Nach Zwangs-Quarantäne: Chinesischer Journalist wieder aufgetaucht

Einer von drei chinesischen Journalisten, die seit Wochen als verschwunden gelten, ist wieder aufgetaucht. Er sei von der Polizei verhaftet und in Quarantäne gezwungen worden, nachdem er Videos aus Wuhan über die Corona-Situation veröffentlicht hatte, so der Journalist.

Li Zehua ist einer von drei Journalisten, die auf dem Höhepunkt des Corona-Ausbruchs aus dem Epizentrum Wuhan berichtet hatten und die seitdem spurlos verschwunden sind.

Sein letztes Lebenszeichen stammte vom 26. Februar. In einem Video, das auf YouTube, Weibo und Twitter gepostet wurde, konnten die Zuschauer u.a. sehen, wie er im Wuchang-Viertel von Wuhan von einem weißen SUV verfolgt wurde. Am Ende betraten Zivilpolizisten sein Appartement. Seitdem war der junge Mann von der Bildfläche verschwunden.

Jetzt wandte er sich an die Öffentlichkeit und schilderte die Ereignisse. Nachdem er in seine Wohnung zurückgekehrt war, hätte er uniformierte Polizisten und Mitarbeiter in Schutzanzügen an die Türen seiner Nachbarn klopfen sehen. Li machte das Licht aus und saß stundenlang still vor seinem Computer und wartete. Drei Stunden später klopfte es an seiner Tür, berichtet The Guardian.

Mindestens drei Männer hätten seine Wohnung betreten und sich als staatliche Sicherheitsbeamte identifiziert. Li wurde von ihnen zur örtlichen Polizeistation gebracht, wo ihm mitgeteilt wurde, dass gegen ihn wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“ ermittelt werde.

Später hieß es, er würde nicht weiter beschuldigt, doch weil er „sensible Epidemiegebiete“ besucht habe, müsste er unter Quarantäne gestellt werden.

Li, der seine Geräte einem Freund übergeben musste, verbrachte den nächsten Monat in Quarantäne in Wuhan und dann in seiner Heimatstadt in einer anderen Provinz. Er erhielt drei Mahlzeiten am Tag, wurde von Sicherheitspersonal überwacht und konnte die abendliche Nachrichtensendung des staatlichen Fernsehsenders CCTV verfolgen.

screenshot Twitter

„Während der gesamten Zeit hat die Polizei zivil und legal gehandelt und dafür gesorgt, dass ich Ruhe und Essen hatte. Sie haben sich wirklich um mich gekümmert “, erklärte er nun. Er sei am 28. März freigelassen worden und habe die Zeit erst einmal mit seiner Familie verbracht. Er wünschte denjenigen, die während der Epidemie litten, eine schnelle Genesung. „Möge Gott China segnen und die Menschen auf der Welt vereinen.“

Die Angaben und Kommentare Lis nach seiner Freilassung würden sich nun „neutral und patriotisch“ anhören, findet The Guardian, und sich deutlich von seinen vorherigen Videos unterscheiden. Li, der für den staatlichen Sender CCTV gearbeitet hatte, reiste nach Wuhan, um über die Krise zu berichten, nachdem ein anderer Bürgerjournalist und Aktivist, Chen Qiushi, verschwunden war.

In seinen Videos berichtete er über die Bemühungen eines örtlichen Nachbarschaftskomitees, neue Infektionen zu vertuschen, und interviewte kranke Bewohner. Er besuchte ein Krematorium, in dem ein Arbeiter sagte, den Menschen würde mehr für den Transport von Leichen bezahlt.

Zu der Zeit sagte Li: „Ich möchte nicht schweigen oder meine Augen und Ohren schließen. Es ist nicht so, dass ich mit Frau und Kindern kein schönes Leben führen kann. Ich kann. Ich mache das, weil ich hoffe, dass mehr junge Leute wie ich aufstehen können.“

Sein Video vom Mittwoch schloss er mit einer Zeile aus einem konfuzianischen Text, in der es darum ging, seinen Überzeugungen treu zu bleiben. „Das menschliche Herz ist unberechenbar, unruhig. Seine Neigung zu dem, was richtig ist, ist gering. Sei kritisch, sei beständig, damit du an etwas festhalten kannst “, so der chinesische Journalist. (MS)