Die ewige Raute: Auch Seehofer liebäugelt mit fünfter Merkel-Amtszeit

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Berlin – Es ist die vorerst letzte Etappe der Tour de Force von Innenminister Horst Seehofer in seinem Bemühen, sich vollends zum treuesten Domestiken der Weltkanzlerin Angela Merkel zu wandeln – nachdem er noch vor vier Jahren als ihr schärfster Kontrahent galt. Dass der Ex-CSU-Chef gar ihre fünfte Amtszeit herbeiredet, passt da nur ins Bild.

In dem Maße, wie Merkel in der Corona-Krise – trotz ihres wissenschaftlich kaum fundierten, erratischen und oft planlos anmutenden Shutdown-Kurses – an Zustimmung in der Bevölkerung gewinnt und die Umfragewerte der Union in ungeahnte Höhen schnellen, biedern sich auch die Groko-Kabinettsfreunde bei ihr an – vor allem Bundesinnenminister Seehofer.

Der einstige Rivale und Gegner in der Flüchtlingskrise, der Merkel beim CSU-Parteitag vor vier Jahren öffentlich vorführte und demütigte und 2018 um ein Haar die Koalition über die Frage der Wiedereinreise bereits abgelehnter Asylbewerber zum Platzen gebracht hätte (ehe er dann sang- und klanglos klein beigab und einem faulen „Asylkompromiss“ zustimmte), flötet mittlerweile servil Lobeshymnen auf Merkel. Nun aber setzte er noch einen drauf – und thematisierte das Undenkbare, etwas, das selbst Merkel vor der Pandemiekrise ausgeschlossen hatte: Eine fünfte Amtszeit der Bundeskanzlerin.

Four more years?

Was für die um Deutschland politische Zukunft besorgten Gemüter im Lande eine Horrorvision wäre, scheint für den bayerischen Wendehals und Umfaller mit dem treffenden Alias-Nickname „Drehhofer“ geradezu berauschend: „Ich kann nicht bestreiten, dass ich den Gedanken in letzter Zeit öfter gehört habe“, feixte Seehofer gegenüber Springer-Journalisten – und bestärkte so den Gedanken an „four more years Merkel“ durch Elogen auf die ewige Raute; anscheinend kann er selbst sich mit diesen verstörenden Gedanken mehr als anfreunden.

So führe, zitiert ihn „t-online„, die frühere CDU-Chefin Deutschland „gerade sehr stark durch die Krise“. Er erlebe sowohl im Kabinett als auch im Zusammenspiel mit den Ministerpräsidenten eine „hervorragende Teamarbeit“, was der „strategischen Führung“ Merkels geschuldet sei. Seehofer wörtlich: „Wir können froh sein, dass wir in dieser Situation eine solche Kanzlerin an der Spitze unseres Landes haben.“ Es war nicht ironisch gemeint.