Zahl der Corona-Neuinfektionen bleibt unter tausend

Foto: Fahrgäste mit Mund-Nasen-Schutz (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin – Schon merkwürdig, in den vergangenen Wochen häuften sich die Bilder von Massenansammlungen, zum Beispiel bei Beerdigungen, aber auch bei Demos und in Fußgängerzonen. Eigentlich müssten die Zahlen der Neuinfektionen wieder nach oben schießen. Aber das Gegenteil ist der Fall:

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus bleibt in Deutschland weiterhin unter tausend. Laut Abfragen bei den Gesundheitsämtern der Städte und Landkreise, die die dts Nachrichtenagentur seit Anfang März täglich um 20 Uhr auswertet, wurden bis Samstagabend bundesweit 885 Neuinfektionen gemeldet. Im Durchschnitt der letzten sieben Tage waren es 906 täglich, diese Zahl sinkt aber nun nicht mehr so stark wie in den letzten Wochen.

Pro 100.000 Einwohner wurden damit 7,6 Neuinfektionen in der letzten Woche gemeldet, am Tag zuvor lag der Wert bei 7,7, und damit weit entfernt von der definierten „Obergrenze“ von 50. Die Zahl der mit Covid-19 auf einer Intensivstation behandelten Patienten sank gegenüber dem Vortag deutlich um 3,5 Prozent auf 1.611. Fast 12.500 Intensivbetten sind derzeit in Deutschland frei. Insgesamt waren bis Samstagabend 171.865 Personen in Deutschland positiv auf das Coronavirus getestet, 7.642 starben mit der Infektion, davon 83 innerhalb der letzten 24 Stunden. Die Zahl der aktiven Infektionen sank auf rund 17.900, auf dem Höhepunkt am 6. April waren es fast 63.000.

Schwächt sich die saisonale Grippe also tatsächlich wieder ab?

Hier weitere Meldungen zu diesem Thema:

Altmaier plant „Sprinterprogramm“ für Maskenproduktion im Mai

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will die Produktion von Atemschutzmasken massiv ankurbeln. Die Regierung werde „Programme auflegen, um Anlagen zur Herstellung sicherer Masken zu fördern“, sagte Altmaier den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). Noch im Mai starte ein „Sprinterprogramm“, um „kurzfristig verfügbare Maschinen zur nationalen und europäischen Herstellung zertifizierter Masken“ zu fördern.

Dabei sei ein staatlicher Investitionskostenzuschuss von bis zu 30 Prozent geplant. „Mit diesem Sprinterprogramm wollen wir Anreize schaffen, um eine Produktionskapazität von jährlich etwa 2,5 Milliarden Schutzmasken aufzubauen“, kündigte der Minister an. Die aktuelle Krise zeige, dass Deutschland und Europa dringend mehr Eigenständigkeit bei der Produktion von Schutzausrüstung brauchten.

Schon am 1. Mai sei ein Programm zur Förderung der Produktion von Filtervlies gestartet. „Wenn wir die jährlich produzierte Menge von Filtervlies um 4.000 Tonnen erhöhen, können damit bis zu fünf Milliarden Schutzmasken pro Jahr produziert werden.“ Der Wirtschaftsminister brachte zugleich eine Ausweitung der Maskenpflicht im öffentlichen Raum ins Gespräch.

„Solange wir keinen Impfstoff haben, müssen wir mit Hygiene- und Abstandsmaßnahmen leben. Dazu zählt auch der Mundschutz beim Einkaufen oder in der Straßenbahn“, sagte Altmaier. „Ob er darüber hinaus auf weiterere Bereiche ausgedehnt werden muss, kann man nur aufgrund konkreter Entwicklungen und Umstände entscheiden.“

Hofreiter: Seehofer soll Plan zur Grenzöffnung vorlegen

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hat an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) appelliert, die Öffnung der Grenzen zu den europäischen Nachbarn vorzubereiten. Die anhaltenden Schließungen „belasten Familien, Lebenspartnerschafen und Berufstätige in den Grenzregionen genauso wie den Warenfluss im gemeinsamen Binnenmarkt“, sagte Hofreiter den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). Seehofer müsse „endlich einen Plan für die Grenzregionen vorlegen, der Freizügigkeit und Gesundheitsschutz vereint, damit die Grenzübergänge so bald wie möglich wieder geöffnet werden können“.

