„Rassismus“: Geschichtsklitterer Khan und seine scheinheiligen Freunde

Sadiq Khan, Bürgermeister von London - Foto: Imago

Sollte es irgendwann einmal eine Studie geben, der zufolge das Ablecken von Klobrillen sogar vom kleinsten bißchen Rassismus heilt, – übermorgen dürfte man per Gesetz die Maske ablegen, um die Klobrille abzulecken, die man obligatorisch um den Hals zu tragen hätte. Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, läßt bis dahin schon einmal alle Statuen von Kolonialisten und Sklavenhändlern aus dem Stadtbild entfernen. Das Messen mit zweierlei Maß ist das herausstechende Merkmal unserer Zeit.

von Max Erdinger

„In London führen die aktuellen Proteste zu einer neuen Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte. Londons Bürgermeister Sadiq Khan hat eine Überprüfung der Statuen und Straßennamen in der ganzen Stadt angeordnet.“, heißt es im „Stern„.

Statue des schottischen Kaufmanns und Sklavenhändlers Robert Milligan, vor ihrer Entfernung im Juni 2020 – Foto: Imago

Die Statue des schottischen Kaufmanns und Sklavenhändlers Robert Milligan (1746 – 1809) wurde bereits entfernt. Milligan war die treibende Kraft hinter dem Bau der „West India Docks“ in London. In Bristol stürzten Antirassismus-Demonstranten die Statue des Sklavenhändlers Edward Colston (1636 – 1721) vom Sockel.

Wegen der belgischen Kolonialgeschichte wurde in Antwerpen bereits die Statue König Leopolds des Zweiten (1835-1909) demontiert. Sie war zuvor ohnehin schon von „Antirassisten“ mir roter Farbe verunziert worden. Alle anderen seiner Statuen im Land werden bald folgen. Aus Berlin sind ähnliche Bestrebungen bekannt geworden. Reichspräsident Paul Hindenburg taugt nicht mehr als Namensgeber für den Hindenburgdamm zwischen dem Festland und der Insel Sylt. Der Streamingdienst HBO nimmt den Filmklassiker „Vom Winde verweht“ aus dem Programm. Wegen „Rassismus“. Kinderbücher werden umgeschrieben. Aus Pippi Langstrumpfs Vater, einem „Negerkönig in der Südsee“ wurde kurzerhand ein „Südseekönig“. Das Lied von den zehn kleinen Negerlein wird in keinem Kindergarten mehr gesungen. Mohammed-Karikaturen sind ebenfalls Schnee von gestern. Es gibt keine mehr.

Die marxistische Geschichtsretusche

Dieser üblich gewordene Umgang mit Literatur und Geschichte erinnert schwer an die Zeiten der stalinistischen Sowjetunion. Wen Stalin aus seinem engeren Umfeld hat hinrichten lassen, der verschwand dann auch von Fotografien, die ihn in der Nähe des roten Diktators zeigten. Die Fotos wurden einfach retuschiert und alles sah so aus, als hätte es die Hingerichteten nie gegeben. Besonders geschickt sind die Deutschen mit ihrer Geschichte umgegangen. Gut, nach dem Zweiten Weltkrieg wären Ehrenbürgerschaften für Adolf Hitler tatsächlich kein Schmuck mehr für irgend ein Goldenes Buch gewesen. Sämtliche Adolf-Hitler-Plätze und Straßen wurden umbenannt. Aber weg zu bekommen war der deutsche Geschichtshitler dadurch natürlich nicht. Vielleicht war das auch gar nicht beabsichtigt. Niemand eignet sich als Kronzeuge für die Berechtigung marxistischer Machenschaften in Deutschland heute so gut wie ausgerechnet der olle Hitler. Hierzulande wurden alle Adolf-Hitler-Plätze in einem großen Minushitler-Mahnmal zusammengefaßt. Wer an die Millionen Opfer des Diktators denkt, der denkt eben auch automatisch an ihren Mörder. Das werden die Belgier und die Briten wahrscheinlich nicht kopieren, etwa, indem sie Mahnmale für die Opfer von Leopold II. oder von Cecil Rhodes aufstellen. So gesehen hätten „wir“ den anderen mal wieder etwas weltmeisterliches voraus.

