Denkverbote und grüne Intoleranz: Wird Boris Palmer zum neuen Sarrazin?

Boris Palmer (Foto:Imago/Future

Die „Sarrazinierung“ des grünen Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer schreitet weiter voran: Nach dessen kritischen Diskussionsbeiträgen über die Corona-Maßnahmen sieht seine eigene Partei endlich die Gelegenheit gekommen, den weit und breit einzigen Grünen mit Realitätssinn und Sachverstand endlich abzusägen. Jetzt fällt dem populären Palmer sogar die eigene Stadtratsfraktion in den Rücken.

Einen überfälligen Parteiwechsel Palmers könnte nun die Reaktion aus den eigenen Reihen auf seine umstrittenen Corona-Äußerungen von vergangener Woche beschleunigen. Palmers Eintreten für eine Risikodifferenzierung in den Maßnahmen – stärkerer Schutz von infektionsgefährdeten Gruppen, Alte und Vorbelastete, ohne gigantische Kollateralschäden eines wirtschaftlichen Shutdowns – verstörten die Grünen dabei vermutlich nicht minder als seine für zynisch gehaltene Feststellung, dass die Mortalität vor allem Menschen treffe, die einige Monate später „sowieso gestorben wären“.

Diesmal kam der Gegenwind nicht nur von den Parteigranden wie Robert Habeck, der von „erschöpfter Geduld“ sprach, oder den Berliner Grünen, die Palmers Parteiausschluss forderten – sondern aus dessen Nahbereich: Der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Tübinger Gemeinderat, Christoph Joachim, plädierte gestern dafür, ihn für die Oberbürgermeisterwahl 2022 nicht mehr zu nominieren. „Ich bin ein Freund von Boris Palmer, aber es kann nicht sein, dass er 2022 noch einmal für die Grünen antritt“, sagte Joachim dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“.

Wer solche „Freunde“ hat…

Er werde daher empfehlen, den amtierenden Oberbürgermeister nicht mehr zu nominieren. Ob Palmer dann ohne Unterstützung der Grünen kandidiere, müsse dieser selbst entscheiden. Weil der Verwaltungschef diesmal die „die Alten ausgrenzt“, sei das Maß voll: „Das geht nicht.“ Der selbsternannte „Freund“ Palmers fuhr munter mit subtilen Bosartigkeiten fort: Das Verstehen von Menschen sei „nicht so sein Ding“, und mit einem „rein mathematischen Verstand“ könne man eine Stadt nicht führen, so Joachim laut „dts Nachrichtenagentur“.

Dass innerparteiliche Kontroverse und Debatte bei den „Grünen“, die sich stets so tolerant und pluralistisch geben, nur fromme Illusionen sind, ließ sich schon bei früheren Anlässen erahnen. Wenn Palmer – mit der fachlichen Expertise des Kommunalpolitikers – unbequeme Wahrheiten in der deutschen Flüchtlingspolitik ansprach, oder auch das Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Wirtschaft differenzierter betrachtete, als es Ökostalinisten und weltfremden Fridays-for-Future-Aktivisten lieb sein konnte, dann fragten sich nicht nur seine Gegner, was dieser Mann um Himmels Willen bei der Verbots- und Bevormundungspartei Nummer 1 im Land zu suchen hatte. (DM)