Statt willkürlicher Grenzschließungen brauche es jetzt regionale Lösungen und einen funktionierenden Informationsaustausch über Ländergrenzen hinweg. Dagegen mahnte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) zur Vorsicht. Ziel sei, geschlossene Grenzen nach und nach wieder zu öffnen, sagte Strobl den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Das schaffe Erleichterung für die Pendler und für die Wirtschaft. „Doch die Grenzkontrollen müssen freilich weiter bleiben.“ Notwendig seien vorsichtige Schritte.

„Leichtsinn kann sich böse rächen.“

Familienministerin erwartet Kita-Regelbetrieb im Sommer

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hat eine vollständige Öffnung der Kitas bereits zum Start des neuen Kita-Jahrs in Aussicht gestellt. „Wenn das Infektionsgeschehen es zulässt, könnte die Rückkehr zum vollständigen Regelbetrieb vielleicht im Sommer möglich sein. Aber darüber entscheiden letztlich die Länder“, sagte Giffey der „Welt am Sonntag“.

Sie wolle nächste Woche gemeinsam mit der Jugend- und Familienministerkonferenz die weiteren Schritte besprechen. „Wenn jetzt Geschäfte, Hotels, Restaurants und viele andere Bereiche wieder öffnen und mehr Eltern wieder arbeiten gehen, brauchen sie auch eine gute Betreuung für ihre Kinder. Sonst funktioniert das Gesamtsystem nicht“, sagte Giffey.

Die Familien bräuchten eine „klare Perspektive, wann und wie die Kinder und Jugendlichen wieder in die Kitas und Schulen zurückkehren können“, auch wenn das nur schrittweise gehen könne. Zunächst gelte ab Montag die in ganz Deutschland die erweiterte Notbetreuung. Sie umfasse unter anderem die Kinder von Alleinerziehenden und solche mit besonderem Förderbedarf und weitere Bedarfsgruppen, so Giffey.

„Zudem soll jedes Kind, das im Sommer in die Schule kommt, nochmal seine Kita besuchen können – für einen guten Abschluss und Neubeginn in der Grundschule.“ Giffey kündigte an, das schrittweise Hochfahren des Kita-Betriebs mit einer wissenschaftlichen Studie zu begleiten. „Wir brauchen eine deutschlandweite Betrachtung des Infektionsgeschehens bei Kindern“, so die Familienministerin.

„Es muss von Woche zu Woche untersucht werden, welche Auswirkungen das Hochfahren in den Kitas auf die Ansteckung und Verbreitung des Virus hat. Eine solche Studie bereiten wir gerade mit dem Gesundheitsministerium, dem Robert-Koch-Institut und dem Deutschen Jugendinstitut vor.“ Äußerungen ihres Parteifreundes Karl Lauterbach, regulärer Schulunterricht könne auch im nächsten Jahr nicht stattfinden, erteilte Giffey eine Absage. „Wir dürfen jetzt nicht die Eltern in helle Panik versetzen. Alle Maßnahmen, die wir treffen, müssen natürlich verantwortungsvoll und abgewogen sein, aber genauso auch alltagstauglich und zumutbar. Und alle brauchen eine Perspektive“. Deswegen solle es eine „maßvolle, schrittweise und gut begleitete Öffnung für alle“ geben. Der Idee, Schüler wegen der Coronabedingten Unterrichtsausfälle die Wiederholung des Schuljahres zu ermöglichen, steht Giffey offen gegenüber. „Ein pauschales Wiederholen wäre aus meiner Sicht nicht verhältnismäßig. Auf freiwilliger Basis ist das etwas anderes. Aber darüber müssen sich die Kultusminister verständigen.“

Lufthansa verteilt an Bord nur noch Wasser

Die Lufthansa-Gruppe will in ihren Flugzeugen zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus nur noch Wasser in Flaschen verteilen. „Wir schränken das Angebot ein, um den Kontakt zwischen dem Kabinenpersonal und Passagieren zu minimieren“, sagte ein Lufthansa-Sprecher der „Welt am Sonntag“. Als Schutz gegen eine Verbreitung des Coronavirus müssen die Passagiere an Bord auch Gesichtsmasken tragen.

Die Lufthansa und ihre Tochter-Airlines Eurowings und Swiss wollen im nächsten Monat wieder zahlreiche Urlaubsregionen anfliegen, darunter auch Mallorca, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung eigener Informationen. Auf diesen neuen Strecken gilt dann die Wasserflaschenregel.