Linke „Antirassisten“

Der Urvater des linksdeutschen juste milieus, des antirassistischen, ist natürlich ebenfalls Deutscher: Karl Marx. Von dem ungehobelten Kerl aus Trier gibt es ein „nettes Briefchen“, in welchem er sich über den Gründer dert deutschen Sozialdemokratie, Ferdinand Lasalle (1825 – 1864) ausläßt. Der rote Charlie im O-Ton:

Es ist mit jetzt völlig klar, daß er, wie auch seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, – von den Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen (wenn nicht seine Mutter oder Großmutter von väterlicher Seite sich mit einem Nigger kreuzten). Nun, diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen. Die Zudringlichkeit des Burschen ist auch niggerhaft.

Wenn es da nicht höchste Zeit wird, alle Marx-Denkmäler zu stürzen, sowie Straßen und Plätze umzubenennen, dann weiß ich aber auch nicht mehr …

Entspannung Fehlanzeige

Dabei wäre in Sachen Rassismus, Krieg und Kolonialismus eigentlich äußerste Gelassenheit angezeigt. Krieg hatten wir in Mitteleuropa seit 1945 keinen mehr. Sogar der vom Segensreichtum der Nation als solcher Überzeugte hört schwarze Popmusik. Und Kolonien will auch niemand mehr, egal, ob das einige Intellektuelle in Schwarzafrika befürworten würden oder nicht. Es gibt durchaus welche, die sich den weißen Mann aus Europa zurückwünschen. Wer in Deutschland heute um die sechzig Jahre alt ist, hat in seinem Leben noch keinen Schwarzen erstickt, erschossen oder versklavt. Er hat es auch nicht vor. Er könnte eigentlich ganz entspannt bleiben, wenn ihn nicht seit jeher Doppelmoral und das Messen mit zweierlei Maß auf die Palme brächte.

Das Land Nigeria schreibt sich gottlob mit nur einem „g“ in der Mitte. Deswegen hat auch das drecksrassistische Vorurteil keine Chance. Gut so. Trotzdem haben islamistische Angreifer von „Boko Haram“ – nicht ein weißer Europäer darunter, isch´ schwör´- vergangenen Samstag 65 pechschwarze Nigerianer umgebracht, die an einer Begräbnisprozession teilgenommen hatten. Man stelle sich vor, das Massaker wäre vom Schützenverein aus Sankt Hintertupfing am Berg verübt worden. In Nigeria. Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ würde nie wieder aufgeführt werden dürfen.

In Südafrika werden seit 1994 alljährlich 25.000 Bürger zu Opfern von Mord und Totschlag. Die Täter sind in über 99 Prozent aller Fälle Schwarze, so, wie auch die meisten ihrer Opfer schwarz sind. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil sind aber die Weißen Südafrikas dennoch überproportional häufig unter den Gemeuchelten. Jüngster Fall: Der Auswanderer Edi N. (67), der mit seiner deutschen Lebensgefährtin seit 2011 das beliebte Restaurant „Edi´s Wurstbude“ in Balgowan/KwaZulu-Natal betrieb, wurde ebenfalls am vergangenen Samstag vor seinem Restaurant überfallen und mit einer Machete in Stücke gehackt. Seine Lebensgefährtin mußte sich das Gemetzel mit ansehen, konnte aber dann in eine nahegelegene Schule flüchten und von dort aus die Polizei anrufen. Was in Südafrika übreigens nicht dasselbe ist, wie die Polizei in Minneapolis anzurufen. Verglichen mit der südafrikanischen Polizei bestand die in Minneapolis regelrecht aus Rechtsstaatlern. Vielleicht soll die Polizeibehörde von Minneapolis deshalb auch komplett aufgelöst werden, während derlei aus Südafrika noch nicht vernommen wurde. Und von Zimbabwe (Rhodesien) haben wir da noch gar nicht geredet.

Den fanatischen Antirassisten in seiner ganzen Wahrheitsliebe trifft es da besonders hart, daß er einräumen muß: Als Südafrika von knallharten weißen Rassisten regiert worden ist, zu Zeiten der Apartheid also, waren die Überlebenschancen für jeden Südafrikaner um ein Vielfaches höher als heute. Aus der Regierungszeit von Mijnheer Hendrik Verwoerd gibt es für das ganze Jahr 1967 eine erstaunliche Zahl: 150 Morde landesweit. Da werden doch nicht seit über 25 Jahren alle zwölf Monate über 24.800 „die Menschen“ dem hochwohllöblichen Antirassismus zum Opfer gefallen sein? Da fehlte ja nicht mehr viel – und jeder wackere Antirassist stünde moralisch auf einer Stufe mit dem belgischen König Leopold II.- !? Da wäre ja jeder empörungsgeile Antirassist ein moralischer Misthaufen, selbst verglichen mit Cecil Rhodes – !?

