Buchungsansturm auf Campingplätze – mit Preiserhöhungen

Foto: Passagiere in einer U-Bahn am 27.04.2020 (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Mit den ersten Lockerungen für Touristen erleben Campingplätze in Deutschland eine starke Buchungswelle. „Kaum kündigt ein Bundesland konkrete Öffnungspläne an, steigen die Buchungen rasant. Das betrifft derzeit zum Beispiel Plätze in Niedersachsen, wo die Campingplätze vom 11. Mai an wieder öffnen dürfen“, sagte Christian Günther, Geschäftsführer des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD), den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochausgaben).

Diese Situation stellt eine Kehrtwende dar. „In den vergangenen Wochen wurden zunächst 75 Prozent aller gebuchten Campingreisen storniert.“ Allerdings müssten sich die Camping-Urlauber wohl auf Preiserhöhungen einstellen.

„Es wird in allen Segmenten des Tourismus Preisanhebungen geben. So könnten Nebensaisonpreise schon auf das Niveau der Hochsaison steigen.“ Dies sei eine Folge der höheren Auflagen durch die Abstandsregeln und geringere Belegung der Plätze.

Wer mit dem Gedanken spielt, in diesem Jahr in Deutschland zu campen, sollte jetzt schon reservieren, so der BVCD-Chef. „Auf gut Glück einen Platz anzufahren, würde ich nicht probieren. In diesem Jahr wird es auf den Campingplätzen voller als üblich.“

Das heiße allerdings in Corona-Zeiten, dass nur die Hälfte aller Stellplätze auf den rund 3.000 Campingplätzen überhaupt vergeben werden könne. Camping wird seit Jahren in Deutschland immer populärer. 2019 wurde mit mehr als 35,75 Millionen Übernachtungen ein neuer Rekord verzeichnet – rund 87 Prozent davon waren Bundesbürger. Die Coronakrise verhindert allerdings neue Höchstmarken. „Wir werden dennoch in diesem Jahr keinen neuen Buchungsrekord erzielen können, da die Monate April und Mai praktisch komplett ausgefallen sind.“ Auch die deutschen Hersteller von Reisemobilen und Caravanen befürchten „mittel- und langfristig keinen dramatischen Einbruch“ der Verkaufszahlen, die seit Jahren auf immer neue Rekorde gestiegen sind, sagte der Geschäftsführer des Caravaning Industrie Verband (CIVD), Daniel Onggowinarso. Die Zulassung von Reisemobilen und Caravanen ist im ersten Quartal trotz der Coronakrise um 17 Prozent auf 21.506 Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum angestiegen. „Hersteller und Handel arbeiten trotz Coronakrise noch Aufträge ab, jedoch macht sich das eingeschränkte Frühjahrsgeschäft durchaus bemerkbar.“ So stand die Produktion wegen der Coronakrise teilweise still, der KFZ-Handel war geschlossen. Die Branche ist zuversichtlich, dass es nach der Lockerung der Reisebeschränkungen wieder bergauf geht. „Caravans und Reisemobile sind in diesen Zeiten ideale Fahrzeuge, um die notwendigen Abstands- und Hygienevorschriften auch auf Reisen einzuhalten“, sagte Onggowinarso. Der Zuspruch der Kunden, den man in den letzten Tagen im Handel wieder spüre, „stärkt uns in dieser Einschätzung und unserem Optimismus“. Man stehe „für den zeitnahen, corona-gerechten Neustart im Tourismus bereit“-.

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

Gesetzesänderung soll Bundestagswahl gegen Corona absichern

Um die Bundestagswahl auch bei neuen Corona-Wellen im Herbst nächsten Jahres durchführen zu können, bereitet die Koalition eine Novelle des Wahlrechtes vor. Das berichtet die „Rheinische Post“ (Mittwoch) unter Berufung auf Innen- und Rechtsexperten von Union und SPD. Danach soll die Möglichkeit geschaffen werden, über die Zusammensetzung des nächsten Bundestages allein durch Briefwahl zu entscheiden.

„Es ist sinnvoll, für Notfälle die Möglichkeit zu schaffen, dass Kandidatenaufstellungen und die eigentliche Bundestagswahl auch anders durchgeführt werden können als durch Präsenzveranstaltungen“, sagte CDU-Rechtsexperte Ansgar Heveling. Während sich Union und SPD bei der eigentlichen Wahl einig sind, gibt es zur Kandidatenaufstellung noch Beratungsbedarf. So würde die SPD-Innenexpertin Ute Vogt einen kleineren Delegiertenschlüssel vorziehen, damit Wahlversammlungen auch in kleinerem Rahmen möglich sind und der Abstand zwischen den Delegierten gewahrt werden kann.