TÜV will Kontrollsiegel für geprüfte Atemschutzmasken

Dirk Stenkamp, Vorstandsvorsitzender von TÜV Nord, will Kontrollabzeichen für geprüfte Atemschutzmasken. „Wir halten ein leicht zu erkennendes Prüfsiegel für einfache Atemschutzmasken für sinnvoll, um dem Verbraucher bei diesem für den Gesundheitsschutz entscheidenden Produkt zusätzlich Sicherheit zu geben“, sagte Stenkamp der „Welt am Sonntag“. Die zentralisierte Beschaffung der Atemschutzmasken habe sich durch das Bundesgesundheitsministerium und durch Landesministerien bewährt.

Das ermögliche es, Mitarbeitern des TÜV Nord etwa am chinesischen Flughafen Shanghai bereits Vorprüfungen der in China produzierten Masken anhand von 25 Einzelkriterien vorzunehmen, so der Vorstandsvorsitzende von TÜV Nord. Weitere Tests erfolgten in Deutschland. Schlagzeilen über den Import von „Schrottmasken“ dürften daher seltener werden.

„Bis dato hat allein TÜV Nord Lieferungen über mehr als 250 Millionen Masken im Prüfverfahren gehabt“, sagte Stenkamp. „In unserem Essener Labor arbeiten wir an sieben Tagen pro Woche durchgehend im Dreischichtbetrieb.“

TUI will ab Juli wieder Kreuzfahrten starten

Der deutsche Reisekonzern TUI will so bald wie möglich Urlaubsreisen in den Mittelmeerraum – speziell nach Mallorca – anbieten. TUI-Chef Friedrich Joussen sagte „Bild am Sonntag“: „Wir haben einen Gesundheitscheck für alle Urlaubsziele ausgearbeitet und werden Urlaub nur dort anbieten, wo er auch sicher ist. An erster Stelle steht dann sicherlich Mallorca.“

Die Hotels dort hätten einen Probelauf gemacht und könnten sofort starten und Gäste aufnehmen. Ähnlich gut seien Griechenland, Zypern, Kroatien und Bulgarien auf den Sommertourismus vorbereitet, sowie Österreich und Dänemark. Joussen forderte zugleich Erleichterungen im Reiseverkehr: „Zunächst muss Deutschland die Grenzen öffnen.“

Auch die bis zum 14. Juni gültige Reisewarnung des Auswärtigen Amts sieht der TUI-Chef kritisch: „Die generelle und weltweite Reisewarnung halte ich nicht für richtig. Man sollte vielmehr für jedes Land bzw. jede Region eine individuelle Bewertung und nur wenn nötig Warnungen aussprechen.“ Mallorca sei weit weniger von Corona betroffen als Madrid.

„Die Reise- und Bewegungsfreiheit in Europa ist ein Kern der EU.“ Trotz Corona blickt Joussen optimistisch in die Zukunft – auch was die Urlaubspreise aus Sicht der Kunden betrifft: „Wir beobachten bislang keinen Preisanstieg. Und: Für 2021 haben wir bereits ein kräftiges Buchungsplus. Die Deutschen sind und bleiben Reiseweltmeister. Sie verschieben lieber mal die Anschaffung eines neuen Autos als ihren Jahresurlaub.“ Zu den Sicherheitsmaßnahmen angesichts der Corona-Pandemie sagte Joussen: „Beim Boarding und im Flugzeug halte ich das Tragen von Gesichtsmasken für richtig, der Einstieg wird in kleinen Gruppen durchgeführt. Es wird keine langen Warteschlangen geben können, dafür Temperaturmessungen, wo es die Flughäfen anbieten.“ Auch auf den TUI-Kreuzfahrtschiffen soll es Kontrollen geben. Die Schiffe sollen bald von deutschen Häfen aus wieder fahren. Joussen zu „Bild am Sonntag“: „Wir sind ab Juli bereit, brauchen aber wie bei Flügen die Genehmigung der Behörden. Die Kapitäne erarbeiten neue Routen in Nord- und Ostsee. Es wird mehr Seetage geben, viele lieben die echte Erholung auf dem Wasser. Vermutlich reisen am Anfang maximal bis 1.000 Gäste auf einem Schiff“, so der TUI-Chef. Vor dem Einchecken müssten die Gäste Gesundheitsfragebögen ausfüllen und wie bei Flugreisen werde es Temperaturmessungen und ein gestaffeltes Boarding geben. Zudem seien Corona-Testgeräte an Bord, das Gesundheitspersonal im Bordhospital werde aufgestockt. An Fernreisen glaubt Joussen in diesem Jahr nicht mehr: „Ohne einen Impfstoff wird das eher nicht gehen. Unsere Hotels in Mexiko wollen wir zunächst für den lokalen Markt öffnen.“