Völlig gaga: Düsseldorf „warnt“ seine Bürger mit Corona-Kreisen

Düsseldorf – Ab sofort sind mysteriöse Kreise ohne ersichtlichen Sinn nicht mehr nur in Kornfeldern zu bestaunen, sondern auch in Innenstädten: Die Stadt Düsseldorf lässt in der Altstadt und am Rheinufer hunderte weiße Kreise aufs Pflaster pinseln. So sollen die Passanten permanent an die Abstandsregeln erinnert werden – und da die Warnhinweise mit mehreren Monaten Haltbarkeit fast so langlebig sind wie Fahrbahnmarkierungen, wird auch gleich mitvermittelt: Der Ausnahmezustand ist etwas für die Ewigkeit.

Freiheit und unbeschwertes Sozialleben soll und darf es in Deutschland nicht mehr geben, die Angst muss permanent mitschwingen – auch wenn es dann in absehbarer naher Zukunft überhaupt keine Infektionen mehr geben sollte. Es ist desselbe psychologische Effekt, den in Schillers „Wilhelm Tell“ der berüchtigte „Gesslerhut“ erfüllte: Eine Vogelscheuche mit dem Hut des Landesvogts, den die Untertanen an dessen Stelle huldvoll zu grüßen haben. Genauso soll sich hier, in symbolischen Sperrkreisen, die allgegenwärtige Gültigkeit des Infektionsschutzgesetzes manifestieren.

Die insgesamt 360 „Düsseldorfer Kreidekreise“ – alleine 70 sind auf dem stark frequentierten Burgplatz – sind die Antwort der Stadtverwaltung auf die angeblich unverantwortlich hohe Zahl von Bummlern und Flaneuren, die unter dem Eindruck von im Bundesschnitt extremen selten gewordenen, fast nicht mehr nachweisbaren Corona-Ansteckungen ihre Freizügigkeit im Frühsommer genutzt hatten – und sich dabei angeblich viel zu nahe gekommen seien. Die Stadt erklärt, deshalb sollen nun den Menschen in Erinnerung gerufen werden, dass sie „die Abstandsregeln zum Schutz vor der Ansteckung mit dem Coronavirus weiter einhalten müssen“.

„Deutliches Signal“

Ausgerechnet die auch in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt gestiegenen „“Black Lives Matter“-Demos und ähnliche „Rudelbildungen im Stadtkern“ hätten die die Verantwortlichen zu diesem Schritt bewogen, schreibt die „Neue Ruhr Zeitung“ (NRZ) und zitiert den Chef der Düsseldorfer Berufsfeuerwehr, David von der Lieth: „Die Kreise sollen allen Düsseldorfern und Besuchern der Stadt als deutliches Signal vor Augen führen, dass trotz aller zwischenzeitlich vorgenommenen Lockerungen das Abstandsgebot weiterhin gilt“. Dieses sei „weiter ernst zu nehmen und sogar besonders wichtig“.

Weil angeblich die Menschen „Orientierungshilfen“ über den Abstand benötigen, verfiel der Krisenstab der Stadt auf von der Lieths Anregung hin auf die Idee mit den Kreisen. Also wurden mal eben mindestens 7.000 Euro – soviel kosten die „Straßenmalereien“ – verblasen, um Bürgern deutlich zu machen, was 1,5 Meter sind. Im Vollfürsorgestaat Deutschland, wo betreutes Denken an der Tagesordnung ist, traut man den Menschen anscheinend Eigenverantwortung beim Abstandhalten nicht zu – und will sich gar nicht vorstellen, dass die Menschen die Kontaktregeln vielleicht auch vorsätzlich nicht befolgen wollen… (DM)