Bei solchen Beratungen sei nichts besser als eine Präsenz, um Vorstellung und Nachfragen zu ermöglichen. Sobald die Koalition sich auf einen Weg verständigt hat, soll eine entsprechende Bestimmung in ein laufendes Gesetzesvorhaben eingefügt werden. Dabei handelt es sich um die durch Zu- und Wegzug von Wählern nötig gewordenen Neuzuschnitte von Wahlbezirken.

Dieses Vorhaben liegt derzeit auf Eis, weil die Fraktionsführungen einen letzten Anlauf für ein neues Wahlrecht unternehmen wollen, um eine weitere Aufblähung des Bundestages zu verhindern.

Bundesregierung: Erhöhung des Kurzarbeitergeldes kostet Milliarden

Eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes würde hohe Mehrausgaben für die Bundesagentur für Arbeit mit sich bringen. Das geht aus der Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, über die die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet (Mittwochsausgabe). Linken-Fraktionsvize Susanne Ferschl hatte erfragt, was es kosten würde, drei Monate lang 80 beziehungsweise für Arbeitnehmer mit Kindern 87 Prozent Kurzarbeitergeld zu zahlen – für im Durchschnitt drei Millionen Kurzarbeiter.

In der Antwort des Arbeitsministeriums heißt es, eine solche Erhöhung hätte Mehrausgaben von rund einer Milliarde Euro zur Folge. Hinzu kommt laut Ministerium die Erstattung der Sozialbeiträge für die Arbeitgeber von drei Milliarden Euro. Ferschl kritisierte, dass die Rückerstattung der Sozialbeiträge deutlich teurer sei als die Erhöhung des Kurzarbeitergeldes.

Es sei „nicht hinnehmbar“, dass die Arbeitgeber neben Staatsgarantien 100 Prozent Beitragserstattung bekämen, die Beschäftigten dagegen „nur eine schrittweise Aufstockung des Kurzarbeitergeldes – und auch erst nach Monaten“. Das Kabinett hatte zuletzt eine stufenweise Anhebung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 87 Prozent beschlossen.

FDP dringt auf rasche Bundesliga-Fortsetzung

Britta Dassler, sportpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag, glaubt an eine rasche Fortsetzung der Bundesliga. „Wir brauchen schnell eine politische Entscheidung. Fußball ist nicht nur Volkssport, sondern auch Medizin für die Seele“, sagte Dassler der „Rheinischen Post“ (Mittwochausgabe).

Die DFL habe mit einem Hygienekonzept inklusive Infektionsmonitoring und Schnelltests ihren Beitrag geleistet. „Nun müssen alle Spieler und Verantwortlichen in die Pflicht genommen werden, die Auflagen vollumfänglich und ernsthaft umzusetzen. Dann könnte der Ball bald wieder rollen“, sagte die FDP-Politikerin.

Es gehe dabei auch um das wirtschaftliche Überleben der Vereine. „Durch die Ausschüttung der TV-Gelder würden sie stabilisiert. Klar ist aber: Das oberste Gebot bei allen Lockerungen im Breiten- und Spitzensport bleibt der Gesundheitsschutz.“

Monika Lazar von den Grünen hingegen hält eine Fortsetzung der Saison noch im Mai für zu früh. „Es darf keine `Extra-Stadionwurst` für den Profifußball geben. Während besonders exponierte Berufsgruppen wie etwa Pflegerinnen und Pfleger in Pflegeheimen immer noch nicht ausreichend auf Covid-19 getestet werden, wird genau dies nun bei Profifußballern praktiziert“, sagte die Grünen-Politikerin.

Österreichs Tourismusministerin gegen deutsche Grenzschließungen

Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger hat den Druck auf Deutschland verschärft, die Grenzen zu öffnen. „Ich werde in dieser Frage nicht locker lassen. Österreich schafft alle Voraussetzungen für einen sicheren und schönen Urlaub“, sagte Köstinger der „Bild“ (Mittwochausgabe).

Sie sehe sich hier „als Verbündete der vielen deutschen Gäste, die ihren Urlaub in Österreich verbringen wollen“. Der Erfolg beim Kampf gegen das Coronavirus sei „die solide Grundlage dafür, dass wir an Zukunftskonzepten für den Sommer arbeiten“, sagte die ÖVP-Politikerin.