Das gibt´s ja gar nicht, meinen Sie? Sie haben recht. Das gibt es tatsächlich nicht. Wie der neue Chefredakteur der „Rheinischen Post“ vorgestern erst schrieb, hat der böse Rassismus viel mit Macht zu tun. Und wer hat die Macht, wenigstens „noch“? – Alte, weiße Männer. Alte und weiße Männer sind eine Rasse, die der Antirassist haßt wie der Teufel das Weihwasser. Na ja, die meisten glühenden Antirassisten sind eben nicht die hellsten.

Nicht die hellsten

Solche rassistischen „die Menschen“, die am übelsten mit dem seuchenartigen Antirassismus infiziert sind, leiden durch die Bank an selektiver Wahrnehmung. Das heißt, daß sie nichts von dem mitbekommen oder wahrhaben wollen, das nicht in jenes arg beschränkte Weltbild paßt, welches sie in ihrem rosa Wolkenkuckucksheim hegen und pflegen wie ihr persönliches Schmusekaninchen. Wäre es anders, dann müsste ihnen aufgefallen sein, daß der globale Hype um den bedauerlichen Tod von George Floyd in Minneapolis in keinem angemessenen Verhältnis mehr zu den sonstigen Weltgeschehnissen steht. Der Hellste ist außerdem keiner, der sich nicht fragt, wie es kommt, daß ein Schwerkrimineller wie Floyd ungeachtet seiner bedauerlichen Todesumstände einen güldenen Sarg bekommt, und daß das Bild dieses Sargs medial über die ganze Welt verteilt wird. Ehrlich gefragt: Wie bescheuert muß man als Antirassist eigentlich sein, um nicht zu bemerken, wie sehr die eigene Rassenharmonie-Verliebtheit von interessierten Kreisen dazu benützt wird, eine globalmarxistische Gleichheitsagenda zu pushen? – Antwort: Absolut bescheuert. Wenn man dann noch Bilder sieht wie jene aus den USA, wo Weiße sich vor Schwarzen niederknien und sie mit dem Ansinnen verblüffen, schwarze Füße zu waschen, dann kommt man nicht umhin, festzustellen, daß die antrassistische Bescheuertheit die Grenze zur psychiatrischen Behandlungsbedürftigkeit bereits überschritten hat.

Es geht noch dramatischer

Das alles wäre vielleicht noch mit einem verständnislosen Kopfschütteln zu quittieren, so lange man sich nicht überlegt, daß Antirassisten auch noch andere Dinge machen, außer antirassistische Parolen zu brüllen, Denkmäler niederzureißen, Straßen umzubenennen, Geschäfte zu plündern, weiße und auch schwarze Polizisten anzugreifen und sie hin und wieder auch zu erschießen. Besonders, wenn man an ihre Sympathisanten denkt, kann einem Angst und Bange werden. Die regieren nämlich ganze Länder, sind Bürgermeister von Weltstädten oder Chefredakteure bedeutender Zeitungen. Auch treten sie als Talkshow-Hosts im Fernsehen auf und versuchen den Eindruck zu erwecken, sie hätten die Schwarzheit … äh … die Weisheit mit der Baggerschaufel gefressen. Angesichts einer derartigen Fehleinschätzung des eigenen Selbst staunt der alte und weise Mann nur noch und läßt seine Doppelkinnlade nach unten klappen. Um sich seiner eigenen Normalgebliebenheit zu vergewissern, legt er alsdann ein Tänzchen zu Chaka Khans „Ain´t nobody“ aufs Parkett seines Wohnzimmers und tippt sich dabei rhythmisch mit dem Finger an die Stirn.

Dem weißen, alten Autoren dieses „umstrittenen“ Artikels fällt aber zum Schluß noch ein antirassistisches Bonmot zur Rede- und Meinungsfreiheit ein. Es stammt von dem ehemaligen ugandischen Menschenfresser und Despoten Idi Amin, dick und dunkelschwarz: „Natürlich gibt es die Redefreiheit. Aber ich kann nicht garantieren, daß es die Freiheit auch nach der Rede noch gibt.“