Neuauflage von 1933: Linke Demonstranten fordern Enteignungen in Grunewald

Berlin – Auch am diesjährigen 1. Mai wurde – trotz Corona-Beschränkungen – nicht auf eine der unrühmlicheren Aktionen der linken Maikundgebungen in der Hauptstadt verzichtet: Im Villenviertel Grunewald wurden (wenn auch in bescheidenerem Rahmen als in den Vorjahren) die üblichen Neid- und Klassenkampfparolen getrommelt.

Federführend für die diesjährigen Proteste war die noch junge Mai-Demo „MyGruni“, die „für Umverteilung und Enteignung großer Wohnungsbaukonzerne“ eintritt und ihre natürlichen Feinde in den Haus- und Villenbesitzern des Berliner Nobelviertels ausmacht. Die gegen die dort konzentrierten, verhassten „Reichen“ erhobenen Vorwürfe, über die auch „Radio Berlin-Brandenburg“ (rbb) berichtete, ähneln den stereotypen Vorurteilen gegen die Eigentümer der Mietskasernen in den Arbeiter- und Studentenkiezen: Sie ließen angeblich Wohnraum absichtlich leerstehen, enthielten dem „Volk“ ihr Recht auf „menschenwürdiges Wohnen“ vor und beuteten durch blutsaugend-anmaßende Wuchermieten die Werktätigen aus.

Es sind dieselben üblichen sozialistischen Ammenmärchen, nachgeplappert von linken Wohlstandskindern, die das Revoluzzer-Lebensgefühl vergangener Dekaden heraufbeschwören wollen, die auch gestern wieder in Grunewald erschallten. Auch die linksextreme Allzweckwaffe „Enteignungen“ wurde in Stellung gebracht: Als besonders eingängigen Slogan für sofortiges Handeln hatten sich die Veranstalter „Enteignen first, Bedenken second“ ausgedacht – analog dem Wildwest-Motto „erst schießen, dann fragen“.

Bestürzende Geschichtsblindheit

Die bestürzende Geschichtsblindheit und Bildungsferne der linken Trottel, die hier ihre subversive Folklore vor gepflegten Vorstadtgärten zelebrierten, kommt nicht nur in der offensichtlichen Ahnungslosigkeit über das reale Elend aller bisherigen sozialistischen Umsetzungsversuche zum Ausdruck. Sondern denen, die hier nach Enteignungen plärren, wissen offenbar nicht, in welcher fragwürdigen Tradition ihre Forderungen stehen: Denn schon einmal, nach 1933, wurden die damals überwiegend jüdischen Einwohner des Grunewalds enteignet – und zwar ebenfalls „first“, sozusagen; die Bedenken kamen auch hier erst „second“, nach 1945 und erfolgtem Holocaust.

Angesichts dieser unappetitlichen historischen Parallele mutet die mediale Rückendeckung linker Hauptstadtredakteure besonders abstoßend an – etwa von Gareth Joswig von der „taz“, der auf Twitter die Proteste feierte (siehe Screenshot unten). Diese Art von Kampagnenjournalismus entlarvt – und richtet – sich am Ende selbst. (DM)