Corona-Ausverkauf der deutschen Industrie: Erst mit Steuergeld gerettet, dann nach China vertickt?

Essener Hauptverwaltung von ThyssenKrupp (Foto:Imago/Oberhäuser)

Essen – Zeichnet sich hier ein Masche ab, mit der die deutsche Wirtschaft in naher Zukunft noch öfter konfrontiert wird? Ausgerechnet China, wo die Corona-Pandemie ihren Ausgang nahm, wird zum großen Pandemie-Kriegsgewinner: Westliche Unternehmen, gerade in Deutschland, sind dank der Wirtschaftskrise zum Spottpreis zu haben – und die Chinesen schlagen zu. Auf ihrem Einkaufszettel stehen alle Big Players der Industrie.

Nachdem China bereits in Afrika kontinentübergreifend die Strippen zieht, seit es dort in den letzten 20 Jahren seinen Einfluss massiv ausgeweitet hatte und durch Private-Public-Partnerships und Entwicklungsverträge als Investor somit wichtigster Partner etlicher Staaten wurde, greift der rote Drache auch nach dem Rest der Welt; das Prestigeprojekt „Neue Seidenstraße“ wies bereits die Richtung: nach Europa. Vor allem der Exportprimus Deutschland hat hier einiges zu bieten, was die KP-Kapitalisten interessiert.

Da überrascht es wenig, dass vor allem ein Konzern mit langer Tradition im Blickwinkel der Chinesen steht: ThyssenKrupp, der legendäre deutsche Stahlgigant, wäre ein lohnendes strategisches Asset für chinesische Staatskonzerne. Und tatsächlich stehen die Chancen besser denn je, dass das 1891 von August Thyssen mit einem Kohlekraft-Bergwerk nahe Duisburg gegründete Weltunternehmen bald übernahmereif wird – und China sitzt schon in den Startlöchern.

1 Milliarde Staatshilfe kassiert – und dennoch Übernahmekandidat

Nach einem entbehrungsreichen Strukturwandel und billiger Konkurrenz aus Indien sowie Nachfrageschwankungen auf dem Weltmarkt ist ThyssenKrupp schon vor Corona in Schieflage geraten. Die Pandemie gab dem Konzern dann den Rest: Wie „Bild“ berichtet, kämpft die einstige deutsche Industrie-Ikone ums Überleben – bei Schulden in Höhe von 7,1 Milliarden Euro und 115 Millionen Euro Verlust alleine im ersten Quartal 2020. Nur durch einen inzwischen bewilligten Notkredit der staatlichen KfW-Förderbank von einer Milliarde Euro konnten die mehr als 162.000 Arbeitsplätze zunächst gerettet werden.

Doch nur fürs erste – denn die Überbrückungsgelder sind endlich, die Krise aber lange noch nicht ausgestanden. Deshalb redet ThyssenKrupp-Chefin Mar­ti­na Merz gar nicht erst um den heißen Brei – sondern macht klar, dass es „eine Zukunft für den deutschen Traditionskonzern in seiner jetzigen Form nicht geben wird“; mehr noch: „Denkverbote“ gäbe es keine mehr, zitiert „Bild“ die Managerin. Gemeint ist damit: Dem Werben der Chinesen könnte bald nachgegeben werden. Zwar hätten viele „an einer deutschen Lösung“ Interesse; etwa eine Übernahme durch die Salzgitter AG steht auch zur Debatte. Doch eben auch den Verkauf nach China will Merz nicht ausschließen.

Abgesehen davon, dass ein von deutschen Steuergeldern gerade noch vor dem Abgrund bewahrter Konzern als Schäppchenware ins Ausland wechselt: Wer würde hier nicht stutzig werden, wenn ausgerechnet das Regime, das für den Virusausbruch indirekt verantwortlich ist, von den durch ihn mitverursachten Schäden am meisten profitiert – und krisengeschüttelte westliche Schlüsselindustrie zu Discount-Preisen übernehmen würde? Käme es hierzu – ob bei ThyssenKrupp oder anderen Traditionsfirmen -, so würde dies allen Skeptikern Auftrieb geben, die seit langem eine chinesische Agenda hinter der globalen Pandemie vermuten. (DM)