Hirnschäden und Demenz durch Covid-19? Karl Lauterbach gibt den Weltuntergangspropheten

Karl Lauterbach (Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 / siehe Link)
Karl Lauterbach (Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 / siehe Link)

Mit Anlauf und zwei Füßen springt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf jede geeignete Meldung auf, die die Gefährlichkeit von Sars-CoV2 und die möglichen medizinischen Langzeitfolgen von Covid-19 in tunlichst drastischsten Farben ausmalt. Zuletzt ging es um angebliche neurologische Schäden infolge des Virus.

In seinem Tweet von Freitag griff der schräge Fliegenträger, der nicht nur in Social-Media-Kreisen als „verrückter Professor“ der Sozialdemokratie gilt, eine Veröffentlichung des „Spiegel“ auf, der über extreme Spätfolgen wie Schlaganfälle, Kopfschmerzen und sogar Atemlähmungen bei schweren Verlaufsformen von Covid-19 berichtet hatte. Auch wenn überhaupt noch nicht klar ist, wie selten diese Symptome auftreten und ob sie wirklich mit Corona ursächlich zusammenhängen: Dies ist natürlich Wasser auf die Mühlen Lauterbachs, der seit Wochen nicht müde wird, beim Infektionsgeschehen den Teufel an die Wand zu malen.

Screenshot:Twitter

„Neurologische Schäden“, „Hirnleistung dauerhaft eingeschränkt“, „vorzeitige Demenz“: Eingedenk der bisherigen „Highlights“ unter seinen Tweets fühlt sich der eine oder andere hier womöglich an Lauterbach selbst erinnert: Fast scheint es so, als habe er sich hier selbst diagnostiziert. War er womöglich der erste Corona-Patient – mit den vom „Spiegel“ beschriebenen Auswirkungen?

Worst-Case-Szenarien beschwor Lauterbach schon zu Anfang der Pandemie, als Folge der zu spät und zu zögerlich begonnenen Lockdown-Maßnahmen; mit Glück könnte das Gesundheitssystem trotz der Beschränkungen gerade so die Krise bewältigen. Jetzt, nachdem die „erste Welle“ praktisch ausblieb, Deutschland mehr als glimpflich davonkam und das Gesundheitssystem zu keinem Zeitpunkt an seine Grenzen gekommen war, beschreit Lauterbach wieder den Worst-Case: diesmal als Folge der seiner Ansicht nach zu früh erfolgten Lockerungen. Für Kopfschütteln hatte der Politiker diese Woche bei „Markus Lanz“ im ZDF gesorgt, als er über eine Aufrechterhaltung der harten Beschränkungen bis 2022 faselte und die moderate Rückkehr zur Normalität als Fehler bezeichnete.

Wer sich so festlegt, der klammert sich natürlich begierig an jede neue Studie, die den permanenten Katastrophenalarm zu rechtfertigen scheint – und dazu gehören auch die fast täglich neuen Erkenntnisse zu Virus und Erkrankung, auch wenn diese nur extrem selten auftretende Einzelverläufe betreffen. Die öffentliche Risikowahrnehmung wird so verzerrt, es wird eine massive Verunsicherung erzeugt, um die Panik aufrechtzuerhalten – und damit auch die Bereitschaft der Bevölkerung zur unbefristeten Erduldung einer surrealen Gesamtsituation. Lauterbach hat sich an die Spitze der Alarmisten gesetzt. (DM)