Weil sie mit Israelis skypten: Hamas verhaftet junge Palästinenser

Hamas-Agitation in Gaza-Stadt (Foto:Imago/ZUMAWire)

Gaza / Tel Aviv – Eine Art lagerübergreifenden Direktaustausch hat vor 10 Jahren ein Araber aus dem Gazastreifen ins Leben gerufen, der junge Israelis und Palästinenser in den Bereichen Bildung, Kultur und Sport zusammenbringen wollte. Seit 2015 lief überdies die Aktion „Skype mit deinem Feind“, wobei sich Vertreter der verfeindeten Völker untereinander per Videoschalte austauschten. Nun wurde der Macher des Projekts verhaftet – von der Hamas.

Grund für die Festnahme war, dass Organisator Rami Aman und seine Landleute diesmal mit den (überwiegend linken) israelischen Aktivisten nicht in geschlossenen Foren kommuniziert hatten, sondern eine öffentliche Zoom-Konferenz veranstalteten. An dieser nahmen mehr als zweihundert Personen in Israel, Amerika und Gaza teil. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet, wurde daraufhin eine fanatische Hamas-Medienaktivistin in Gaza aufmerksam, Hind Khoudary, die sich über die „Normalisierungsaktivitäten“ Amans beschwerte – denn jegliches Bestreben, für Ausgleich und Verständigung mit dem jüdischen Erzfeind einzutreten, gilt den hasserfüllten Hamas-Funktionären als Hochverrat. Khoudary tagte in einer Facebook-Nachricht drei Hamas-Vertreter und machte sie so auf Amans Videokonferenz aufmerksam.

Kurz darauf wurden dieser und einige seiner Mitaktivisten zur Hamas-Behörde für Innere Sicherheit vorgeladen – und verschwanden seither; Angehörige vermuten, die Islamisten hätten ihn verschleppt oder ihn in eines der Hamas-Foltergefängnisse in Gaza verbracht. Auf Rückfragen internationaler Journalisten antwortete die radikal-islamische Organisation lakonisch: „Jegliche Aktivität oder Kommunikation mit der israelischen Besatzung unter jedwedem Bezug ist ein strafbares Verbrechen und ein Betrug an unserem Volk und dessen Opfern.“

Denunzierung und Verschleppung

Schon früher war Aman von Hamas-Vertretern für sein Bemühen um Frieden und Dialog bedroht worden. „Es ist gefährlich, aber wir haben nichts zu verlieren“, entgegnete er damals auf diese Einschüchterungsversuche. Anfangs, zitiert ihn die FAZ, sei es ihm schwer gefallen, Leute in der eigenen Gesellschaft im Gazastreifen zu überzeugen, weil diese „dachten, wir würden mit dem Mossad oder dem Shabak zusammenarbeiten.“ Doch mit der Zeit sei Vertrauen gewachsen und es seien, bei aller politischen Kontroverse, fruchtbare Gespräche und sogar Freundschaften zwischen jungen Israelis und Palästinensern entstanden. Die Initiative und sein Engagement trugen Früchte.

Die Denunzierung und Verhaftung Amans zeigt aufs Neue, wo das wahre, ja das einzige Problem des Nahostkonflikts wurzelt: Nicht etwa in irgendeiner israelischen „Aggression“, die in der Behauptung des Existenzrechts und der Selbstverteidigung dieser einzigen Demokratie der Region besteht – sondern in der faschistischen, rassistischen und volksverhetzenden Haltung der Hamas-Islamisten, die Terror und Selbstmordattentate verherrlichen und fördert – und, nicht von ungefähr, etliche Sympathisanten unter den europäischen und vor allem deutschen Linken hat. (DM)