Volle Mattscheibe: Niedersachsens Verfassungsschutz-Chef verwechselt Tatort-Plot mit Realität

Hannover – Zwischen Märchen und Wirklichkeit, Fakt und Fiktion unterscheiden zu können, sollte für die Aufnahme in den Staatsdienst als Basiskompetenz angenommen werden. Anscheinend gilt diese triviale Anforderung nicht für die Präsidenten deutscher Verfassungsschutzämter, wie das Beispiel des niedersächsischen Behördenchefs zeigt…

Bernhard Witthaut, Präsidenten des Landesamtes für Verfassungsschutz in Hannover, ließ seine Follower in einem aufschlussreichen Tweet von Montag freimütig teilhaben an seiner Begeisterung über den aktuellen ARD-Tatort vom Vorabend, in dem unter dem Titel „National feminin“ Framing und Volkserziehung vom Feinsten feilgeboten worden waren – inclusive Verbrechen im rechtsnationalen Milieu, völkische Aktivisten als erkennbare Abziehbilder von „Identitärer Bewegung“ oder AfD.

Screenshot:Twitter

Ganz offensichtlich – der Tweet lässt keinen Zweifel daran – hat Witthaut angenommen, der „Tatort“ sei keine erfundene Geschichte, sondern eine Art Reality-TV oder gar Dokumentation realer Verhältnisse. Ob einer, der zwischen (von politisch-ideologischer Voreingenommenheit nur so strotzendem) Drehbuch und Wirklichkeit nicht unterscheiden kann, als Hüter der Grundordnung und Verfassung der richtige Mann ist -dies erscheint doch sehr zweifelhaft.

Selbst wenn – auch wenn es von der Artikulation nicht kenntlich wird – Witthaut mit seiner Einlassung nur zum Ausdruck bringen wollte, dass die Tatort-Folge reale Verhältnisse widerspiegele, muss man sich fragen, ob der Mann noch alle Akten im Schrank hat: Seit wann ist der (im Tatort klar als solcher erkennbare) IB-Chef Martin Sellner ein Mörder? Wo ist die immer behauptete, jedoch nie nachgewiesene funktionelle Schnittstelle zwischen AfD und militantem Neonazismus? Und wann ist in Deutschland bisher eine Frau als rechtsextreme Täterin in Erscheinung getreten (nicht einmal bei Beate Zschäpe gelang dieser Beweis)?

Auf Twitter sorgte Witthauts Eintrag schnell für Spott und Häme; zu den freundlicheren Einträgen gehörte unter anderem der Kommentar der Hamburger Publizistin und Bürgerrechtsaktivistin Ute Ogilvie, die rhetorisch fragte: „Guter Mann, ist Ihnen der Unterschied zwischen Fiktion und Realität nicht bekannt? Falls dem so ist, wie kann es sein, dass Sie Präsident des Verfassungsschutzes Niedersachsen werden konnten?“ (DM)