Tiefe Bildungslücken, dümmere Schüler: Studien belegen Langzeitschäden durch Corona-Maßnahmen

Minimalunterricht nach Corona (Foto:Imago/Lucas)

Welch bahnbrechende Erkenntnis: Dass die weit überzogenen Corona-Maßnahmen bleibende Schäden im deutschen Bildungssystem hinterlassen werden, ist eine Binsenweisheit. Dass das bereits vor der Pandemie desolate Schulsystem, mit europaweit rekordverdächtigem Unterrichtsausfall und unter soziokulturellen sowie ideologischen Zusatzaufgaben ächzendem Schulbetrieb die Wissensvermittlung schon lange in den Hintergrund rückt, wurde durch den Lockdown nur schneller Richtung Abgrund getrieben.

Was Lehrer, Elternvertreter und betroffene Schüler der Mittel- und Oberstufen selbst schon klar war, das wurde nun nochmals durch Experten in speziellen Untersuchungen festgestellt (anscheinend muss in Deutschland alles zuerst durch kostenintensive Studien wissenschaftlich bestätigt werden, was der gesunde Menschenverstand ohnehin weiß): Weil im Corona-Jahr auf eine monatelange Schulschließung zunächst eine „Phase sehr lückenhaften Unterrichts folgte, an die sich nun auch noch die Ferienzeit anschließt“, werden werden zum Start des nächsten Schuljahres die Schüler wesentlich weniger Lernstoff vermittelt bekommen haben.

Diese „sensationelle“ Neuigkeit vermelden die Bildungsexperten der auf die Messung von Schulleistungen spezialisierten gemeinnützige Nichtregierungsorganisation NWEA, wie die „Welt“ berichtet – als sei dies eine völlig neue Einsicht. In Mathematik etwa sollen die deutschen Schüler infolge Corona – und selbst dies scheint optimistisch – nur ein Drittel bis die Hälfte der Kenntnisse aufweisen, die sie unter normalen Umständen im Vorjahr erworben hätten.

Weil die Corona-bedingt reduzierten Lehrpläne seit dem teilweisen Wiederhochfahren eines eingeschränkten Schulbetriebs „Makulatur“ seien und während der anstehenden Sommerferien das wenige Gelernte wieder vergessen werde, könne praktisch ein komplettes Schulhalbjahr abgeschrieben werden.

Homeschooling keine Alternative zum Präsenzunterricht

Dass entsprechend unterschiedlicher sozialer Verhältnisse der Familien sowie stark abweichender Durchdringung der Haushalte mit digitaler Infrastruktur auch das Homeschooling sowie der digitale Unterricht keine gleichwertige Wissensvermittlung möglich machten, wirkt sich besonders in naturwissenschaftlichen Fächern und Mathematik aus, wo logische Aufgaben mit eindeutigen Resultaten zwar leichter am Computer bewältigbar wären – aber nur, wenn jeder dieselben Voraussetzungen mitbringt. Weniger gravierend sich soll der Lockdown, der NWEA-Studie zufolge, bei Fächern wie Deutsch (bzw. bei den Jüngeren: im Lesen und Schreiben) ausgewirkt haben.

Auch das ifo-Institut sieht in der mehr oder weniger leidlichen heimischen Beschulung durch Eltern keine Alternative zum Schulunterricht: Selbst Kindern, die in Corona-Zeiten mit Hilfe ihrer Eltern oder alleine gut zu Hause lernen, werde die Misere schaden, zitiert die „Welt“ den Ifo-Experten Ludger Wößmann. „Wenn sie nach den Sommerferien oder noch später in den Klassenverband zurückkehren, werden sie gebremst… weil sich der Lehrer auf das abgefallene Durchschnittsniveau einstellen muss, wird es nach der Rückkehr in den Regelbetrieb langsamer vorangehen.“

Damit kommt zu den bereits von der Politik dem deutschen Schulsystem aufgebürdeten künstlichen Handicaps Inklusion und Integration noch ein weiterer Filter – die Corona-Verlierer. Da sich das Leistungsniveau selbst an den Gymnasien längst nicht mehr an Spitzenwerten orientiert, sondern (getreu der Devise „keiner wird zurückgelassen“) stets am Schwächsten, degeneriert das Bildungsniveau des Schülernachwuchses immer weiter. Geistig und körperlich Beeinträchtigte gemeinsam mit Unbeeinträchtigten in ein und derselben Klasse, Migrantenkinder mit rudimentären Sprachkenntnissen gemeinsam mit Muttersprachlern – und jetzt auch noch Extremfälle des Corona-Bildungsnotstands gemeinsam mit denen, die sich als waschechte „Digital Natives“ per Homeschooling auf dem Laufenden halten konnten.#

Schülerverdummung ganz im Sinne der politischen Linken

Dass angesichts solcher Umstände eine Normalerfüllung von Lehrplänen gänzlich ausgeschlossen ist – von einer adäquaten Elitenförderung leistungsstarker Kinder ganz zu schweigen -, wird von der Politik mit erschreckender Leichtfertigkeit in Kauf genommen. Und das, obwohl eine Studie der renommierten US-Universitäten Brown und Harvard mit 800.000 Schülern, die die Leistungen amerikanischer Schüler vor dem Lockdown mit denen seit im März (Homeschooling und Wiedereröffnung unter Minimalbetrieb) verglich, einen fächerübergreifenden eklatanten Leistungsabfall nachweist und zu dem Schluss gelangte, in den betroffenen westlichen Ländern würden „die Effekte der Schulschließungen ein Leben lang anhalten.“

Vermutlich aber kommen diese Spätfolgen vielen Politikern gar nicht so ungelegen. Geht es nach Linkspartei und Grünen, aber auch der SPD, so kann das Mindestwahlalter schon heute gar nicht weit genug herabgesenkt werden; Kinder und Jugendliche ohne Lebenserfahrungen, mit möglichst wenig politischen, historischen und alltagsbezogenen Vorkenntnissen sind ideologisch am leichtesten form- und kontrollierbar.

Bereits die wohlwollende Förderung des Schulschwänzens im Zeichen des „Klimaschutzes“ wies hier die künftige Richtung: wenn die Haltung stimmt, ist Unterrichtsausfall sekundär. Insofern lässt sich vielleicht ja aus der Corona-Not eine Tugend machen? Wissendefizite und drohende schlechte Noten könnten ja durch Haltungsnoten, etwa für „zivilgesellschaftliches Engagement“, ausgeglichen werden. Wer die richtigen Parolen skandiert, braucht keine Sprach-, Geschichts- oder Mathekenntnisse. (DM)