Von wegen „erste Welle“: Auch in Hessen keine Übersterblichkeit durch Corona

Symbolbild:Imago/IndependentPhotoAgency

Immer verwirrendere Zahlen begleiten die Corona-Pandemie und vor allem die mit ihr begründeten massiven Beschneidungen von Grundrechten. Aus mehreren europäischen Ländern war bereits bekannt, dass eine Übersterblichkeit durch Covid-19 statistisch bislang nicht nachweisbar ist; nun liegen ähnliche Zahlen für Hessen vor – und siehe da: auch hier führt der Infektionsausbruch bislang zu keiner erhöhten Gesamtsterberate.

Wie die „Hessenschau“ berichtet, lag die Zahl der Verstorbenen in diesem Jahr im Gegenteil sogar geringfügig unter der des langjährigen Durchschnitts. Eine Information, die normalerweise sofort eine Hinterfragung der Mortalität und tatsächlichen Gefährlichkeit des Virus nach sich ziehen müsste – doch stattdessen feiern Experten einen „Kollateralnutzen“ des Shutdowns.

Eine bizarre Deutung, die im Klartext wohl soviel bedeuten soll wie: Das Virus ist zwar effektiv nicht annähernd so tödlich wie beschworen – doch die harten Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die Kontaktsperren, die Kernschmelze der gesamten Wirtschaft haben trotzdem ihr Gutes, weil dadurch weniger Menschen sterben.

Erstaunlich niedrige Strebezahlen

Statt des statistischen Erwartungswertes von 160 bis 200 Toten pro Tag waren es seit Mitte März gemittelt nur etwa 160 bis 170 Menschen, die in Hessen pro Tag starben –  was „vergleichsweise wenig“ sei, so Helmut Uphoff vom Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen (HLPUG) in Dillenburg laut dem Sender. Seine Behörde ist für die Auswertung der Sterbezahlen aller hessischen Kommunen zuständig.

Erstaunlich dabei sei, dass Grippe- und Hitzewellen der Vergangenheit die Sterbezahlen eigentlich stets deutlich in die Höhe trieben; Corona hingegen hinterlasse bislang in der Sterbekurve so gut wie überhaupt keine Signatur. Hingegen führte die drei Monate anhaltende Influenza-Saison 2018/19 zu einer massiven Übersterblichkeit von 1.000 Toten; im Jahr davor, bei der letzten größeren Grippeepidemie, waren es sogar 2.400 Tote über dem Erwartungswert.

246 Menschen starben bis Montag dieser Woche offiziell bislang in Hessen. So tragisch jeder einzelne Fall ist: Es ist bemerkenswert, dass sogar in den als Risikogruppen geltenden höheren Altersperzentilen kein Anstieg der Sterbezahlen feststellbar ist. Als Grund dafür nehmen die Experten nun an, dass „weit weniger Menschen aus anderen Gründen“ gestorben sein müssen als normal – was seinerseits eine Folge des Lockdowns ist.

Statt Apokalypse allgemeine Entspannung

Laut „hessenschau“ vermutet Uphoff, dass die Kontaktsperren und das Abstandhalten „nicht nur das Coronavirus, sondern auch andere Erreger gebremst haben“. Man könnte auch sagen: Wer an Covid-19 starb, erlag dafür nicht Influenza-, Noro- oder RS-Viren. Zudem berichten niedergelassene Praxisärzte, dass sie 2020 bislang weitaus weniger Patienten mit Atemproblemen stationär einweisen mussten als in den Vorjahren – was ebenfalls eine günstige Folge des Shutdown sei; Mediziner sprechen vom „Kollateralnutzen“ der Coronakrise.

Allerdings war der historisch beispiellose Lockdown mit seinen noch überhaupt nicht absehbaren Langzeitfolgen nicht dafür gedacht, sonstige Krankheiten und potentielle Todesursachen einzudämmen – sondern um die Corona-Pandemie mit einer hohen Zahl an schweren Atemwegserkrankungen in Schach zu halten. Sollte sich jetzt herausstellen, dass deren Mortalität viel niedriger ist und die extremen Gegenmaßnahmen unverhältnismäßig sind, muss der Shutdown beendet werden – und ihm nicht nachträglich ein anderer positiver Sinn zugeschrieben werden. (DM)