Vermummung als Mundschutz? „Corona-konforme“ Mai-Randale in Berlin

Linksradikale tragen schon seit Jahren "Corona-Schutzkleidung" (Foto:Imago/Wagner)

Berlin – Es las sich wie eine Satire, war aber tatsächlich ernstgemeint: Die üblichen Gewaltorgien linksextremer Chaoten und gewaltbereiter autonomer Gruppen zum 1. Mai Proteste sollen auch in diesem Jahr stattfinden – doch die Veranstalter, die sonst Polizei und Rechtsstaat herausfordern und Gesetz sowie öffentliche Ordnung mit Füßen treten, sichern zu, sich an die Corona-Regeln halten zu wollen.

Dass die Versammlungen aufgrund der geltenden Demonstrationsbeschränkungen derzeit generell verboten sind, schert die linken Gruppen wenig: Sie wollen und werden am 1. Mai in Berlin auf die Straße gehen. Die linksradikale Internetseite „Indymedia“ veröffentlichte Einladungen zu „dezentralen Protestaktionen“ im Kreuzberger Kiez „SO 36“ an. Bizarr: Die Teilnehmer der „Kundgebungen“ wollen sich der Erklärung linker Organisatoren zufolge an die Corona-Regeln – „Abstand und Mundschutz“ halten.

Letzteres dürfte den Hobbyrevoluzzern nicht schwer fallen… lässt sich die (an sich gesetzeswidrige) Vermummung doch bequem als Mund- oder Gesichtsschutz deklarieren. Auch was die Social-Distancing-Bestimmungen anlangt, versprechen die Programmmacher der vor allem in Kreuzberg schon fast „traditionellen“ Aufmärsche, diese würden eingehalten. „Haltet dabei den Mindestabstand ein und vermummt euch mit Schals oder Masken“, heißt es auf „indymedia“ unter anderem.

Wie soll dies funktionieren: Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den „Demonstranten“ – und auch gegenüber Polizisten, den verhassten „Bullenschweinen“? Setzt man hier etwa gleich auf taktische Fernwaffen, oder auf eine Dachlattenlänge Abstand? Alle sonstigen Ansagen für den Maifeiertag klingen nämlich gar nicht friedlich: Wie die „Berliner Zeitung“ schreibt, wurden sowohl Rauchtöpfe, Farbbeutel als auch ein „Feuerwerk“ angekündigt. 18 einzelne Demonstrationen sind insgesamt angekündigt worden, die Behörden sind alarmiert.

Dieselben Phrasen wie eh und je

Auch die Phrasendrescherei der geschworenen Staatsfeinde liest sich so wie jedes Jahr: Man wolle die Straßen mit antirassistischen, antipatriarchalen und antikapitalistischen Inhalten fluten. Seine Botschaften solle man auf Tüchern, Transparenten, mit lauten Parolen und Wurfzetteln verbreiten. Sprühereien und Farbbeuteln sollten „Akzente setzen“, auch solle man „stets in Bewegung bleiben“, fasst die „Berliner Zeitung“ die Aufrufe zusammen. Die Feinabstimmung und Koordination der einzelnen Aktionen über Twitter und Internetseiten bekanntgegeben werden.

Die Polizei sieht sich – Berlins Innensenator Andreas Geisel zufolge – gleich zwei Herausforderungen ausgesetzt: Zum einen der Infektionsschutz der Bevölkerung, zum anderen die Eigensicherung der Polizisten. Geisel kündigte an, Menschenansammlungen am 1. Mai frühzeitig zu unterbinden: „Die Polizei wird einschreiten, Identitäten feststellen und entsprechend Strafverfahren einleiten, wie es an den vergangenen Samstagen auch der Fall war“, zitiert die Zeitung den Politiker.

Kleiner Unterschied: An den vergangenen Samstagen waren es „Corona-Leugner“ und als „rechtspopulistisch“ titulierte angebliche Verschwörungstheoretiker – und bei diesen kennt die rotrotgrüne Verwaltung kein Pardon. Die Kreuzberger Demonstranten sind jedoch Kernklientel des linken Koalitionspartners – was das angekündigte „harte Durchgreifen“ eher unwahrscheinlich machen dürfte. Im Gegenteil: Wenn sich die in Berlin mit Glacéhandschuhen angepackten Autonomen und Krawalltouristen tatsächlich so „rücksichtsvoll“ an die Pandemiebestimmungen halten, gibt es womöglich noch eine offizielle Belobigung vom Senat… (DM)