit der dem Volk eine planvolle Agenda in der Bewältigung der Pandemie suggeriert werden soll; in Wahrheit fehlt jede Strategie. Anscheinend richten sich nicht nur die Berliner Groko, sondern auch immer mehr Landesregierungen bequem im „Lockdown light“ ein – und wollen die Bevölkerung schrittweise an ein womöglich bis 2022 (oder zumindest bis zur Bundestagswahl Ende 2021) andauernden Ausnahmezustand einstimmen. Die Masken geraten zur stoffgewordenen, greif- und atembaren täglichen Konfrontation mit der neuen Unfreiheit, an die wir uns gewöhnen sollen. (DM)

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Masken; Foto: © jouwatch Collage

Wir empfehlen an dieser Stelle auch den hervorragenden Artikel „Die Gehorsams-Probe“ auf Rubikon. Der Autor Roland Rottenfußer erklärt uns genau, warum das Maskentragen der Bürger für die Regierenden so wichtig ist: So kann man auf dem ersten Blick die „Braven“ von den „Aufmüpfigen“ unterscheiden.