Morddrohung per Killervirus gegen Lauterbach und Drosten: Schuld ist, na logisch, die Bildzeitung

Lauterbach und Drosten - die Opfer des Killervirus? (Fotos:Imago)

Für Karl Lauterbachs Selbststilisierung als angeblich unerschrockener, unbeugsamen Corona-Mahner, der mutig die Stimme gegen gewaltbereite, verschwörungsaffige Demonstranten erhebt und unpopuläre vermeintliche Wahrheiten ausspricht, kam dies wohl wie gerufen: Zwei angebliche Morddrohungen flatterten ihm ins Haus – eine davon ein Paket mit Corona-Viren. Wenig später outete sich auch Virologe Christian Drosten als Adressat eines solchen Pakets.

Die erste „Morddrohung“ war ein anonymes „Drohpaket“ aus einer Testampulle, gefüllt mit einer Flüssigkeit, die offenbar Corona-Viren enthalten sollte und auf der das Wort „Positiv“ angekreuzt war, sowie einem computergeschriebenen Zettel mit der Aufschrift „trink das, dann wirst du immun“. Dass es sich aus Karl Lauterbachs Blinkwinkel dabei tatsächlich um eine Morddrohung handeln muss, ergibt sich anscheinend schon daraus, dass für ihn Corona ein nachgerades Killervirus ist; seit Monaten wird Lauterbach nicht müde, die Gefährlichkeit von Sars-CoV2 zu beschwören.

Noch bevor selbst wohlmeinende Beobachter sich zwingend aufdrängende Zweifel äußern konnten, ob hier wirklich von einer Straftat geschweige denn „Morddrohung“ die Rede sein kann, ereilte den exzentrischen Panikmacher Lauterbach – fast möchte man ergänzen, wie bestellt – wenig später noch eine zweite, diesmal „explizite“ Morddrohung. Diese soll dem SPD-Gesundheitsexperten nach dessen eigenen Angaben ins Haus geflattert sein und bestand Lauterbach zufolge aus einer ebenfalls anonymen „…Art Postkarte, auf der ein Kreuz abgebildet ist mit meinem Namen eingraviert… In Schreibmaschinenschrift steht dort, dass ich an meine Familie denken solle“, so der Politiker. Er habe die beiden anonymen Morddrohungen gestern Dienstag dem Staatsschutz übergeben.

Schützenhilfe erfuhr Lauterbach von Deutschlands prominentesten Virologen Christian Drosten, der sich ebenfalls als Empfänger eines Drohpakets identischen Inhalts outete. Drosten sprach zwar nicht von einer „Morddrohung“, doch er teilte Lauterbachs Tweet mit solidarischem Gestus:

(Screenshot:Twitter)

Für Drosten kam der Vorfall anscheinend wie gerufen – denn er steht seit vorgestern in der Kritik, und die Rolle des verhinderten Märtyrers, der von Corona-Leugnern und „Hasspredigern“ bedroht wird, eignet sich da ideal zur Ablenkung. Zum einen geriet Drosten wegen fachlicher Ungereimtheiten seiner Studie zur Kinderansteckung von Corona in die Defensive, auf deren Grundlage die bundesweiten Schul- und Kitaschließungen im März ergingen. Zum anderen sorgte sein handfester Zwist mit der „Bild„-Zeitung für Schlagzeilen, die seit vorgestern scharf gegen ihn schießt, nachdem Drosten eine Presseanfrage mit arrogantem Statement unbeantwortet ließ und stattdessen die private Handynummer des zuständigen Redakteurs auf Twitter (wo sich Drostens Followerzahl seit Anfang der Krise rund verachtzigfacht hat) öffentlich machte.

Nachdem sich Drosten der Schützenhilfe der gesamten linken Mainstreampresse von „Spiegel“ bis „FAZ“ (die theatralisch vom „Versuch einer Vernichtung“ sprach) gewiss sein konnte, die ihn gestern exkulpierte – ohne jedoch bezeichnenderweise inhaltlich die „Bild“-Berichterstattung zu widerlegen! – und das komplette Lager der vorurteilsüberfrachteten „Bild“-Hasser auf seiner Seite weiß, passte die gestrige „Drohung“ per Post gut zum Image – und praktischerweise war auch gleich der ewige Schuldige gefunden: Natürlich die Springer-Presse. Auf Twitter waren dann Perlen von Seiten der üblichen Verdächtigen zu lesen:

(Screenshot:Twitter)

Den absoluten Vogel aber schoss der grüne Hyper-Hetzer und Altkommunist Jürgen Trittin ab, der die Parolen seiner Jugend in seinem offenbar präsenilen Oberstübchen auskramte – und die Hasstiraden der Studentenbewegung, die einst den „reaktionären“ Verleger Axel Springer für das Attentat auf Rudi Dutschke verantwortlich gemacht hatte, auf die „Bild“-Berichterstattung zu Drosten übertrug. Und dies, wohlgemerkt in Kenntnis der der Tatsache, dass in „Bild“ rein über die fachliche Kritik aus Virologenkreisen an Drostens Studie zu lesen – und nicht etwa „Mordaufrufe“ oder dergleichen gedruckt – waren. Mit seinem Tweet hat Tritten den 8. Dan des Schwachsinns mühelos errungen:

Screenshot:Twitter

Wie treffend, dass Trittin auch gleich Lauterbach zum „Bild“-Opfer macht – denn in der Tat surft dieser salbungsvoll auf der Solidarisierungswelle mit, und kann sich nun ebenfalls endlich als Leidtragender in Szene setzen, der einen angeblich hohen privaten Preis für seine fortgesetzten Kassandrarufe zahlt; seit zwei Monaten tritt er in der Coronakrise immer wieder öffentlich als „Experte“ auf und spricht sich für strenge Beschränkungen aus. Mit der „Morddrohung“ kann er nun seine Kritiker endlich unter Generalverdacht stellen, entweder selbst Hetzer oder Verhetzte zu sein: Denn, logo: Ein jeder, der Lauterbachs Mahnungen, Warnungen und Katastrophenprophezeiungen nicht folgen mag (die übrigens umso hysterischer werden, je mehr das Virus in Deutschland verschwindet), gehört auch zu den Verrückten, gewaltbereiten Leugnern und Hetzern, denen man alles zutraut. Und im Zweifel ist dann sowieso jeder „rechtsextrem“, der für zu schnelle Öffnungen eintritt oder Grundrechte anmahnt – das Weltbild stimmt wieder. (DM)