Täglich neue „brisante“ Corona-Studien: Panikmache am Fließband

Fröhliche Wissenschaft: Immer mehr Corona-Studien (Symbolbild:Jouwatch)

Um die Corona-Krise in Echtzeit maximal ausschlachten zu können, sind Sensationsmedien stets auf der Suche nach neuen Meldungen – ob diese aus Horrornachrichten, spektakulären Zahlen oder wirklichen wissenschaftlichen Erkenntnissen bestehen, ist dabei nachrangig. Besonders beliebt sind ständig neue „Studien“, die alle möglichen Risiken, neue Übertragungswege und Behandlungswege untersuchen. Die neueste enthüllt nun, dass Corona auch – welche Sensation – „beim Sprechen“ übertragen werden kann.

Studien für oder gegen den Nutzen von Masken. Studien zu geheilten Patienten mit überstandener Covid-19, die entweder dauerhaft oder gar nicht immun sind. Studien, die Kinder als Überträger ausschließen oder als besonders agile Überträger nachweisen. Studien zur Übertragung beim Joggen und Spazierengehen, zum notwendigen Mindestabstand, zur Überlebensfähigkeit des Virus. Studien, die eine hohe oder fast gar keine Mortalität nachweisen. Studien, die Folgen von Corona abschätzen – für Bildung, Gesundheitssystem, Steueraufkommen. Eins haben sie meist alle gemein: Der wissenschaftliche Aussagewert der laufenden Untersuchungen zu Sars-CoV2 ist so brüchig und widersprüchlich, dass jede Meldung stets mit einem Fragezeichen zu versehen ist, ehe sie überhaupt viral geht.

Doch deutsche Journalisten müssen täglich Schlagzeilen produzieren – und zu den Hauptaufgaben gehört, ein Thema endlos weiterzuspinnen, per „Nachdrehe“ – gerade bei der Armut an sonstigen die Menschen bewegenden Ereignissen und der monothematischen Zuspitzung auf Corona wird diese schon in normalen Zeiten schwierige Notwendigkeit zur echten Herausforderung. Da ist man dann für jede noch so abstruse Meldung dankbar, die sich ausschlachten lässt.

So etwa die, dass das Coronavirus – einer neuen Studie zufolge – „möglicherweise vor allem beim Sprechen übertragen werden“ könne, wie die „Welt“ unter Berufung auf das Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America“ berichtet. Dieser Untersuchung zufolge sind es gar nicht Anhusten, Spucken, Küssen, Berühren oder Schmiereninfektionen, die Corona in Umlauf halten, sondern „beim Sprechen ausgestoßene Mikrotröpfchen“ in einem geschlossenen Raum, wo diese „mehr als zehn Minuten lang in der Luft bleiben“.

Absurde und irreale Versuchsanordnungen

Anscheinend wird inzwischen jeder Schwachsinn mit wissenschaftlichen Weihen geadelt – und dann, angesichts des ihnen von Politikern eingeräumten Stellenwertes und Mitspracherechts, von Virologen zur Grundlage möglicher Entscheidungen gemacht: Zur Durchführung der Studie musste eine Testperson in einem abgeschlossenen Raum 25 Sekunden lang laut den Satz „Stay healthy“ (bleib gesund) wiederholen. Per Laser wurden die ausgestoßenen Tröpfchen sichtbar gemacht und gezählt. Dass die Tröpfchen zwölf Minuten lang in der Luft blieben, mag zwar vor allem an der Versuchsanordnung liegen, die auf jeglichen Luftaustausch und Zirkulation verzichtete (also eine Situation, die in realiter praktisch nirgends vorkommt) – aber Hauptsache, die verkürzte Hookline lässt sich daraus basteln: „Corona wird beim Sprechen übertragen“.

Die „Welt“ greift gierig diese These auf und zitiert aus der Studie: „angesichts der bekannten Konzentration des Coronavirus im Speichel“ würden die Experten davon ausgehen, dass „…jede Minute lauten Sprechens mehr als tausend virusbelastete Tröpfchen produzieren kann, die acht Minuten lang oder länger in einem geschlossenen Raum in der Luft hängen bleiben“. Damit wäre dann auch Singen, Lachen, Weinen, Ausrufen – kurzum: jede direkte verbale Kommunikation – ein potentielles Übertragungsrisiko. Welchen Sinn derartige Studien und vor allem ihre simplifizierende Verbreitung haben, außer die Menschen immer hysterischer und unsicherer zu machen, erschließt sich nur Journalisten, deren Geschäft das Schüren von Angst ist.

Wie albern diese Studien teilweise sind, zeigt dieser Screenshot von Google:

Rauchen oder Nichtrauchen, das ist hier die Frage. (DM)